Sven Köhn bei Vorbereitungen für die nächste "My Show"

Musical : Wenn große Energie auf Fantasie trifft

„Natürlich blond“ war 2017 ein Riesen-Erfolg. Nun präsentiert das Musical-Werk Saarlouis seine neue Show. Derzeit laufen die Proben auf Hochtouren.

„Der Tannenbaum steht und ist geschmückt. Das ist alles schon mit den Kindern gemacht worden.“ Also hatte Sven Köhn auch am vierten Adventssamstag Zeit, um stundenlang mit Sängern, Tänzerinnen und Chor zu proben.

Damit im Januar die nächste „My Show“ auf die Bühne gehen kann, hält der Vorsitzende des Musical-Werks Saarlouis unterschiedlichste Bereiche im Griff. Mit einer dicken Kladde sitzt er auf einem Regiestuhl. Darin sind Bühnenplan, Liste der Auftritte und Unmengen an Notizen. Sven Köhn ist Motor, Planer, Organisator und Ideenlieferant des Musical-Werks. „Ich halte auch den Kontakt mit Sponsoren und mache die Verträge“, sagt er.

Schade sei, dass dann die Kunst für ihn selbst etwas kurz komme. Aber „es gibt nichts Schlimmeres für mich“, sagt Köhn am späten Samstagabend, „als auf irgendwas zu warten, oder wenn es heißt, Sven, sitz das mal aus.“ Diese Energie mündet auch mal in gewaltigen Produktionen. Wie 2017 „Natürlich Blond“. Zwei Wochen lang wurde das Theater am Ring mit Requisiten und Proben belagert. Die einwöchige Spielzeit erlebten rund 4000 Zuschauer. Ein vertretbares Minus stand am Ende. „Aber das war eine 150 000-Euro-Produktion“, begeistert sich Köhn. „150 Leute haben da mitgeschafft.“ Die ganze Begeisterung und Energie rechne er dann nicht gegeneinander auf. „So was willst du vielmehr immer wieder machen.“

Drei Leben führe Köhn, fasste Jennifer Gerecke, zusammen. Sie ist zuständig für Choreografie und Tanz, aber auch für die Kasse des Vereins. Köhn pendele zwischen „Arbeit, Familie und Musical-Werk“. Und der Weg zu Letzterem war ein wenig verschlungen. „Ich bin ja eigentlich gelernter Maurer“, berichtet Köhn. „Ich kann mit einem Winkel umgehen, mit Säge und Werkzeug.“ Also stehe er auch beim Kulissen-Bau in der vordersten Reihe. Als Berufsfeuerwehrmann wisse er zudem, was auf die Bühne dürfe und dem Brandschutz entspreche.

Doch erst mal funkte die Kunst dazwischen. Die führte ihn in Musical-Produktionen von Karo-Blau-Gold Roden. Mit 19 folgte ein Stipendium über vier Semester an der „Stage-School of Music, Dance and Drama“ in Hamburg. Dort stellte er jedoch fest, dass er kein Sänger und kein Tänzer ist. „Ich bin Schauspieler. Ich stelle mich hin und mache einfach.“

Eine Zeit lang tourte Köhn als Profi. Mal an der Ostsee, mal in Bern in der Schweiz. Immer nur für eine Spielzeit. „Und irgendwann habe ich überlegt, soll ich das mein ganzes Leben lang machen?“ Als Konsequenz folgte die Berufsfeuerwehr. Aber dort war kein Platz für Fantasie. „Also gründet man ein Musical-Werk und führt Peter-Pan auf.“ Denn „wenn ich nach 24 Stunden Dienst nach Hause komme, habe ich 48 Stunden frei. Dann geht die Fantasie auf“, sagt Köhn mit strahlendem Gesicht.

„Ohne Julia würde das überhaupt nicht gehen“, schwärmt er. „Die hat selbst einen künstlerischen Touch.“ Julia Rinck hat in Chören gesungen, im Theaterverein gespielt und bei Autres Choses sowie dem TSC Blau-Gold Saarlouis getanzt. Sie ist künstlerische Leiterin der Truppe und zweite Vorsitzende.

Anfang Juni fielen die Würfel für die jetzige „My Show“. Wenig später folgte das Casting für Tänzerinnen und Sänger. „Dabei zeigt sich, welche Leute in Frage kommen, und dann kommen auch die Ideen für die Show.“ Köhn lacht: „Am Ende vom Jahr schalten alle anderen runter. Wir gehen jetzt auf die Überholspur.“ Denn in wenigen Wochen ist Premiere von „My Show 3.0“. Dazu gehören 25 Auftritte mit insgesamt 26 Darstellern. Auf der Bühne integriert ist eine Liveband mit 14 Musikern. Die „My Show 3.0“ läuft vom 18. bis 20. Januar in der Kulturhalle Roden. Dort zeigt die quirlige Truppe einen Mix aus Rock, Pop, Musicalwelten und Burlesque.

Karten gibt es bei Ticket Regional und allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie per E-Mail unter tickets@musicalwerksaarlouis.de.

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