1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Saarlouis

Taxi-Unternehmer berichten vom fast völligen Erliegen ihres Geschäftes

Kostenpflichtiger Inhalt: Taxi statt Bus in Corona-Zeiten? Von wegen : Es wird auch kaum noch Taxi gefahren, die meisten Autos stehen still

Lieber einmal Taxi fahren als Bus oder Straßenbahn? Das klingt mit Blick auf Corona-Ansteckung logisch, Taxi-Unternehmen müssten Hochbetrieb haben. Aber es ist genau umgekehrt.

Anders als Geschäfte und Freizeiteinrichtungen müssen die Taxi-Betriebe wegen des Coronavirus nicht schließen, aber auch ihr Angebot wird kaum noch angenommen. Gravierende Einbußen und Verunsicherung machen sich in dieser Branche ebenfalls breit.

Wer dachte, dass viele Menschen angesichts der Corona-Ansteckungsgefahr von öffentlichen Verkehrsmitteln umsteigen, hat sich getäuscht. Es wird auch kaum noch Taxi gefahren. „Wir haben einen deutlichen Rückgang“, berichtet Thomas Pulchen, Chef der Taxi Pulchen Albert Schmitt GmbH in Saarlouis. Nur noch die notwendigen Krankenfahrten fänden „im üblichen Umfang“ statt. Insgesamt seien zwei Drittel seines Umsatzes weggebrochen. Daher habe er seine Fahrzeuge von sechs auf zwei reduziert, in der Nacht sogar auf eines. Großraum-Taxis seien ohnehin verboten. Kurzarbeit hat er bislang nicht beantragen müssen, aber nur weil zwei Mitarbeiter in Urlaub und zwei im Krankenschein sind.

Zum Schutz der Fahrer sind Begegnungen in der Taxi-Zentrale verboten, aber bei den Fahrten sei das kaum möglich: „Da bleibt nur noch die Bitte an die Gäste, hinten einzusteigen.“ Sabine Jajsczzok, die als Fahrerin in dem Unternehmen arbeitet („müssen halt unseren Job machen“), hat zumindest Desinfektionsmittel dabei, desinfiziert ihre Hände nach jeder Fahrt. Ansonsten wirkt sie fast schon fatalistisch, hält wenig von Grippe-Schutzimpfungen: „Das Virus kriegen wir sowieso alle.“ Wirklich Angst hat sie dagegen vor möglicher Kurzarbeit: „Wir leben doch sowieso schon am Existenzminimum.“

Ähnlich verzweifelt klingt auch Markus Schmidt, der Inhaber eines Taxi-Betriebs in Lebach. Er habe schon mit dem Taxi-Verband telefoniert: „Wie verhalten wir uns richtig?“, aber es gebe „keinen Schutz für uns“. Mehr als das Finanzielle berühre ihn das Menschliche, es „rattert in meinem Kopf, wie geht’s nur weiter“. Neunzig Prozent des Umsatzes seien verloren, aber mit Kurzarbeit „im Mindestlohnsektor ist es ganz schwierig“.

„Die Lage ist sehr schlecht“, bestätigt auch Alfonso Pignataro-Roesler, Inhaber der Dillinger Taxi Roesler GmbH. Er habe fast nur noch feste Aufträge für Material-Lieferungen sowie Kranken-Transporte, Anrufe für Einzelfahrten gingen fast kaum noch ein, ebenso falle der komplette Schüler-Transport weg. Seine 25 Aushilfen könne er daher nicht beschäftigen, für einige der zehn festen Mitarbeiter werde er nächste Woche Kurzarbeitergeld beantragen müssen. „Wir haben keine Einnahmen mehr“, sagt der Dillinger, „ich bin hilflos, weiß nicht mehr weiter.“

Von seinen insgesamt 20 Fahrzeugen stehen bis auf sechs alle still, von den sieben kleinen Taxis sind nur noch zwei im Einsatz. Noch laufen die Kosten weiter, allein 700 Euro sind für die Fahrzeuge an Versicherungskosten monatlich fällig. Pignataro-Roesler will nun versuchen, mit der Versicherungsgesellschaft eine gütliche Einigung zu erreichen. Wenn er dort die Auto-Kennzeichen hinterlegen könne, würde er wenigstens die Ab- und Anmeldegebühren bei der Zulassungsstelle sparen, hofft der Taxi-Unternehmer.

So lange sorgt er, soweit machbar, für den Schutz seiner Mitarbeiter. Desinfektionsmittel, Mundschutz, Handschuhe, sogar ein Fieberthermometer liegen in der Taxi-Zentrale bereit. „Einzelne nutzen das, andere aber nicht“, hat er beobachtet, „aber alle haben Angst.“

Wenig Hoffnung hat auch Waldemar Zitzmann, Inhaber des gleichnamigen Flughafen-Transfer in Hemmersdorf. Die üblichen Krankenfahrten macht er noch, aber die bisherigen Fahrten an die Flughäfen Saarbrücken und Luxemburg entfallen ganz. Einzelne Taxi-Fahrten ebenfalls, „da war früher schon nicht viel in der kleinen Gemeinde“. Einen Schutz vor Ansteckung sieht Zitzmann auch nicht als machbar, da seien auch andere Berufsgruppen in einer schwierigen Situation, verweist er auf die Kassiererinnen in den Supermärkten. „Dem sind jetzt sehr viele ausgeliefert.“