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So geht es den Kneipen in der Altstadt Saarlouis in der Corona-Krise

Kostenpflichtiger Inhalt: Altstadt-Gastronomie in der Krise : „Das Einzige, was noch läuft, sind die Kosten“

Altstadt-Kneipen und Restaurants in der Krise: Seit Wochen keine Einnahmen, es bleibt nur die Hoffnung auf Lockerungen im Mai.

Bei bestem Wetter auf eine leere Altstadt zu blicken, wo sich sonst Gäste von morgens bis nachts auf den Terrassen tummeln würden – als „beängstigend, völlig unwirklich“ empfindet der gestandene Altstadt-Wirt Erni Müller das täglich. „Es ist bitter, jeden Morgen in die leere Kneipe zu fahren, nur um zu gucken, ob die Kühlung noch läuft. Denn der Keller steht voll“, schildert Müller, seit 47 Jahren Wirt des „Humpen Saarlouis“. Eine schnelle Wiedereröffnung sieht er nicht: „Die Kneipen kommen wohl erst ganz am Schluss. Abstand halten ist hier im normalen Betrieb ja kaum möglich.“

Abgesperrt hat er seine Traditionskneipe bereits vor der landesweiten Schließung, am 13. März: „Die Situation war mir zu gefährlich, für die Kundschaft, aber vor allem für mein Personal.“ Seit über vier Wochen ist nun geschlossen, solange wie noch nie seit Bestehen – ohne jeden Umsatz. Seine beiden Festangestellten sind in Kurzarbeit. „Für meine Aushilfen ist das hart, die fallen durchs Raster“, bedauert er. Soforthilfe hat er gleich beantragt, bisher aber noch nichts gehört. Für die ganze Gastronomie sei diese Krise „äußerst bedrohlich“, meint der 67-Jährige: „Wir sind bei null. Das Einzige, was weiterläuft, sind die Kosten.“

„Es ist eine Katastrophe“, fasst Jennifer Lenhard, Geschäftsführerin der Tagesbar Saarlouis, zusammen. Seit zwei Wochen versucht ihr Betrieb, mit einem Pizza-Abholservice wenigstens ein paar Einnahmen zu erzielen. „Es funktioniert leider nicht besonders gut“, bedauert Lenhard, „das Angebot ist im Moment eben sehr groß.“ Deswegen wird sie den Service wohl auch bald wieder einstellen.

Ihren Hauptumsatz macht die Tagesbar, Ecke Silberherzstraße/Alte-Brauerei-Straße, ohnehin mit Wein und anderen Getränken. „Zusammensitzen und Beisammensein ist bei uns eigentlich das Thema“, sagt Lenhard – vollkommen unmöglich, solange die Ausgangsbeschränkung besteht und wohl noch länger. Lenhard hofft auf Ende Mai oder Juni, ein Betrieb mit Sicherheitsvorkehrungen wäre aus ihrer Sicht durchaus möglich: „Es wäre besser als gar nichts! Und besonders bei diesem Wetter wäre es doch möglich, auf der Terrasse Abstand zu halten.“

Ein Trost sei der Rückhalt von ihren Stammgästen: „Wir telefonieren regelmäßig, halten Kontakt. Gestern hab ich sogar einem Stammgast zum Geburtstag eine Torte vor die Tür gestellt.“ Trotzdem befürchtet sie: „Die Gastronomie kommt wohl als letzte Branche. Ich glaube, dass viele hier dann gar nicht mehr öffnen können.“

Auch Olaf Zimmer, Wirt der Kneipe „OZ“ in der Bierstraße, hat von seinem Antrag auf Soforthilfe bis dato noch nichts gehört; ob sie hilft, hänge auch davon ab, wie lange er letztendlich zulassen muss. „Ewig kann das so nicht gehen.“ Aber auch er befürchtet: „Wir sind die Ersten, die zu machen mussten und werden die letzten sein, die wieder öffnen dürfen.“ Zimmer hofft, „vielleicht Anfang Juni wieder zu öffnen“. Gerade jetzt bei herrlichem Wetter tue es besonders weh: „Auf der Terrasse könnte man problemlos die Abstände einhalten“, findet auch er. „Dann könnte man wenigstens im Tagesgeschäft noch ein paar Kosten decken.“ Er befürchtet: „Die Leidtragenden sind wir kleinen Kneipen und Gaststätten. Wir werden einfach unter den Teppich gekehrt.“

Sein Restaurant „Tapas“ in der Alte-Brauerei-Straße hat Inhaber Edmund Gräff seit 21. März komplett geschlossen. Für seine beiden Festangestellten hat er Kurzarbeitergeld beantragt, außerdem Soforthilfe bei Bund und Land. Eingegangen sei bis dato noch nichts. Mit den neuesten Entscheidungen ist Gräff nicht zufrieden: „Wenn wir wenigstens öffnen könnten mit den entsprechenden Sicherheitsabständen und draußen auf der Terrasse verkaufen könnten, dann wären wir schon ein Stück weiter, um wenigstens die Kosten zu decken.“ Es wäre beim Essen einfacher, Abstand zu halten als zum Beispiel im Baumarkt, findet der Gastronom, der seit über 30 Jahren in der Altstadt ist; er hofft auf schrittweise Lockerung im Mai. Gräff will sich nun mit seinem Team besprechen, wie man übergangsweise Gerichte zum Mitnehmen anbieten kann. Er ist dabei jedoch „unheimlich skeptisch. Viele Leute sind noch sehr verängstigt.“

Sein Nachbar Michael Leinenbach, Wirt im „Black Out“, hat bereits am 13. März geschlossen – mit der Konsequenz, dass 100 Prozent des Umsatzes weg ist. „Wir wollten da aber kein Risiko eingehen, auch wegen des Personals“, sagt Leinenbach. Er nutzt die Zeit für Renovierungsarbeiten. Auch er hat für seine Angestellten Kurzarbeitergeld beantragt und die Soforthilfe vom Land. Zwar sei noch kein Geld eingegangen, aber am Karfreitag ein Anruf vom Wirtschaftsministerium bezüglich seines Antrags: „Und ich muss sagen, der Mitarbeiter war sehr nett und hat sich richtig gekümmert.“

Leinenbach hofft zwar, dass es bald weiter geht: „Sollten wir unter Auflagen wieder öffnen dürfen, würde ich das auch tun. Aber eigentlich nur um ein paar Unkosten wieder hereinzubekommen und wegen der Serviceleute.“ Doch realistisch sei das vor Ende Mai wohl nicht.

Angela Fritzen verkauft Gutscheine durchs Kneipenfenster im „Black Out“ an Gast Alexander Kuhn. Dazu gibt‘s noch ein kleines Dankeschön. Kuhn freut sich: „Hoffentlich können wir den Gutschein schon bald einlösen.“ Foto: lx

Seine Stammgäste unterstützen derweil die Kneipe so gut wie möglich: Bereits drei Mal haben die Leinenbachs Gutscheine und T-Shirts am Fenster verkauft, zu festen Zeiten. „Viele freuen sich einfach, kurz vorbeizukommen. Ein Stammtisch wollte sogar unsere Kontonummer haben, damit sie ihre Stammtischkasse spenden können. Das wollte ich aber nicht!“, sagt Michael Leinenbach. „Die sollen sie lieber bei mir vertrinken, wenn wir wieder geöffnet haben.“ Er macht sich aber nicht nur Sorgen über sein eigenes Geschäft: „Ich bin mal gespannt, wie viele das aushalten.“