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Trotz Prävention gibt es jedes Jahr neue HIV-Ansteckungen

Trotz Prävention gibt es jedes Jahr neue HIV-Ansteckungen

Mit Benefizkonzert, Infostand und Quizabend macht das HIV-Beratungsteam des Gesundheitsamtes Saarlouis auf den Weltaidstag am 1. Dezember aufmerksam. Saarlandweit gab es 30 Neuinfektionen in diesem Jahr.

Zum HIV-Beratungsteam beim Gesundheitsamt Saarlouis kann jeder anonym Kontakt aufnehmen. Vermehrt kommen Anfragen nach Beratungen und HIV-Tests auch per E-Mail, sagt Beraterin Kerstin Merl. "Teils mit sehr detaillierten Schilderungen, was genau passiert ist, und der Frage, ob man sich anstecken konnte. Da ist die Hemmschwelle niedriger", vermutet sie.

Beratung und Test sind für den Betroffenen kostenlos. Männer suchen genauso Rat wie Frauen, die Ratsuchenden kommen aus allen Altersklassen, schildern die Beraterinnen aus ihrer Erfahrung; sogar 80-jährige Senioren seien dabei.

Bei den Beratungen fragen die Mitarbeiter nach der konkreten Situation, in der sich der Betroffene hätte anstecken können. "Manchmal kann man das Risiko dann schon ausschließen, wenn jemand zum Beispiel fürchtet, sich über einen Kuss infiziert zu haben", sagt Beraterin Simone Theis.

Neu ist: Die Wartezeit nach einer möglichen Ansteckung beträgt nun nur noch sechs Wochen statt wie bisher drei Monate. Neue Tests zeigen eine Infektion früher an.

Für eine HIV-Testung entstehen in der Regel keine langen Wartezeiten. Ein Beratungsgespräch mit einem Mitarbeiter ist verpflichtend. Drei bis vier Tage nach der Blutentnahme kann dann das Ergebnis erfragt werden. Sollte es positiv sein, verweisen die Mitarbeiter an die Aids-Ambulanz und an die Aids Hilfe Saar als Ansprechpartner.

Kontakt über die HIV-Hotline (0 68 31) 44 47 77, Montag bis Freitag von 8.30 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 15.30 Uhr. Oder per E-Mail an: hivinfo@gesundheitsamt-saarlouis.de

In Vorbereitung auf den Welt-Aidstag am 1. Dezember will das Aids-Beratungsteam des Gesundheitsamtes Saarlouis wieder mit Veranstaltungen auf die Krankheit und das Leben mit ihr aufmerksam machen. Das Motto des weltweiten Aktionstages lautet 2015 "Positiv zusammen leben".

Seit sieben Jahren schon gibt es zum Weltaidstag ein Benefizkonzert mit lokalen Bands, der Eintritt wird an die Aids Hilfe Saar gespendet. Diesmal setzen die Veranstalter, das Gesundheitsamt mit der Stadt Saarlouis , auf Irish Folk. Bei dem Konzert am Freitag, 27. November, in der Kaserne VI in Saarlouis stehen zwei Bands auf der Bühne: "Fenian" kommen aus dem Köllertal und "Hexeschuss" aus dem Raum Saarbrücken. Bis zu 150 Zuhörer werden erwartet, kündigt Simone Theis vom Beratungsteam an. Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt kostet acht Euro. Jedes Jahr kamen so bisher mehrere hundert Euro Spenden für die Aids Hilfe Saar zusammen.

In deren Unterstützung fließt ebenfalls der Erlös einer "Wurfbude" im Ikea Saarlouis . Am Samstag, 28. November, haben von 17 bis 22 Uhr die Berater des Gesundheitsamtes mit der Aids Hilfe dort zusammen einen Infostand. In der Wurfbude kosten drei Würfe einen Euro, zu gewinnen gibt es kleine Preise.

Prävention auch in Schulen

Eine extra schwere Quizrunde kündigt das Team für Montag, 30. November, an: Bei der Sonderausgabe der wöchentlichen Quiz Night im Irish Pub Saarlouis dreht sich ab 20 Uhr alles um das Thema "HIV/Aids und Sexualität". "Und die Fragen sind nicht so einfach", verrät Kerstin Merl vom Gesundheitsamt, "denn wir haben im letzten Jahr festgestellt, dass sich viele erstaunlich gut auskannten."

Prävention in dieser Form ist nur ein Teil der Arbeit des HIV-Teams. Ganzjährig gehen die Berater auch in Schulen, "um den Welt-Aidstag herum häufen sich die Anfragen", berichtet Susanne Arweiler-Zenner.

100 Tests mehr als im Vorjahr

Ganze 580 Beratungen hatten die vier Mitarbeiter in diesem Jahr: Am Telefon oder persönlich. 295 Mal wurde ein kostenloser Aids-Test durchgeführt. "Das waren über 100 mehr als im Vorjahr", erklärt Theis. Auch bei den Aids-Tests gibt es "Stoßzeiten", wissen die Berater : Nach der Fastnacht, nach Vereinsfahrten, nach der Urlaubszeit.

Die gute Nachricht auch in diesem Jahr: Alle fielen negativ aus, es gab wie im Vorjahr kein positives Ergebnis im Landkreis Saarlouis . Saarlandweit wurden 30 Neuinfektionen festgestellt, in ganz Deutschland waren es 3200. Wie Gesundheitsamt-Leiter Dr. Wolfgang Schmitt erklärte, stagniert diese Zahl. "Das ist interessant, weil bei der guten Medikation heutzutage auch eine Ansteckung verhindert wird." Trotzdem stecken sich jedes Jahr wieder Menschen an: "Gerade im heterosexuellen Bereich wird eine hohe Dunkelziffer vermutet", erklärt Schmitt.