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Top Zeugnis für Saarlouis als Einkaufsstadt

Top Zeugnis für Saarlouis als Einkaufsstadt

Die Kreisstadt Saarlouis mit rund 34 000 Einwohnern entwickelt ihre Anziehungskraft über die Stadtgrenzen hinaus aus den Geschäften, jetzt weiß man auch genauer, was das heißt. Aufschluss gibt eine komplette Bestandsaufnahme mit Analyse.

Die City von Saarlouis zählt rund sechs Millionen Besucher pro Jahr. 2,8 Millionen von ihnen kaufen dort auch ein. Globus, jenseits der engeren City, zieht pro Jahr rund 2,2 Millionen Kunden an. Knapp 20 Prozent, etwa 400 000 der Globuskunden, verbinden den Besuch in dem Warenhaus mit einem Besuch der City. Andersherum: Vier von fünf Globuskunden fahren nur zum Globus. Diese Zahlen ergibt ein Blick in das aktuelle Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Saarlouis . Das Büro Markt und Standortgesellschaft in Erlangen stellte es jetzt im Ausschuss für Stadtplanung vor.

Die Stadt hat die Untersuchung bestellt. Sie braucht eine Orientierung bei der künftigen Stadtplanung. Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft in der Stadt selbst liegt mit 5985 Euro pro Jahr und Kopf ganz leicht unter dem Bundesschnitt, aber über dem der meisten Kommunen im Umland. Rechnerisch könnte der Saarlouiser Handel damit 277 Millionen Euro Umsatz machen. Tatsächlich aber sind es 437 Millionen Euro . Das bestätigt vorangegangene Untersuchungen, die in der hohen Anziehungskraft der Stadt auf das Umland eine klare Stärke festgestellt haben.

Rechnerisch könnten Saarlouiser Bürger Nahrung und Genussmittel für 79,1 Millionen Euro kaufen. Verkauft hat der Handel aber für 122,5 Millionen Euro . Rechnerisch stehen bei Textilien einer städtischen Nachfrage von 22,2 Millionen Euro Umsätze von 84,3 Millionen Euro gegenüber. Bei Haushaltswaren (da spielt Ikea die Hauptrolle) ist das Verhältnis besonders krass: Dem Saarlouiser Kauf-Potenzial von 3,7 Millionen steht ein Umsatz von 18,5 Millionen Euro gegenüber.

Das Einzugsgebiet umfasst neben Saarlouis (34 000 Einwohner, Einzelhandelskaufkraft 205 Millionen Euro ) ein "Marktgebiet" (144 690 Einwohner, Kaufkraft 843 Millionen Euro ) und ein "Ergänzungsgebiet" (102 000 Einwohner, 596 Millionen Euro ). Alles zusammen beläuft sich die Kaufkraft auf 1,6 Milliarden Euro . Von diesem Volumen bindet der Saarlouiser Einzelhandel 26,6 Prozent.

Für Nahrungsmittel, Bücher, Elektrowaren etwa geben die Kunden aus dem gesamten Einzugsbereich 6,5 bis 7,5 von zehn Euro außerhalb von Saarlouis aus. Bei Bekleidung aber lassen sie fünf von zehn Euro in Saarlouis , bei Haushaltswaren mehr als sechs von zehn. 332 Geschäfte in ganz Saarlouis bieten ihre Waren auf 150 000 Quadratmetern an. Das ergab die Zählung zum Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Saarlouis . Das Büro Markt und Standortgesellschaft in Erlangen stellte es jetzt im Ausschuss für Stadtplanung vor.

Die meisten Geschäfte , 258, sind kleiner als 200 Quadratmeter, 143 haben gar weniger als 50 Quadratmeter. Unter den Großen über 1000 Quadratmetern sind acht Anbieter von Lebensmitteln, meist außerhalb der City. Ein besonders starker Magnet ist Ikea . Zwei Drittel aller Saarlouiser Geschäfte befinden sich in der City. "Leitsortiment" sind dort laut Gutachten klar die Textilien. 71 Geschäfte (31 000 Quadratmeter, Umsatz 97,4 Millionen Euro ) liegen in A-Lage. Das umfasst auch die "Magnetbetriebe" wie Pieper, C&A und P&C.

