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Industriepolitik
Kommen Saarlouis und Ensdorf für Tesla in Frage?

Saarlouis. Wirtschaftsminister Peter Altmaier dämpft die Hoffnungen, aber vor Ort sprießen die Spekulationen: Könnte der US-Autobauer Tesla ein Batteriewerk auf dem Lisdorfer Berg in Saarlouis oder gleich gegenüber auf dem Gelände des früheren Kraftwerks Ensdorf bauen? Von Johannes Werres

In Saarlouis verdichten sich Spekulationen, wonach der weltweit führende amerikanische Hersteller von Elektroautos, Tesla, eine Produktionsstätte in den Kreis Saarlouis errichten könnte. Oberbürgermeister Peter Demmer (SPD) sagte am Dienstag: „Wo könnte sich ein solches Werk besser für den europäischen Markt positionieren als in Saarlouis? Mit der Erweiterung des Lisdorfer Berges könnte dafür eine hochwertige Industriefläche geschaffen werden, von der die Stadt Saarlouis und das gesamte Saarland profitieren.“ Demmer knüpfte damit an ein Schreiben von Ministerpräsident Tobias Hans und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger an, die bei Tesla-Chef Elon Musk für das Saarland als Standort für eine neue Produktionsstätte geworben hatten. Musk habe zuvor erklärt, dass ein Standort in Deutschland nahe der deutsch-französischen Grenze dafür sinnvoll sei.


Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte bei der Eröffnung des Dillinger E-Mobilitätstages am Samstag Tesla ins Gespräch gebracht. Ganz Deutschland müsse ein Interesse daran haben, dass auch E-Autos und Batterien hierzulande gebaut werden. Die Ansiedlung einer von Tesla geplanten Batteriefabrik liege daher „in unserem wirtschaftlichen Interesse“. Er warnte aber vor überzogenen Erwartungen: „Wir stehen seit sechs Monaten in Kontakt mit Elon Musk, aber die Gespräche sind noch in einem frühen Stadium.“ Er werde jedoch „alle Chancen nutzen, die sich uns bieten“, bekundete Peter Altmaier seine feste Absicht. Das „Autoland Saarland“ müsse sich Gedanken über die technologischen Entwicklungen in der Automobil-Branche machen.

Der Landtagsabgeordnete Raphael Schäfer (CDU) sagte auf Anfrage, für eine Ansiedlung von Tesla komme auch das Gelände des stillgelegten Kraftwerks Ensdorf in Frage. Ein Batteriehersteller würde gut zu den Vorstellungen passen, die für eine Nachnutzung des Geländes formuliert worden sind. Zudem sei der Standort ideal an Schiene und Wasserstraße angebunden. Das Ensdorfer Areal in Sichtweite des Lisdorfer Berges könnte wohl schneller für eine Nutzung erschlossen werden als neue Flächen auf dem Lisdorfer Berg.



Denn es ist noch offen, ob das neue Industriegebiet Lisdorfer Berg nach der jüngsten Groß-Ansiedlung des Küchenherstellers nobilia überhaupt noch erweitert wird. Im Entwurf zum neuen Flächennutzungsplan ist es nicht mehr verzeichnet, aber der ist noch nicht in Kraft.

„Nicht nur wegen der erfolgreichen Ansiedlung des Küchenherstellers Nobilia auf dem Lisdorfer Berg ist die Frage nach der Erweiterung des Industrieparks aktuell – auch bei der derzeit laufenden Erstellung eines neuen Flächennutzungsplanes für Saarlouis ist dies eine zentrale Fragestellung“, unterstrich OB Peter Demmer.

„Ich stehe zur Erweiterung“, betonte Demmer. „Der Lisdorfer Berg ist eine Erfolgsgeschichte für unsere Stadt, die Chance zur Erweiterung dürfen wir nicht ungenutzt lassen. Auch Bürgermeisterin Marion Jost teilt diese Position.“ Natürlich müssten dabei „gewisse Dinge berücksichtigt werden, darunter der Umweltschutz“, erklärte Demmer. Große Teile der Infrastruktur seien bereits hergestellt, zudem sprächen auch die Verkehrsanbindung und die zentrale Lage im europäischen Markt für den Standort.