| 21:51 Uhr

Tag des Handwerks
Meister und Gesellen zeigen ihr Können

Sophie Stark hat beim Leistungswettbewerb der Tischler und Schreiner eine Teebox gefertigt. Sie war eine von zwei Frauen im Wettbewerb der Gesellen.
Sophie Stark hat beim Leistungswettbewerb der Tischler und Schreiner eine Teebox gefertigt. Sie war eine von zwei Frauen im Wettbewerb der Gesellen. FOTO: Johannes A. Bodwing
Saarlouis. Beim Tag des Handwerks auf dem Kleinen Markt in Saarlouis haben sich mehrere Berufe präsentiert. Von Johannes Bodwing

„Das hier ist nostalgisch.“ Mit Hammer und Zange stand Josef Wack am Samstagvormittag an einem Amboss und hämmerte ein glühendes Metallteil in Form. Die anschauliche Arbeit des Metallbau-Meisters gehörte zum „Tag des Handwerks“ auf dem Kleinen Markt von Saarlouis. „Das ist ein Teil eines Hufeisens“, sagte Wack. „Daraus wird jetzt ein Seepferdchen.“ Für seine Kunden mache er Fenster und Türen aus Metall, Geländer oder Treppen. Auf Wunsch klassisch-barock bis hochmodern. Dann werde das Metall je nach Auftrag auch mit Laser zugeschnitten oder mit einem Wasserstrahl.


Elf Landes-Innungen und Handwerksunternehmern zeigten bei bestem Wetter von 10 bis 18 Uhr an 18 Ständen die Vielfalt ihrer Berufe. Mit dabei war eine Vielzahl an Meistern ihres Faches. Unter anderen für modernste Elektroinstallation fürs Haus, hochwertige Lackierung und Steinmetzarbeiten zwischen Kunst, Funktionalität und Denkmalschutz. „Das ist eine gute Gelegenheit, das Handwerk der Öffentlichkeit näher zu bringen“, sagte Handwerks-Präsident Bernd Wegner gegen 11 Uhr auf der Bühne am Kreisel des Busbahnhofs. Das Handwerk sei „die Wirtschaftsmacht von Nebenan“. Und das biete mehr als 130 Handwerksberufe.

Gesundheitsministerin Monika Bachmann wies darauf hin, „auch den Menschen, die ein Handicap haben, eine Chance zu geben“. Damit bekämen Betriebe Mitarbeiter mit großem Potenzial. „Das Handwerk ist die tragende Säule im Saarland“, betonte der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Jürgen Barke. Da werde Innovation erwirtschaftet, um „das Land wettbewerbsfähig zu halten“. „Das Handwerk ist das beste Beispiel“, sagte Landrat Patrik Lauer, „wie man die regionale Wirtschaft erhalten kann.“ Laut Oberbürgermeister Peter Demmer „lebt Saarlouis nicht nur von der Großindustrie, sondern auch von Handel, Handwerk und Gewerbe“. Jürgen Barke überreichte einen Scheck über eine Million Euro an die Handwerkskammer. Damit werde die Ausbildung und Sicherung der Fachkräfte gestärkt. Jörg Loth vom Vorstand der Innungs-Krankenkasse (IKK) verwies auf eine Brotaktion zur Unterstützung von Menschen in Not. 2017 seien um die 13 000 dieser besonderen Brote verkauft worden, für 2018 peile man 15 000 an.



Über den Kleinen Markt verteilt zeigten Meister und Gesellen Arbeiten aus ihren Berufsfeldern. Zimmerleute sägten dicke Holzbalken in komplizierte Formen, die Bäckerinnung präsentierte eine Vielfalt an Broten und Friseurinnen demonstrierten den professionellen Haarschnitt. Schuhmacher Rosario Scivoli berichtete von „Kunden aus ganz Mitteleuropa“, die er inzwischen habe. „Man muss gucken, dass man wirklich gut ist in diesem Beruf.“

Den ganzen Tag über stellen sich zehn Gesellen, darunter zwei Frauen, dem praktischen Leitungswettbewerb der Tischler und Schreiner. „Da sind landesbeste Gesellen dabei“, sagte David Hartmann, Lehrmeister Schreinerinnung. „Der Gewinner tritt beim Bundeswettbewerb an. Das kann bis zur Weltmeisterschaft gehen.“

An den passgenauen Kanten für eine Teebox, den verschiebbaren Deckeln und Innenfächern arbeitete Sophie Stark. „Ich mag eher so die groben Sachen“, sagte sie auf dem Weg zur Mittagspause. Doch noch immer hätten viele Betriebe Vorbehalte, Frauen einzustellen. „Aber im Prinzip spricht nichts dagegen, das Frauen das auch machen können.“