"Die Innenstadt von Saarlouis hat eine starke und im Vergleich zu anderen Städten überdurchschnittliche Bedeutung", folgert die Studie. Außerhalb der City lokalisiert die Studie sieben kleinere Einzelhandelszentren. Das sind einmal der Röderberg (Umsatz 39,7 Millionen Euro ; u.a. Real) , Lisdorf (u.a. Ikea , Decathlon) und Fraulautern (Umsatz 26,6 Millionen Euro ; u.a. Fröhliches M) als "Fachmarktstandorte". Dort dürften laut Gutachten keine neuen Verkaufsflächen für Sortimente ausgewiesen werden, die ins Zentrum gehören. Zum anderen: Das Stadtteilzentrum Roden (Mitte, Umsatz 5,1 Millionen Euro ) stellt sich den Gutachtern allenfalls als "perspektivisches Stadtteilzentrum" dar. Das in Fraulautern (Umsatz zwei Millionen Euro ) und auf dem Steinrausch (Umsatz 4,5 Millionen Euro ) ebenso. Einen planerischen Umgang als Nahversorgungszentrum sieht die Studie allein in Roden "Am Kirchenbach" (Umsatz 9,6 Millionen Euro ; Rewe, Lidl ). "Funktionierende Stadtteilzentren sind in Saarlouis nicht mehr existent." Weitere großflächige Lebensmittelanbieter sollten in Saarlouis überhaupt nicht genehmigt werden. Insgesamt aber "geht noch mehr" beim Umsatz , sagen die Gutachter. Die Kaufkraft aus dem Umland prognostizieren sie als stabil. Saarlouis biete zudem in der City eine ungewöhnlich hohe Aufenthaltsqualität. Und die Fachleute, die vergleichen können, sprechen von einer - sehr guten Parksituation in Saarlouis .

Insgesamt sehen die Gutachter in Saarlouis "viele und sehr attraktive Magnetbetriebe" in Innen- und Außenstadt, eine gute Nahversorgung, sie sehen weitere "erschließbare Potenziale" in der Kaufkraft . Die städtebauliche Qualität des Großen Marktes sei verbesserungswürdig (der Klassiker: Parkplatz oder nicht?). Vor allem müsse die Verbindung von Globus und dem Großen Markt viel attraktiver werden. Risiken sieht die Studie in der Neuansiedlung von Geschäften mit innenstadtrelevantem Sortiment in Nachbarkommunen wie Wadgassen oder Bous.

Meinung:

Den lokalen Handel stützen

Von SZ-RedakteurJohannes Werres

Wie soll man es nehmen? Saarlouis hat ordentlich was zu verlieren in der Konkurrenz zu anderen Städten und zum Internet? Oder: Wo ordentlich was ist, kann noch mehr kommen? Beides stimmt. Und beides sagt: Stadt und Handel müssen weiter aktiv bleiben. Alles tun, um die Vielfalt und Qualität des örtlichen Einzelhandels zu stützen. Um Geschäfte für alle leicht erreichbar zu halten. Auch wenn das städtebaulich mal Kompromisse verlangt, bei der Ausweisung von Parkplätzen, zum Beispiel. Vermieter sind gefordert - ja: gefordert! - ihren City-Immobilien nicht das Leben durch überteuerte Mieter abzuwürgen. Und Saarlouiser und Nachbarn dürfen nicht bloß Besuchern von auswärts vom lebendigen Saarlouis vorschwärmen - aber selbst sonst wo einkaufen. Wer dann harte Arbeit nicht scheut, der kann sein Geld verdienen als Einzelhändler in Saarlouis . Auch morgen noch.

Keine rechte Prognose dagegen ergibt sich aus der Studie für die drei Stadtteilzentren. Man kann indirekt ablesen, dass von einer politisch geförderten Aufwertung dieser Lagen eher abgeraten wird. Doch auch da kann sich der Handel eigene Wege suchen, die jetzt nicht vorhersagbar sind.