Spitzen der Wohnungswirtschaft diskutieren bei der GBS in Saarlouis

Öffentlich geförderter Wohnungsbau : „Wir arbeiten noch mit Pfeil und Bogen“

Wohnungsbau wird immer komplizierter: Demografie, Energie, Brandschutz, steuerliche Vorgaben, Fördermittel, die Deckung eines aktuell hohen Bedarfs spielen eine Rolle. Darüber gaben Spitzen der Wohnungswirtschaft Auskunft in Saarlouis.

Als „Königsklasse“ des Bauens bezeichnet Axel Gedaschko, Präsident des GdW (Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen) das Ziel, „preisgünstige Neubauten“ zu erstellen, das gelte für private wie für öffentlich geförderte Unternehmen, ein „Riesenthema“ in ganz Deutschland. Gerade der öffentlich geförderte Wohnungsbau sei „Daseinsvorsorge, keine Gewinnmaschine“.Angesichts vieler aktueller Vorgaben, die das Bauen bremsen könnten, zugleich aber auch angesichts des großen Bedarfs an Wohnraum eine „eierlegende Wollmilchsau“, wie Volker Leers, Präsident des VdW Saar, ergänzt. Dem Verband VdW gehören 19 Mitgliedsunternehmen der kommunalen, genossenschaftlichen und privaten Wohnungs- und Immobilienwirtschaft an.In der Analyse der Lage ist sich das Podium einig, das aus Anlass des 90-jährigen Bestehens der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungs GmbH Saarlouis (GBS) am Donnerstag über Wohnungswirtschaft heute debattierte.

Sonderlich ertragsstark sei das Geschäft angesichts von Durchschnittsmieten von 5,50 Euro in sanierten Wohnungen nicht, ergänzte GBS-Geschäftsführer Knut Kempeni. Was auch mit der laufenden energetischen Sanierung des Bestandes zusammenhänge. Er dankte der Stadt, weil die auf die Ausschüttung des Gewinns verzichte.

Axel Gedaschko (links) und Volker Leers vertreten die Bundes- und die Landesebene in Wohnungswirtschaft. Foto: Sascha Schmidt/Stadt Saarlouis

Aber es geht auch das: Die Gruppe hatte vor dem Gespräch das GBS-Projekt Wohngemeinschaft Wohntraum in der Herrenstraße in Roden besichtigt. Es ist noch im Bau. Zum ersten Mal im Saarland entsteht dort öffentlich geförderter Wohnraum, der so gebaut wird, dass er als Wohngemeinschaft für Menschen mit Handicaps genutzt werden wird. Ein komplizierter Weg zur finanziellen Förderung, unterstrich Kempeni. Sechs Erwachsene sollen auf den 340 Quadratmetern ihr Zuhause finden.

Schon vor genau zehn Jahren fertig wurde die GBS-Wohnanlage 50plus nahe dem Rathaus. Auch das ein innovatives Modell der GBS. Dort trafen sich die Podiumsgäste. Das Gebäude 50plus ermögliche vor allem Kommunikation, „eine spannende Erfahrung“, sagte Bewohnerin Marion Schneider. „Ich fände es schön, wenn so weiter gedacht würde.“

Bewohnerin Marion Schneider wünscht sich mehr Konzepte wie die GBS-Wohnanlage 50plus. Foto: Sascha Schmidt/Stadt Saarlouis

Die Aussichten sind ganz gut. Denn die Zeit des öffentlichen Bauens nach dem Motto „quadratisch, praktisch gut“, Hauptsache ein Dach über dem Kopf, sei vorbei, sagte OB Peter Demmer. Niemand werde wieder so bauen wie in den 50er und 60er Jahren, darin stimmten die Gesprächspartner überein.

Die Wohnbaugesellschaften sehen sich anderen drängenden Herausforderungen gegenüber. Von Anpassung an die Demografie, energetischer Sanierung, Brandschutz und steuerlichen Signalen „in die falsche Richtung, weil mit nur kurzfristiger Wirkung“ (Gedaschko) berichten sie. Für schädlich hält Gedaschko den aktuell diskutierten Mietpreisdeckel.

Dabei sei das politische Bewusstsein wieder da, Wohnungsbau öffentlich zu fördern, wie dies in Saarlouis die GBS mache. Zumindest im Saarland habe die Politik auch genug Geld zur Förderung ausgewiesen, sagte der Präsident der Architektenkammer des Saarlandes, Alexander Schwehm. „Bloß, wir kriegen die PS nicht auf die Straße“. Die ministerielle Bürokratie sei zu langsam, brauche bis zu zwei Jahre für einen Bau, „den wir in ein, eineinhalb Jahren hinstellen.“

Schwehm regte auch „Lotsen“ an, die vor allem kleinere Gemeinden bei Wegen zur Förderung von Wohnbau unterstützen könnten. Das, sagten er und Leers, wäre besonders sinnvoll, um die auch im Saarland politisch gewünschte Belebung des ländlichen Raumes als Wohnadresse voranzubringen. Laut Leers wird die Zahl der im ländlichen Teil des Saarlandes leerstehenden Wohnungen auf etwa 25 000 geschätzt. Es gebe durchaus Trends aufs Land. Zugleich müsse man sich in den Städten darauf einstellen, ganze neue Stadtteile zu bauen, unterstrich Gedaschko.

Gute Noten vergab Schwehm, besonders mit Blick auf Saarlouis, für die Architektur öffentlich geförderter Wohnbauten. Die seien oft „um Klassen besser“ als bei privat errichteten Bauten.

Gedaschko kritisierte sehr deutlich, dass die Rahmenbedingungen für das Bauen in Deutschland auch zur Folge hätten, dass es zu knappe Bau-Kapazität gebe. Das wiederum führe zu einem international gesehen massiven Rückstand in der Bau-Technologie. „Im Vergleich arbeiten wir in Deutschland noch mit Pfeil und Bogen.“

GBS-Chef Knut Kempeni (Mitte): Wir wollen nicht bloß Wohnraum, sondern ordentlichen Wohnraum. Foto: Sascha Schmidt/Stadt Saarlouis

Es bleibt der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum, laut Leers im Saarland wesentlich entspannter als anderswo, aber eben doch existent. 550 Vormerkungen zählt die Warteliste der GBS laut Kempeni. Dahinter stehen geschätzt 1300 Menschen. „Aber wir wollen ja nicht einfach Wohnraum, wir wollen ordentlichen Wohnraum.“ Die Liste müsse kürzer werden, sagte OB Demmer. „Da sind wir auf dem richtigen Weg.“

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