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Ausstellungen: Spannende Kunst in einem blühenden Garten

Ausstellungen : Spannende Kunst in einem blühenden Garten

Unter freiem Himmel gibt es Keramikmasken, Kalligrafien, Skulpturen in Stein und Stahl, Masken und Plastiken aus Keramik.

Ein Wagnis: Wie vertragen sich die Kunstwerke? Wie harmonieren sie mit der blühenden Natur? Wie wird das Wetter? – Hilla Koch-Neumann ist wohlgemut. Das Wochenende wird sommerlich-schön werden. Ihr Garten, nach der Manier englischer Landschaftsgärten mit Rosenbeeten, Obstbäumen und Stauden bis hin zum Seerosenteich gestaltet, wird sich von seinen schönsten Seiten zeigen. Und so gut, wie die Gastgeberin sowie Brigitte Jenner und Detlef Riedler einander verstehen, werden sich ihre Kunstwerke in der Spannung der Ausdrucksformen gegenseitig bereichern.

„Karikaturen in K.“ – das kündigt die Einladung an. Das K wird für „Keramik“ stehen. Oder? Bei dem Hinter-, Neben-, oder gar Unsinn, nicht selten bei Koch-Neumann, mag eine andere Anspielung mitschwingen. Wie auch immer: Es handelt sich um Masken – das ist neu für die Keramikerin, ebenso wie der schwarze Ton.

„Es sind Gesichter, die mir gerade einfielen“, erklärt sie. „Jeder Mensch hat eine Menge Gesichter, nicht nur zwei.“ Es darf gerätselt werden. Nach Karikaturistenart ist Typisches verstärkt, um „gewisse Schwächen“ auszudrücken: Hier sind es Glubschaugen, da übergroße Ohren. Ein Teufel hat sich ein Horn abgestoßen. „Karikaturen sind immer Überspitzungen. Man findet bestimmt Anspielungen auf bestimmte Personen. Ich will mich da aber nicht festlegen, das soll sich der Betrachter selbst erschließen.“ 20 Masken stehen auf Stahlstäben inmitten von Pflanzen. Dort wird man auch die bekannten Keramik-Stelen Koch-Neumanns finden.

Brigitte Jenner muss eine andere Präsentation für Ihre Kalligrafien, „Schriftgestaltung auf Büttenpapier in historischen Schriften, teilweise frei geschrieben und verändert“, wählen. Es sind kleine Formate, Karten, Leporellos, raffiniert gefaltete Objekte, die sich aufstellen lassen. Das Papier ist immer mehr als bloßes Medium, ebenso wie die Schrift über ihre Mitteilungsfunktion hinaus darstellende Kraft bekommt, Kunst wird. „Ich schreibe, was mir so begegnet“, erzählt Jen­ner, „kurze Texte, Haikus, Sätze aus Büchern oder aus dem Internet, oder Anregungen aus Kursen, die ich leite. Wenn man Kalligrafie macht, begegnen einem die Texte.“ 100 Exponate will sie ausstellen.

Detlef Riedlers Kunst, rund 20 Werke, ist handfester. Man darf sie sogar berühren, haptisch erfahren oder erahnen, was es bedeutet, mit Kraft, Geduld und Fingerspitzengefühl einem Stein Form zu geben. Stahl und Stein“, nennt Riedler seinen Beitrag. Der Architekt eignet sich seit fünf Jahren in Bildhauerkursen das nötige Rüstzeug an, bildet sich ständig weiter. „Ich versuche, abstrakte Formen zu gestalten. In jedem Stein ist etwas Besonderes, das man herausholen muss.“

Damit meint Riedler den Respekt vor dem Material – meistens Sandstein aus der Saargegend oder der gelbe Stein aus Amnéville). Wenn beim Schlagen mal mehr abbricht als gewollt, klebt Riedler das Stück nicht an, sondern lässt sich auf die neue Situation ein, baut so den Zufall in seine Kunst ein, was gelegentlich „renaturieren“ bedeutet.

Für seine Stahlarbeiten, „gefaltete Skulpturen“, verwendet er vergleichsweise wenig Werkzeuge; geschweißt wird nur zur Fixierung. Das unterscheidet seine Werke von den Schrottgebilden in Vorgärten; aber rosten sollen sie auch.

Die Ausstellung im Keramikatelier und Garten von Hilla Koch-Neumann (Hauptstraße 136 in Beaumarais) ist von Freitag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr, zu sehen. Offizielle Eröffnung ist am Freitag um 19 Uhr mit einer Laudatio von Gerhard Alt.