Trennheuser und Heinz arbeiten für Patchwork Gangsta von funk

Im Netz : „Eine Melodie, die Franz auf den Punkt bringt“

Zwei Saarlouiser Mittdreißiger gehören zu den Machern der ersten Web-Serie, die der SWR für funk, ein Internet-Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks produziert hat. Markus Trennheuser und Sebastian Heinz lieferten vor allem die Musik zu „Patchwork Gangsta“.

Das muss erstmal einer nachmachen. Nur ganz beiläufig nennt Sebastian Heinz, 33, den Beruf, den er gelernt hat: „Airline-Pilot“. Mit Zulassung für Passagiermaschinen. Wie? „Ja. Aber als ich die Zulassung hatte, wusste ich, das macht mich nicht glücklich.“ Also ließ er das Fliegen. „Ich machte das, was ich schon mit 15 begonnen habe, Klavierspielen und vor allem Komponieren. Ich meldete ein Gewerbe als Komponist an.“ Und sagt gleich drauf: „Ich hatte noch nie ein so konkretes Gefühl von richtig wie da.“ Vor sieben Jahren war das, er gibt auch Klavierunterricht, „und es fühlt sich richtig gut an“.

Sebastian Heinz hat die Musik zur ersten reinen Web-Serie mitentwickelt, die der Südwestrundfunk (SWR) für funk produziert hat. Funk ist die gemeinsame Online-Abteilung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Die zehnteilige Serie „Patchwork Gangsta“ ist nur auf You Tube im Internet zu sehen. Markus Trennheuser, 36, auch er aus Saarlouis, hat den Plot zu der Serie mitentwickelt.

Eine Mischung aus Drama und Comedy

Die Grundidee stammt von Christian Karsch, der in Saarbrücken lebt. Er ist beim SWR, dort verantwortlicher Redakteur für Comedy-Inhalte bei funk. Man kannte sich, weil Trennheuser bei ihm mal ein Video-Volontariat gemacht hatte. Ihn lud Karsch ein, bei der Entwicklung des Plots für die Serie mitzumachen. „Wir haben die Idee im Writers’ Room zum Plot weiterentwickelt“, erzählt Trennheuser, „wie bei Netflix.“ Nicht einer also, sondern eine ganze Gruppe trieb die Handlung fürs Drehbuch über zehn Teile voran. Karsch hatte da schon ein Pilotdrehbuch mit Trennheusers Beratung geschrieben.

Eine „Dramedy“, wie es der SWR nennt, eine Mischung aus Drama und Comedy entstand. „Viele Slapstick-Anteile“, sagt Trennheuser: Zwei Welten prallen aufeinander, die des bürgerlichen Alltags und die des Hip Hop. Hier Franz, Bankangestellter, „in seinem bürgerlichen Gefängnis mit allen Erwartungen“, aus dem er eigentlich ausbrechen will. Dort Amir, ein Dealer und begabter Rapper, der die Bank überfällt, um seine Schulden bezahlen zu können. Franz ergreift die Chance, Amir zu erpressen, er will halbe-halbe machen. Die beiden geraten mitsamt ihren Lebenswelten in wachsende Abhängigkeit voneinander.

Die beiden Hauptdarsteller von „Patchwork Gangsta“: Stefan Mocker (Franz, links) und Haben Tesfai (Amir) . Foto: SWR

Spezialisten achteten auf die „Zielgruppenaffinität“. Oder auf das Frauenbild. Oder darauf, dass Dialoge und Logik auch der aktuellen Hip Hop-Szene entsprechen.

„Da hat sich viel geändert“, sagt Trennheuser. Er macht selbst seit 20 Jahren Rap, man kennt ihn bestens als Rapper „Drehmoment“. Hip Hop „tritt heute nicht mehr so politisch auf wie früher“, daran habe auch er sich gewöhnen müssen.

Schließlich wurde „Patchwork Gangsta“ gedreht, alle zehn Folgen in 30 Tagen, was extrem schnell ist, das Drehbuch von Christian Karsch. Er und Eric Hordes führten Regie.

Trennheuser ist ein Multitalent. Nach dem Studium der Kulturwissenschaften in Saarbrücken rappte er, er moderierte beim Jugendsender Unser Ding, war freier Reporter beim SR, machte sich mit Sebastian Heinz 2017 selbstständig.

Warum nicht mal für den „Tatort“?

Die Firma „InPuls Productions“ bietet Videoproduktionen in allen Bereichen an. Unter den Referenzen finden sich Filme zur Urban Art-Schau im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Die beiden Video-Macher wollen weiter Filme machen und Soundtracks, also Filmmusik. Warum nicht auch, sagt Trennheuser, mal für einen Tatort?

Der Soundtrack für „Patchwork Gangsta“: Erstrangig wichtig für einen solchen Film mit hohem Musikanteil. Die Filmmusik stammt vom Duo Trennheuser und Heinz.

Beide Welten, die von Amir ebenso wie die von Franz, mussten sich musikalisch wiederfinden lassen. „Wir brauchten eine Melodie, die Franz auf den Punkt bringt“, sagt Heinz. Für ihn klar, dass dort viele Anklänge an die Musik der 80er hineingehörten. Wie macht man das?

Heinz: „Ich denke zwölf Stunden vorher darüber nach, wie sich diese Gestalt wohl anfühlt.“ Auf dem Keyboard unter anderem in Trennheusers Studio in Picard spielte er seine Ideen an, fragte sich, ob sich andere den Charakter so vorstellen konnten. „Wie klingt dieser Typ? Wenn man es dann hat, dann weiß man’s. Man spürt es tatsächlich.“

Die beiden Mittdreißiger geben sich optimistisch. „Eine Institution im Südwesten“ soll ihre Firma werden, wünscht sich Heinz. Sie bewegen sich nicht nur mit „Patchwork Gangsta“ in der digitalen Welt – zuversichtlich. Denn, unterstreicht Trennheuser, „Originalität und Kreativität kriegst du nicht weg. Auch nicht durch Künstliche Intelligenz.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung