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„SilberHerz, Geschichte aus Geschichten“

„SilberHerz, Geschichte aus Geschichten“

„SilberHerz“, das Saarlouis-Stück von Alfred Gulden, hat am Samstag Premiere im Theater am Ring. Brigitte Berger und Andreas Schmidt kennen es von innen, weil sie darin Rollen haben. Sie erklären den Reiz von SilberHerz und erzählen, wie es ihnen damit erging.

"Seh ich's bucklig Männlein gehen", zitiert Brigitte Berger aus "SilberHerz", dem Saarlouis-Stück von Alfred Gulden . Es ist Frucht seines Jahres als Stadtschreiber von Saarlouis und hat am Samstag Premiere. Berger, die jetzt doch beeindruckt vor dem großen leeren Theatersaal steht, gibt darin einer Platane ihre Stimme. "Jeder kannte doch diesen Buckligen, den Stadtboten", ruft die Ur-Saarlouiserin. "Als Kind hatte ich Angst vor ihm, weil der auch die Blauen Briefe aus der Schule verteilt hat."

Der Stadtbote fand Eingang in SilberHerz, es gab ihn, Berger kannte ihn, das alles ist wahr. Aber das ist nicht die ganze Geschichte. Die erfand Gulden neu. Die Einzelheiten darin? Auch wahr? Wahrscheinlich. Aber sie stammen aus anderen Geschichten. "Geschichte aus Geschichten" inszeniere Gulden in SilberHerz, beobachtet Berger. Eine nach der anderen. Vorgetragen von Stimmen, die Bäumen, Menschen, Tieren aus Saarlouis gehören. "Zusammengesetzte Fragmente", nennt es Andreas Schmidt , ein ITler aus Lebach. Er spricht den vergessenen Soldaten Lacroix.

"Ich muss nicht aus Saarlouis sein, um zu verstehen, um was es dabei geht." Berger: "Es ist Lokales und Weltgeschehen."

Zusammengehalten werden die Rollen vom gedachten Erzähler: Einem Radfahrer, der lange über Saarlouis recherchiert hat, der einen Unfall hatte und im Koma legt. Jetzt will das, was er über Saarlouis erfahren hat, aus seinem Kopf. "Das", sagt Schmidt, "sind die Stimmen, die Fragmente."

Platanen, Lacroix, Tauben, Straßenkehrer, ein Zirkuskind und viele andere Stimmen geben etwas vor, und ein Sprechchor aus fast 60 Männern und Frauen antwortet darauf. Mal ruhig, mal heftig dramatisch. Er widerspricht, bestätigt, gibt zu bedenken. Eine Art Echo. Einzelne Stimmen und Echo des Chores, das ist das Konstruktionsprinzip von SilberHerz.

Gulden hat das Stück erst endgültig in dem nun zurückliegenden Jahr entwickelt, in dem er es mit den Sprechern einübt, allesamt Laien.

"Wir sind selber Teil des Entwicklungsprozesses geworden", wundert sich Schmidt. Mehr noch: "Die Inszenierung berührt mich", sagt Berger, die bei der Kreissparkasse arbeitet. Sie ist bei den Proben vielem begegnet, was sie kannte. Manches aber, auch aus der eigenen Familiengeschichte , habe sie da erst verstanden.

Zu dieser Wechselwirkung von Bürgern der Stadt als Sprecher auf der Bühne und dem Stück selbst trug auch ein später Rundgang zu den Orten bei, die auf der Bühne eine Rolle spielen. An diesem Wochenende war das.

Berger: "Den Rundgang haben wir gemacht, um die Figuren noch besser darstellen zu können." Viele Darsteller haben Details erstmals überhaupt gesehen.

"Die Gingko-Bäume, die spielen auch eine Rolle. Schon mal gesehen? An der Ecke Anton-Merziger-Ring und Vaubanstraße. Ein Traum." Oder sie waren auf dem Alten Friedhof am Grab des Zirkusjungen, der auf dem Großen Markt tödlich verunglückte.

Noch bei diesem Rundgang entwickelten sich das Stück und seine Dramaturgie weiter, ganz wie Autor Alfred Gulden es angesagt hatte. Brigitte Berger: "Das Treffen diente dazu, das Verständnis für die Sprechrollen noch einmal herauszukitzeln. Von manchem haben wir überhaupt erstmal ein Bewusstsein bekommen, ich auch, obwohl ich Ur-Saarlouiserin bin. Ich fand's wunderschön. "

Andreas Schmidt und Brigitte Berger auf der Bühne des Theaters am Ring: Die Stühle für den großen Sprechchor stehen schon. Foto: Hartmann Jenal. Foto: Hartmann Jenal

Premiere: Samstag, 26. November, 20 Uhr. Karten: 10/7 (ermäßigt 8/5) Euro. Der Vorverkauf läuft u.a. bei Pieper Bücher, Phonac in der Galerie Kleiner Markt, Globus Saarlouis . Nach der Premiere weitere Termine.