SZ-Diskussion: Wahl zum Landrat des Kreises Saarlouis

Wahl zum Landrat des Kreises Saarlouis : Mehr oder weniger Ganztagsschulen?

Über 400 Zuhörer verfolgten SZ-Diskussion der Landrats-Kandidaten Patrik Lauer und Raphael Schäfer im Theater am Ring.

Mehr oder gar weniger gebundene Ganztagsschulen im Kreis Saarlouis? Das war eine der wenigen echten Streitfragen im Duell der beiden Kandidaten für das Amt des Landrates des Landkreises Saarlouis am Montagabend im Theater am Ring. Über 400 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten das von SZ-Regionalleiter Mathias Winters moderierte Gespräch mit Amtsinhaber Patrik Lauer (SPD) und Herausforderer Raphael Schäfer (CDU).

Vier von 32 Schulen in Trägerschaft des Kreises sind gebundene Ganztagsschulen, „das könnten noch drei oder vier mehr sein“, sagte Lauer. Gerne auch ein Gymnasium darunter. Sonst könne von einer echten Wahlfreiheit keine Rede sein. Die aber bestehe in Saarlouis doch längst nicht mehr, konterte Schäfer. Denn beide Gemeinschaftsschulen in der Stadt seien inzwischen gebundene (also verpflichtende) Ganztagsschulen. Deswegen „ist das der falsche Weg. Ich bin klar für die freiwillige Ganztagsschule. Sie will ich besser ausstatten.“ Gar an einen „Rückbau“ an einer der Schulen sei zu denken.

Lauer erwiderte, Wahlfreiheit bestehe weiter, „an den umliegenden Schulen etwa in Wallerfangen, Saarwellingen oder Dillingen“. Die Nachfrage etwa in der Fliesen-Schule in Saarlouis stelle eine „Abstimmung der Eltern mit den Füßen dar“, denn aus der mit Mühe gerade so zweizügigen Schule sei nun eine dreizügige geworden.

Perspektivisch will Lauer Schulen „als Lebensort ausbauen“, „Schule und Schulsozialarbeiter besser vernetzen“, die „Berufswahlentscheidung von Schülern professionalisieren“ und die Berufsbildungszentren stärken. Letzteres sieht auch Schäfer als Aufgabe. „Wir müssen auch Ausbildung im E-Commerce (Internet-Handel) nach Saarlouis holen.“

Die Zuständigkeit für die Gebäude weiterführender Schulen und die politisch immer brisante Frage nach Ganz- oder Halbtagsschulen gehört zu den wenigen Bereichen, in denen öffentlich leicht erkennbar wird, wie Kreistag und Landkreisverwaltung arbeiten. Eher grundsätzlich prallten die Auffassungen der beiden Kontrahenten bei einem benachbarten Thema aufeinander: Lauer missfällt, dass die Schulen „immer früher Reparaturbetrieb werden“. Statt Sozialarbeiter schon in die Grundschule zu schicken, sollte man „die Rahmenbedingungen verändern“ und „die Erziehungsfähigkeit von Eltern stärken“. Dazu könnten „Familienzentren in jeder Gemeinde“ geschaffen werden. Schäfer: Wer soll denn das bezahlen? Lauer: Langfristig sparen wir durch gute Präventionsarbeit. Schäfer: „Ich habe Urvertrauen zur Familie zu Hause. Ein moderates Angebot in der Prävention, ja. Ich bin aber dagegen, die Verantwortung komplett von den Eltern wegzunehmen.“

Schäfer sprach sich dafür aus, die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung des Landkreises „besser auszustatten“. Zudem sollten jungen Existenzgründern im Kreis gemeinsame Büros angeboten werden. Lauer sieht den wirtschaftspolitischen Fokus darauf, die heimische Wirtschaft „breiter aufzustellen als auf Auto und Stahl“. Beide Politiker sprachen sich für eine Erweiterung des Industriegebietes Lisdorfer Berg in Saarlouis aus. Schäfer mahnte, weder den Schutz zur Bebauung von Neuforweiler noch „das für Saarlouis existenziell wichtige Kaltluftentstehungsgebiet“ auf dem Berg zu vergessen.

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