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Syrische Christenfamilie wieder vereint

Syrische Christenfamilie wieder vereint

Nach 19 Monaten Ungewissheit können Angehörige der ehemaligen IS-Geiseln aus dem Libanon ausreisen.

Dies ist eine Geschichte von einer Flucht aus dem syrischen Kriegsgebiet, die ein Happyend hat. Seit vergangenem Sonntag ist die sechsköpfige Familie Mirza aus dem Dorf Tal Goran in Nordsyrien wieder vereint. In Saarlouis schlossen nach 19 Monaten der Trennung Mutter Ishtar, die Töchter Mirna, Mira und Sohn Petrus aus Beirut kommend Vater Abdo Mirza und die Tochter Maryam in ihre Arme. Abdo Mirza und Maryam gehörten zu den Geiseln des Islamischen Staats, die im Frühjahr 2015 bei dem Überfall auf das Christendorf Tal Goran in die Hände der Terroristen gefallen waren. Tal Goran ist eines von 23 Dörfern am Chabour-Fluss im Norden Syriens, in dem bis dahin assyrische Christen lebten, die noch Aramäisch, die Sprache Jesus, sprechen. Vor dem Überfall der IS-Kommandos hatte die schwangere Mutter Ishtar mit zwei Kindern ein Krankenhaus aufgesucht und war so dem IS-Angriff entronnen. Doch Abdo Mirza und die damals siebenjährige Maryam wurden mit etwa 200 weiteren assyrischen Christen von den IS-Terroristen verschleppt, wie es Charli Kanoun, der Vorsitzende des assyrischen Kulturvereins Saarlouis, der SZ schilderte. Die Geiseln erlebten Todesängste und wurden gefoltert. Die IS-Miliz forderte dann Lösegeld für die Geiseln, die dank der Verhandlungen des Bischofs der Stadt Al-Hasseke und Geldspenden von Assyrern auch aus dem Saarland zum Teil freigekauft werden konnten. "Der assyrische Kulturverein hat sich für die Einreise von 20 Ex-IS-Geiseln ins Saarland eingesetzt", sagte Kanoun. Der gute Kontakt zur Saar-Landesregierung sei ausschlaggebend gewesen, so Kanoun. "Wir assyrische Christen danken allen Politikern sehr für ihren oft stillen, aber wirksamen Einsatz. Wir nennen hier besonders unsere Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer", betonte Kanoun.

Im Herbst 2015 konnten 20 der geretteten IS-Geiseln über Beirut mit Visa der Deutschen Botschaft ins Saarland ausreisen. Die SZ berichtete über diese humanitäre Aktion und über das Schicksal von Abdo Mirza und seiner Tochter Maryam, die von der Geiselhaft schwer traumatisiert war. Doch die Rettung hatte einen grausamen Mangel: Zwar gewährte das deutschen Außenministerium den Ex-IS-Geiseln die Einreise-Visa für Deutschland, nicht jedoch den Familienangehörigen, die sicher vor den IS-Terroristen geflohen waren. Es gab erschütternde Szenen in Beirut, als die Familien auf diese Weise getrennt wurden, berichtete Abdo Mirza der SZ. In der deutschen Botschaft in Beirut sei den zurückbleibenden Familienangehörigen gesagt worden, dass es nur drei Wochen dauere, bis auch sie ausreisen könnten, sagte Kanoun. Doch das war eine Falschinformation. Statt dessen blockierte die deutsche Botschaft eine Familienzusammenführung mit dem Argument, die Angehörigen der Ex-IS-Geiseln müssten erst Deutsch lernen, ehe sie Visa bekämen. Derweil wurde deren Lage in Beirut immer dramatischer: Mutter Mirza und die drei Kinder lebten nach Schilderungen von Kanoun und Abdo Mirza in zugigen Kellern und Garagen, auch die Versorgung mit Lebensmitteln war sehr problematisch. Maryam litt derweil unter der Trennung von ihrer Mutter und ihren Geschwistern, ihr Geisel-Trauma konnte so auch im friedlichen Saarland nicht weichen. So erging es auch den anderen Ex-IS-Geiseln im Saarland. Bei dreien von ihnen war die Enttäuschung über die immer länger währende Trennung von ihren Familienmitgliedern, die in Beirut festsaßen, so groß, dass sie das sichere Asyl im Saarland wieder verließen und nach Beirut zurückkehrten, um ihren Familien zu helfen.

Nach 19 Monaten Trennung habe sich jetzt dank der Saar-Landesregierung zumindest für die Familie Mirza doch noch die "unvorstellbare Freude" eingestellt, sagte Kulturvereins-Chef Kanoun erleichtert. Das sei ein "großartiges Zeichen in einer Zeit fürchterlicher Christenverfolgung".