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Tourismus
Tourismus soll besser hörbar werden

Schwerhörige Touristen sollen keinen Nachteil erdulden müssen.
Schwerhörige Touristen sollen keinen Nachteil erdulden müssen. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Saarbrücken/Saarlouis. Tourismus Zentrale Saar treibt das Netzwerk Hören in saarländischen Städten voran. Von Axel Künkeler

Mit dem Netzwerk Hören will die Tourismus Zentrale Saarland (TZS) landesweit erreichen, dass Menschen mit Höreinschränkungen die touristischen Angebote des Landes besser wahrnehmen können. In Saarbrücken gibt es bereits konkrete Umsetzungen, wie eine Sprecherin der TZS bestätigt. Die Tourismus Zentrale tritt beispielsweise an Hotels in der Stadt heran, spezielle Zimmer für Hörgeschädigte einzurichten, in denen Lichtsignale den Gast auf einen Notruf oder Besuch vor der Zimmertür aufmerksam machen. Und beim Hotel Leidinger sei man da auf offene Ohren gestoßen. Auch die Moderne Galerie beteiligt sich beim Projekt mit einer „FM-Anlage“, bei der in Führungen jeder einen Kopfhörer bekommt, den er dann individuell einstellen kann.


Einer der ersten Projektpartner ist die Tourismusinformation von Stadt und Landkreis Saarlouis. Schon bei der Eröffnung der neuen Tourismusinformation am Großen Markt waren die investiven Voraussetzungen für „Barrierefreiheit im Tourismus“ geschaffen. Eingang und Beratungstresen wurden rollstuhlgerecht gestaltet, Behinderten-Toiletten eingebaut. Und es gab bereits im Vorfeld Überlegungen, was für Menschen mit Hörbeeinträchtigung getan werden kann.

Eine induktive Höranlage wurde installiert und die Decke gedämpft. Im Eingangsbereich weist ein Hinweisschild darauf hin, dass Hörgeschädigte ihr Hörgerät auf „T“ schalten und damit die störenden Nebengeräusche ausblenden können. Zudem wurde auf eine blendfreie und gute Ausleuchtung geachtet. „Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung wird das Sehen umso wichtiger“, erläutert Dieter Ruck. Der Leiter der Saarlouiser Tourismusinformation hat neben den investiven Maßnahmen auch darauf geachtet, dass das Personal geschult wird.



Markus Seidel ist einer von drei Mitarbeitern, die das Seminar „Hören mit Herz“ bereits 2016 absolviert haben. „Am Anfang ist bei Menschen mit Hörschädigung oft eine Unsicherheit zu beobachten“, sagt er. Die Umstellung des Hörgeräts, die Leute Platz nehmen lassen, langsam sprechen und Blickkontakt halten – all das schaffe dann aber Ruhe und zumeist zufriedene Besucher.

Bis zum Frühjahr 2018 will Ruck auch die restlichen der insgesamt acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen lassen. Und er will noch in diesem Jahr „mindestens fünf Betriebe“ aus der „sehr aktiven Hotellerie“ gewinnen, bei dem Projekt mitzumachen. Die Anschaffung von mobilen Induktionsschleifen für ihre Verkaufsstellen Lebach und Saarlouis haben bereits die Kreisverkehrsbetriebe (KVS) beschlossen. Die erste Investition, „damit wir einfach mal los legen“, ist mit einem Kostenvolumen von knapp 1000 Euro zwar relativ bescheiden. Doch mittelfristig sollen möglichst weitere Anlagen in den KVS-Bussen folgen, wie Geschäftsführer Andreas Michel auf Anfrage bestätigt.

Weiterer Projektpartner ist das Aqualouis, das die Anfrage von Netzwerk-Leiterin Carola Heimann „sehr wohlwollend“ aufgenommen hat. Auch dort soll eine mobile Höranlage für den Eingangsbereich angeschafft und eine Mitarbeiterin noch im Frühjahr geschult werden. Als Nächstes will Heimann mit dem Städtischen Museum in Saarlouis ebenfalls konkrete Gespräche führen. Die Stadt Saarlouis jedenfalls ist schon aktiv geworden, bestätigt Pressesprecher Sascha Schmidt. Für ihre Stadtführungen hat die Stadt 30 FM-Anlagen (ein Sender/30 Empfänger) beantragt. Die Investitionen in Höhe von rund 9100 Euro sollen mit 70 Prozent, also 6400 Euro, vom Land gefördert werden. Der Bewilligungsbescheid aus dem Wirtschaftsministerium in Saarbrücken liegt bereits im Rathaus vor, die Anlagen sind bestellt und werden in Kürze geliefert. Sie sollen auch bei weiteren Führungen, etwa im Städtischen Museum, zum Einsatz kommen. Dann wird Saarlouis nicht nur für Einzelpersonen hörbar, sondern für ganze Besuchergruppen.