Stadtrat will nun ein Konzept für wertvolles Gelände in Saarlouis

Kostenpflichtiger Inhalt: Umstrittene Investition : „Das muss baulich zu Saarlouis passen“

Jetzt soll eine Konkurrenz der besten städtebaulichen Konzepte darüber entscheiden, wie der Stadteingang Lisdorfer Straße bebaut wird. Das wollen CDU und Grüne. Die SPD mahnt: Vergesst nicht, dass eine Einkaufsstadt auch künftig Parkplätze braucht. Und das jede Bebauung an dieser Stelle zum Stadtbild passen muss.

Die drei großen Parteien im Stadtrat Saarlouis haben sich in die Diskussion um die Bebauung des als letztes Filet-Grundstück der Stadt geltenden Parkplatz-Geländes an der Ecke Lisdorfer Straße/Walter-Bloch-Straße eingeschaltet. Die Fraktionen der Kooperationspartner CDU und Grüne wollen in der nächsten Sitzung des Bauausschusses einen Grundsatzbeschluss herbeiführen: Mit dem Beschluss soll der Stadtrat feststellen, „dass es sich beim vorgenannten Areal um eine

städtebaulich sehr hochwertige Fläche handelt“, die im Rahmen eines Konzeptvergabeverfahrens verkauft werden soll. Das heißt, „die beste städtebauliche Idee soll den Zuschlag zur Bebauung und Entwicklung des Plangebietes erhalten“. Die Stadtverwaltung soll das Vergabeverfahren vorbereiten.

Wann genau das Verfahren zur Vergabe des Geländes beginnt, soll später entschieden werden. Dabei, so schreiben CDU und Grüne, müssten die an das „Plangebiet angrenzenden großen Bauprojekte“ berücksichtigt werden. Gemeint sind damit die künftige Nutzung des früheren Blumen-Marion-Geländes, der Abriss des alten Parkhauses in der Lisdorfer Straße, der auch die Suche nach einem neuen Standort für das Kinder-, Jugend- und Familienzentrum nach sich zieht, sowie ein geplantes neues Parkhaus in der Fort-Rauch-Straße (wir berichteten).

Im Hintergrund sieht man das alte Parkhaus mit dem Familienzentrum der Stadt. Das gesamte Gebäude wird abgerissen. Foto: Johannes A. Bodwing/JOHANNES A BODWING

Der SPD-Stadtverband mit seinem neuen Vorsitzenden Florian Schäfer unterstrich: „Wir stehen zu unserem historischen Stadtbild, das wir als SPD auch in Zukunft erhalten wollen. Neue Quartiere in dieser Dimension müssen deshalb auch baulich nach Saarlouis passen und in der Öffentlichkeit diskutiert werden.“ Schäfer verweist darauf, dass es „in der Innenstadt schon jetzt ein enormes Parkplatzproblem“ gebe. Die Unternehmer vor Ort in der Einkaufsstadt Saarlouis „erwarten zu Recht, dass genügend Parkplätze auch neben dem Großen Markt zentral zur Verfügung stehen.“ Zudem brauche Saarlouis „dringend erschwingliche Wohnungen, gerade auch in zentraler Lage“. Und: Auch der Standort es künftigen Jugend- und Familienzentrums müsse zentral zu Fuß erreichbar sein.

Hintergrund ist ein Vorschlag, den die Stadtverwaltung dem Ausschuss für Stadtplanung und Bauen vorgelegt hat: Er enthält ein komplettes Konzept, für dessen Umsetzung der Investor IFA 120 Millionen Euro veranschlagt hat. Gebaut werden sollen nach diesem Vorschlag zwei sechsstöckige Gebäude mit einer Aldi- und einer REWE-Filiale im Erdgeschoss, darüber zum Teil Wohnraum für alte Menschen und ein Pflegeheim sowie Wohnungen. Ein Teil davon soll preisgünstig angeboten werden.

Auf dem 1,4 Hektar großen Gelände unweit der Innenstadt gibt es laut Stadtverwaltung derzeit 500 Stellplätze, deutlich mehr als auf dem Großen Markt. Laut Konzept würden diese Stellplätze in einem eigenen Parkhaus mit 680 Plätzen aufgefangen. Zudem soll gleich gegenüber in der Straße Fort Rauch ohnehin ein Parkhaus mit 325 Plätzen entstehen. Es soll gebaut werden, weil das bisherige Parkhaus an der Lisdorfer Straße aus statischen Gründen abgerissen wird. Damit verschwindet auch das im Gebäudekomplex befindliche Kinder-, Jugend- und Familienzentrum der Stadt. Insgesamt also wird ein sehr großes Areal neu gestaltet.

Der Ausschuss hat der Stadtverwaltung die Zustimmung verweigert. Es ging ihm noch gar nicht um städtebauliche Fragen, sondern nur um das Verfahren. Der Stadtspitze warf der Ausschuss vor, ein Konzept mit nur einem Investor auf den Weg gebracht zu haben, ohne den Stadtrat vorher grundsätzlich mit der Bebauung dieses großen Areals an einem Stadteingang befasst zu haben.