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Über den Dächern von Saarlouis

Über den Dächern von Saarlouis

Saarlouis. Der Aufstieg auf den evangelischen Kirchturm in Saarlouis ist abenteuerlich. "Wir müssen erst den Glockenschlag um 14 Uhr abwarten. Sonst wird's zu laut", warnt Pfarrerin Sabina Busmann. Dann geht's zuerst über Steinstufen in den Raum, in dem sich das alte Uhrwerk befindet

Saarlouis. Der Aufstieg auf den evangelischen Kirchturm in Saarlouis ist abenteuerlich. "Wir müssen erst den Glockenschlag um 14 Uhr abwarten. Sonst wird's zu laut", warnt Pfarrerin Sabina Busmann. Dann geht's zuerst über Steinstufen in den Raum, in dem sich das alte Uhrwerk befindet. Danach führen steile, alte und verwinkelte Holzstiegen vorbei an den drei Glocken und weiter höher auf den Kirchturm. "Normalerweise kommt hier kaum jemand rauf. Der Aufstieg ist einfach zu unsicher", berichtet Busmann. Widerspruch zwecklos. Wer hier hinauf klettert, muss trittfest, gelenkig und schwindelfrei sein.Oben angekommen öffnet die Pfarrerin die vier Balkontüren, die jeweils in eine andere Himmelsrichtung zeigen. Der Blick ist atemberaubend. Lediglich die Sicht nach Norden ist von einem Hochhaus versperrt. In Richtung Osten gleiten die Augen über die Dächer des alten Landratsamts hinweg nach Ensdorf. Im Westen schweift der Blick zum Pieper, zum Rathaus und weiter zur Dillinger Hütte bis zum Oberlimberg, Hoxberg und Fischerberg. Der Süden gibt den Blick frei auf die Teufelsburg, den Gau, Berus und St. Barbara. Eine Aussicht, die den Betrachter innehalten lässt."Als die Kirche vor über 100 Jahren gebaut wurde, muss es noch schöner gewesen sein", meint die Kirchenfrau. "Damals war ja noch fast alles unbebaut und es gab in Richtung Süden eine herrliche Sicht auf die Festungsanlage." Auch heute noch ist der Blick auf den Stadtgarten und Festung ihre Lieblingsaussicht. Auch wenn die Pfarrerin nur selten Zeit findet, den Kirchturm zu besteigen. Auf dem Süd-Balkon beim Blick auf die Festung kommt Sabina Busmann dann auch ins Schwärmen: "Sich auf seine Wurzeln besinnen, das macht Saarlouis aus." Nicht nur die Vauban-Stadt hat sie in ihr Herz geschlossen, auch ihre Gemeinde, in der sie seit 15 Jahren wirkt, ist ihr lieb und teuer. Busmann: "Wir haben eine tolle Gemeinde mit vielen engagierten Leuten."Die achten auch darauf, dass die Kirche und ihr Turm in Schuss gehalten werden. "Der Bauausschuss untersucht die Bausubstanz regelmäßig", berichtet Busmann. Etwas wacklig wird der Abstieg nach dem Glockenschlag um 14.30 Uhr dennoch. So schön die Aussicht auch ist, fester Boden unter den Füßen ist Gold wert.