Straßenumfrage zur Reformation in Saarlouis

Reformationstag : „Ich schätze, das hat was mit Luther zu tun“

SZ-Umfrage zum Reformationstag zeigt: Auch im katholischen Saarland kennen viele den Gedenktag der evangelischen Christen.

Die Bedeutung des Reformationstages als Feiertag der evangelischen Kirche ist den meisten Befragten bekannt, wie eine Umfrage der SZ bestätigt. Das Saarland hat mit knapp 60 Prozent zwar einen doppelt so hohen Katholiken-Anteil wie der Bundesdurchschnitt, dennoch schätzen viele das Wirken des Reformators Martin Luther.

„Vielleicht wäre es sogar gut, heute wieder eine zu machen“, meint Marita Zimmer-Stock. Die Saarlouiserin hält die Reformation für „eine gute Sache, die damals wichtig war“. Dass der Reformationstag dieses Jahr bundesweit ein Sonder-Feiertag ist, weiß sie ebenso wie der 74-jährige Gert Kranich aus Saarlouis. „Da kann ich leider nicht arbeiten“, scherzt der pensionierte Lehrer. Für ihn bedeutet die Reformation „500 Jahre Trennung der Kirche in zwei Konfessionsrichtungen“. Das sei jedoch „kein Problem“, betont er als Katholik. Er ist mit einer evangelischen Frau verheiratet, und beide Töchter sind evangelisch getauft, erzählt er.

Sein deutlich jüngerer Berufskollege Paul Loyo aus Dillingen bekennt dagegen freimütig: „Ich habe keine Ahnung.“ Eigentlich müsse er das aus dem Religionsunterricht wissen, meint der 30-jährige Referendar, der am Stadtgarten-Gymnasium Englisch und Sport unterrichtet. „Ich schätze, das hat was mit Martin Luther zu tun, hört sich nach evangelisch an“, ist er dann doch auf der richtigen Fährte. Dass er am 31. Oktober nicht arbeiten muss („Ist da frei?“) weiß er ebenfalls nicht, aber schnell dämmert es: „Ach so, wegen des Jubiläums.“ Auch Sandra Barczak hat es rein zufällig im Kalender entdeckt, dass dieses Jahr ein Feiertag ist. Als Katholikin sage ihr das „eher wenig“, für sie sei die Reformation „irgendein Kirchenkram, mehr evangelisch“. Die gebürtige Saarlouiserin wohnt in Riegelsberg, besucht aber immer wieder gerne die katholische Kirche St. Ludwig, um dort eine Kerze anzuzünden.

Otti Arend ist sich nicht ganz sicher, ob der Reformationstag jedes Jahr ein Feiertag ist. „Wohl nur wegen des Jubiläums, 500 Jahre Reformation“, vermutet die Saarlouiserin. „Martin Luther hatte keine Angst vor dem Papst, solche Menschen bewundere ich“, lobt sie den Reformator. Die katholische Kirche „schreibt den Menschen so viel vor“, kritisiert die Katholikin. Vom „Bodenpersonal der katholischen Kirche halte ich gar nichts“, meint Manfred Bodtländer aus Bous. Sehr viel hält er von der Reformation, die von Martin Luther ausgegangen sei. Der evangelische Glaube ist ihm als Katholik („Ich glaube an Gott, gehe aber nicht in die Kirche“) sehr viel sympathischer. Von Jubiläum und Sonder-Feiertag ist ihm nichts bekannt („Bin halt katholisch“). Der Saarlouiser Berthold Meffert dagegen weiß, dass der Reformationstag ein evangelischer Feiertag ist, der „wegen des Lutherjahres auch im Saarland“ gefeiert wird. Nächstes Jahr wieder nur im Osten („Die haben eh weniger Feiertage als wir“). Für Ruth Ehrich bedeutet die Reformation eine „Säuberungsaktion“. Die Frau aus Schmelz wäre „eigentlich lieber evangelisch“. Der Reformationstag sei ein Feiertag, weiß sie, ist aber unsicher, ob das mit dem Jubiläum zu tun hat.

Berthold Meffert. Foto: Axel Künkeler
Gert Kranich. Foto: Axel Künkeler
Manfred Bodtländer. Foto: Axel Künkeler
Marita Zimmer-Stock. Foto: Axel Künkeler
Otti Arend. Foto: Axel Künkeler
Paul Loyo. Foto: Axel Künkeler
Ruth Ehrich. Foto: Axel Künkeler
Sandra Barczak. Foto: Axel Künkeler

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