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Tag der Architektur: Blick in die Wohnanlage 50 plus

Tag der Architektur: Blick in die Wohnanlage 50 plus

Saarlouis. Kein Gebäude wie jedes andere, sondern "ein Stück Stadt" oder "eine Stadt im Haus". Architekt Norbert Zenner könnte auch einfach vom Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses an der Ecke Adler-/Pavillonstraße sprechen. Der könnte überall stehen, aber die Wohnanlage 50 plus gibt es nur in Saarlouis

Saarlouis. Kein Gebäude wie jedes andere, sondern "ein Stück Stadt" oder "eine Stadt im Haus". Architekt Norbert Zenner könnte auch einfach vom Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses an der Ecke Adler-/Pavillonstraße sprechen. Der könnte überall stehen, aber die Wohnanlage 50 plus gibt es nur in Saarlouis. Erstens, weil sie nach außen entlang der graubraunen Fassade mit ihren limonengelben Einschüben das Bild der barocken Festungsstadt aufgreift. Zweitens, weil sie nach Innen die Kleinteiligkeit des für die Stadthäuser typischen Innenhofes nutzt und mit den Bedürfnissen der älteren Bewohner in der Stadt verbindet: So geschützt wie nötig, so offen wie möglich zu wohnen. Daraus entwickelte sich im Auftrag der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgesellschaft (GBS) die Saarlouiser Version des Wohnens im Alter. Deren besonderes Kennzeichen ist das Zusammenspiel von Alt und Neu, im Miteinander von Neubau und ihm unmittelbar angeschlossenen Baudenkmal aus der Gründungszeit der Stadt. Unverzichtbar dabei sind die Standards des altersgerechten und barrierefreien Wohnens, angefangen vom Aufzug über die Fußbodenheizung hin zu modernster Informationstechnologie. Jede der 20 Wohnungen im Neubau ist dank Multimediaverteiler nicht nur zur Kommunikation mit sämtlichen neuen Medien bereit, sondern kann auf diese Weise auch besondere Kontroll- und Schutzfunktion für telemedizinische Versorgung auslösen. Denn ein Gedanke bestimmt diese Wohnanlage und die zum Verein "Alternativ wohnen im Alter" (AwiA) zusammengeschlossenen Mieter: Selbstbestimmtes Wohnen im Alter zu ermöglichen und mit einem stabilen sozialen Umfeld eine echte Alternative zu Alters- oder Pflegeheim zu bieten. Zehn Stellplätze für Pkw gehören ebenso dazu wie die beiden Ladenlokale im Erdgeschoss als Echo auf den Dreiklang Mobilität, Beweglichkeit und Kommunikation. Sie geben dem Gedanken von der "Stadt im Haus" ein Bild. In dessen Zentrum liegt der Hof. Dort plätschert ein Quellstein, stehen Bänke, ein Spielplatz wartet auf Kinder und eine große Veranda erstreckt sich vor der leuchtend orangefarbenen Fassade. Doch ist der Innenhof nicht nur ein Ort für die sonnigen Tage. Ein Wintergarten schließt das Baudenkmal zum Hof ab. Dort finden sich im ersten und zweiten Obergeschoss zwei weitere, allerdings - bedingt durch das Baudenkmal - nicht barrierefreie Wohnungen. Deren Balkone liegen im Wintergarten. Der Wintergarten ergänzt als geschützter Raum die Gemeinschaftsräume und den Garten. ModellprojektDer Wunsch nach Begegnung und Offenheit bei allem gebotenen Schutz ist das buchstäbliche Plus dieser Wohnanlage. Zeitgemäßes Bauen in der Stadt für eine nun älter werdende Generation, die von Offenheit und einem gewissen Maß an Experimentierfreude geprägt ist, "hierfür habe ich versucht, eine Struktur zu finden. Was jetzt damit passiert, hat mich begeistert", sagt Norbert Zenner angesichts des AwiA-Vereins und der damit gegebenen Verantwortung, das eigene Leben und zugleich das Zusammenleben mit anderen zu gestalten: "Die Bewohner nehmen das an und schreiben es fort." Und nicht nur ihnen gefällt das von der Landesregierung geförderte Modellprojekt, dessen Gesamtkosten sich auf 5,5 Millionen Euro belaufen. Längst sei die Wohnanlage 50 plus auch außerhalb des Landes auf Interesse gestoßen, sagt GBS-Geschäftsführer Engelbert Feld. "Uns liegen bereits einige Anfragen vor. Die Wohnanlage 50 plus ist ein Modell, das andere gerne nachahmen wollen." redBesichtigung der Wohnanlage 50 plus Ecke Adlerstraße 5/Pavillonstraße 19 am Sonntag, 28. Juni von 10.30 bis zwölf Uhr. Führung am Sonntag, 28. Juni, um 10.30 Uhr.