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Spürbare Einschnitte bei der Jugendarbeit

Kreis Saarlouis. Der Landkreis spart: Die Jugendarbeit bei der evangelischen Kirche Saarlouis, beim Jugendpastoral Dillingen, der Freien Kunstschule und der Kinder- und Jugendfarm Saarlouis muss mit weniger Personal auskommen. Nicole Bastong

Die Einsparungen, die der Landkreis im Bereich der Jugendhilfe plant, werden auch die Jugendsozialarbeit hart treffen. Insgesamt sollen 3,3 von insgesamt 26,3 Stellen eingespart werden bei den freien Trägern der Jugendarbeit , mit denen der Landkreis kooperiert.

Die Sparmaßnahmen treffen verschiedene Bereiche: "Wir sparen dort, wo auch kirchliche Jugendarbeit gemacht wird, wo die Arbeit landesweit ausgeweitet wird und dort, wo ohnehin ein Angebot wegfällt", fasst Landrat Patrik Lauer zusammen. Konkret bedeutet das: Jeweils eine 0,5-Stelle fällt in Saarlouis und Dillingen im Rahmen der kirchlichen Jugendsozialarbeit weg; in Dillingen bei der Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral und in Saarlouis bei der evangelischen Kirche. "Wir sind nicht dafür da, kirchliche Jugendarbeit zu fördern", betont Lauer, "das entspricht nicht unseren Richtlinien". Und er ergänzt: "Die Stellen wird es in dem Umfang weiterhin geben, davon bin ich überzeugt."

Auch auf der Kinder- und Jugendfarm Saarlouis-Roden soll die eine der beiden Stellen gestrichen werden, die bisher der Kreis zahlte. Die zweite Stelle wird von der Kreisstadt Saarlouis finanziert. "Hintergrund ist die landesweite Ausrichtung des Angebots", erklärt Lauer, warum hier eingespart wird. Inzwischen nutzten Kinder auch aus anderen Kreisen das pädagogische Angebot. Ebenso wird bei der Freien Kunstschule Saarlouis die bisherige 0,8-Stelle auf 0,5 abgesenkt. Außerdem entfällt im Deutsch-Ausländischen Treff (DAT) der Awo in Dillingen, der zum 31. Dezember vergangenen Jahres geschlossen wurde, eine ganze Stelle, die der Kreis finanzierte. Wie Lauer anmerkt, sei allerdings ein Nachfolgeprojekt mit der KEB angedacht, wofür eventuell vom Kreis ein Ersatz in geringerem Umfang bezahlt würde.

Die Ideen, in welchen Bereichen Einsparungen gemacht werden könnten, seien vom Jugendamt erarbeitet worden, betont der Landrat. Bei den freien Trägern würden die Zuschüsse zur Jugendarbeit zwar deutlich beschnitten, "dafür wird es bei den Kommunen kaum Einschnitte geben", sagt er. Er glaubt nicht, dass die Einsparungen zu Verschlechterungen in der Jugendsozialarbeit führen, sondern dass die Angebote passgenauer werden: "Wir sind überzeugt, dass wir unserer Zielgruppe, den sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen, gerecht werden. Wenn wir das so lösen, ist diese Gruppe weiterhin gut versorgt." Knapp 100 000 Euro ließen sich mit den beschriebenen Kürzungen einsparen, sagt Lauer: "Damit haben wir fast 20 Prozent der vom Gutachter PwC abgesteckten Wegstrecke schon im ersten Jahr erreicht."

Gegen den Vorwurf des "Kahlschlags" wehrt sich der Landrat: "Wir sind gerade in den Städten, Saarlouis , Dillingen und Lebach, wo wir die meisten Jugendlichen haben, immer noch sehr gut aufgestellt. Wir haben dort weiterhin eine überproportionale Förderung."


Meinung:
PRODas heißt nicht Weltuntergang



Von SZ-Redakteur Mathias Winters

Was wollen wir? "Jede Stelle weniger für die Jugend ist eine weniger zu viel." Soll das die Devise sein, einschließlich des Hinweises, dass sich jeder Euro Jugendarbeit doppelt rechnet und jeder nicht ausgegebene Cent das System gefährdet? Natürlich will auch ich nicht bei Kindern und Jugendlichen sparen. Aber wohl bedachte Anpassung muss möglich sein. Die Gemeinden oder Städte und das Land fordern von den Kreisen Sparsamkeit. Dazu passt kein reflexhaftes Reden vom Weltuntergang , sobald eine Kreisverwaltung - und auch ein Jugendamt - Abstriche bei solchen Stellen machen, die nicht zu 100 Prozent Aufgaben des Kreises zuzuordnen sind. Genau das fordern alle Seiten von der Verwaltungsspitze - mitunter erfüllt sie das mit guten Begründungen.


KONTRAIrgendwie ein schlechter Witz

Von SZ-Redakteur Johannes Werres

Sparen tut immer irgendwem weh. Jetzt wäre die Stunde, um über kreatives Sparen nachzudenken, über Nachhaltigkeit und neue Ideen. Nicht nachhaltig ist das bloße Verschieben von Kosten auf andere. Das geschieht aber. Zum Beispiel, wenn eine vom Kreis finanzierte Stelle bei der Kinder- und Jugendfarm gestrichen wird. Ob die, wie der Landrat mutmaßt, dann wirklich jemand anders zahlt? Oder wäre die Farm damit am Ende? Diese Art zu sparen als Konzentration auf die Kernaufgabe der Jugendarbeit des Kreises zu verkaufen, nämlich Kinder aus eher finanzschwachen Verhältnissen zu fördern, ist ein schlechter Witz. Es ist ein Einschnitt in sinnvolle Jugendarbeit . Sinnvoll auch deswegen, weil sie auf Dauer (Sozial-) Kosten spart. Irgendwann auch im Kreishaushalt.

Zum Thema:
Einsparungen bei der Schuldnerberatung erteilt der Landrat vorerst eine Absage. "Dass dort 300 000 Euro eingespart werden, ist Quatsch. Es gibt keinen Beschluss dazu", betont Lauer. Einsparpotenzial sieht das PwC-Gutachten in der Zielgruppe. "Wir machen Beratung für alle. Gesetzlich verpflichtet sind wir aber nur für Empfänger von SGB II." Der Landkreis Saarlouis beauftragt mit der Schuldnerberatung freie Träger. Die Alternative seien höhere Personalkosten für den Kreis . nic