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Stadtplanung
Stadtrat macht Ernst mit mehr Baudisziplin

Um diesen Rohbau geht es: Er befindet sich in der Lothring Straße in Saarlouis. Rechts angeschnitten die Gaststätte Lothringer Hof.
Um diesen Rohbau geht es: Er befindet sich in der Lothring Straße in Saarlouis. Rechts angeschnitten die Gaststätte Lothringer Hof. FOTO: C.Müller
Saarlouis. Jetzt drängt der Saarlouiser Stadtrat auf Ordnung am Bau: Mit „allen Konsequenzen“ will der Rat dafür sorgen, wie ein Ratsmitglied nach einer nicht öffentlichen Sitzung am Mittwochabend sagte. Konkret muss ein Investor das Problem lösen, wie er einen Rohbau für 31 Wohnungen auf die genehmigte Höhe bringen will. Von Johannes Werres


Der Stadtrat Saarlouis macht weiter Ernst mit seinen Beschlüssen, mehr städtebauliche Disziplin für Saarlouis durchzusetzen. Am Mittwochabend beschloss der Bauausschuss in nicht öffentlicher Sitzung, einen Bebauungsplan für ein Grundstück in der Lothringer Straße aufzustellen und zunächst eine Veränderungssperre zu erlassen. Damit behält ein Baustopp weiter seine Gültigkeit, der die Errichtung eines Rohbaus für 31 Wohnungen stillgelegt hat. Ob das zum Rückbau führt, oder ob es zu einer anderen Lösung kommt, ist offen.

Der Antrag kam von CDU und Grünen. Hintergrund ist der Bau eines Wohn- und Geschäftshauses, das 2015 genehmigt wurde. Zwischenzeitlich hat der Bauträger gewechselt. Beim Hochziehen des Gebäudes überschritt er die genehmigte Höhe dem Vernehmen nach um einen Meter. Die Festlegung von First- und Traufhöhen ist ein wichtiges Merkmal einer Baugenehmigung. Sowohl CDU als auch Grüne waren nach eigenem Bekunden darauf hingewiesen worden, dass das Gebäude zu hoch gebaut werde.



Möglicherweise ist die Bauhöhe aus technischen Gründen überschritten worden, was dann aber nie formal dokumentiert und genehmigt worden wäre.

Zustand der Baugrube im April dieses Jahres.
Zustand der Baugrube im April dieses Jahres. FOTO: C.Müller

Für die Antragsteller schrieb CDU-Fraktionschef Raphael Schäfer: Gerade weil das Gebäude an einer markanten Stelle der Innenstadt liege, müsse Wert darauf gelegt werden, dass sich das Gebäude einfügt und die Vorgaben der Baugenehmigung eingehalten werden. Grünen-Stadtchef Hubert Ulrich hatte vor der Sitzung gesagt, das Gebäude sei „rund einen Meter höher errichtet als in den Bauvorlagen vorgesehen. Damit hat sich ein massiver wirtschaftlicher Vorteil für die Firma zulasten des Stadtbildes ergeben. Von einer Einbettung in das bauliche Umfeld kann keine Rede mehr sein. Für uns steht fest, dass der Bauherr gegen diese Vereinbarung durch die eigenmächtige Erhöhung des Gebäudes verstoßen hat. Letzteres war schlichtweg nicht genehmigt.“ Ulrich sagte, die Stadtverwaltung werde nun mit dem Investor in Verhandlungen treten. Das geschehe auch vor dem Hintergrund, dass der Investor weitere Projekte in Saarlouis realisieren wolle.

Der Stadtrat achtet seit zwei Jahren verstärkt darauf, dass sich größere Neubauten besser in die vorhandene Bebauung einfügen. Das betrifft vor allem größere Wohngebäude. Anlass war ein großes Bauvorhaben desselben Investors wie in der Lothringer Straße.

Höhenfrage auch rund um Luxemburger Ring

Trauf- und Firsthöhe spielten auch bei einer zweiten städtebaulichen Weichenstellung in der Sitzung eine Rolle. In Vorbereitung ist ein Bebauungsplan recht und links des Luxemburger Rings. Die Stadtplaner ließen sich vom Rat fürs erste die (einstimmige) Zustimmung geben, in der Vaubanstraße rechts (Pieper Sport) sowie Wallstraße und links (DRK-Krankenhaus) des Luxemburger Rings eine einheitliche Höhe anzupeilen. Umgekehrt wie sonst, erläuterte Stadtplaner Jürgen Baus, nehme man hier nicht an niedrigen Häusern Maß, sondern an hohen. In diesen Bereichen sollen Neu- und Umbauten vier Geschosse plus ein Dachgeschoss haben. In der Vaubanstraße dürfte die Häuser maximal 14,5 Meter Firsthöge haben, in der Wallstraße 18 Meter.

Grünes Licht für früheres Kirchen-Grundstück

In der Sitzung wurde eine weitere städtebauliche Weiche gestellt. Das nach einem Tauziehen mit der Stadt verkaufte Gelände des früheren katholischen Pfarr- und Jugendheims in Beaumarais soll mit zwei Wohngebäuden bebaut werden. Die Pläne des Investors billigte im zweiten Anlauf grundsätzlich der Ausschuss für Stadtplanung, Bauen und Umwelt. Die Stadt hatte kurzfristig einen Bebauungsplan über das Gelände gelegt, als die Verkaufsabsichten der Pfarrei bekannt wurden. Ziel der städtischen Bauleitplanung war, den gepflasterten Platz vor dem Pfarrheim zur Nutzung für öffentliche Zwecke zu erhalten.

Gebaut werden sollen nun zwei Gebäude zu zwei Geschossen plus ein Mansardgeschoss. Eine Tiefgarage, die über den Platz angesteuert wird, soll beide Gebäude verbinden. Vorgesehen sind 19 Wohneinheiten.

Die beiden Gebäude stehen hintereinander, das vordere hat drei, das hintere vier Geschosse (jeweils inklusive Mansardgeschoss). Es soll auch einen öffentlichen Fußweg geben, der die Hauptstraße mit dem Waldweg „Roter Sabel“ verbindet. Der Ausschuss für Stadtplanung gab grünes Licht für das relative schnelle Vorgehen mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan. CDU (Raphael Schäfer) und SPD (Sabina Hartnack) mahnten an, sobald wie möglich einen Bebauungsgplan für die ganze Hauptstraße in Beaumarais aufzustellen. Denn, wie Stadtplaner Jürgen Baus bestätigte, auf dem bisherigen kirchlichen Gelände werde in zweiter und dritter Reihe gebaut. Das schaffe einen Präzedenzfall, der unerwünscht sei, und dem man nur mit einem Bebauungsplan begegnen könne.

Wird abgerissen, der Vorplatz bleibt: früheres katholisches Pfarr- und Jugendheim in Saarlouis-Beaumarais.
Wird abgerissen, der Vorplatz bleibt: früheres katholisches Pfarr- und Jugendheim in Saarlouis-Beaumarais. FOTO: Johannes A. Bodwing
Für Neubauten und Umbauten in der Vaubanstraße müssen Bauherren künftig an den Gebäuden rechts Maß nehmen. Das soll ein Bebauungsplan festlegen, wie der Ausschuss für Stadtplanung beschlossen hat.
Für Neubauten und Umbauten in der Vaubanstraße müssen Bauherren künftig an den Gebäuden rechts Maß nehmen. Das soll ein Bebauungsplan festlegen, wie der Ausschuss für Stadtplanung beschlossen hat. FOTO: Sabine Schmitt