Seemann legt in Dillingen an

Pachten. Matthias Kelkel steigt auf die Bordwand einer Yacht. Doch die sinkt kein bisschen tiefer ins Wasser ein. "Komplett eingefroren", sagt der Hafenmeister im Dillinger Yachthafen. Ein Problem sei das nicht, denn der Rumpf sei aus Metall.Eine Eisschicht liegt über dem Hafenbecken an der Saar, zwei bis drei Zentimeter dick

Pachten. Matthias Kelkel steigt auf die Bordwand einer Yacht. Doch die sinkt kein bisschen tiefer ins Wasser ein. "Komplett eingefroren", sagt der Hafenmeister im Dillinger Yachthafen. Ein Problem sei das nicht, denn der Rumpf sei aus Metall.Eine Eisschicht liegt über dem Hafenbecken an der Saar, zwei bis drei Zentimeter dick. Die breche immer wieder, wenn große Frachtschiffe auf der Saar vorbeiführen. "Die saugen Wasser aus dem Hafen raus, dann sinkt der Pegel hier um zirka einen Meter. Ist der Kahn durchgefahren, rauscht die Welle wieder zurück."

Verwaist liegen rund 80 Schiffe, vom einfachen Motorboot bis zur Renommier-Yacht. Am Ufer festgemacht ist die "Saarperle", das Clubschiff des Yacht- und Wassersport-Club Dillingen, kurz YWSC. Obenauf befindet sich das Büro des Hafenmeisters. Einen eigenen UKW-Kanal hat der, über den er Kontakt zu den Kapitänen aufnimmt. "Die geben Länge und Tiefgang ihrer Boote durch, dann kann ich gleich schon den Liegeplatz einteilen." Dafür hat sich Kelkel einen Plan des Hafens ins Büro gehängt, dazu Schiffe mit Magneten, die er passend verschieben kann. Nahe der Hafeneinfahrt kommen die schwereren Schiffe zu liegen. Dort ist das Becken 2,7 Meter tief, in Richtung Gaststätte nur noch 80 Zentimeter. "Aber die Schiffe werden immer länger und haben immer mehr Tiefgang", sagt er.

Kelkel stammt aus Schwalbach. Doch das sei ihm zu kleinkariert, "ich bin Europäer". Viele Jahre war er im Ausland, dann tauchte er mit einem Reise-Katamaran in Dillingen auf. Seit etwa drei Jahren ist er nun Hafenmeister. Wie er zu dieser Tätigkeit kam? "Man hält sich möglichst lange und häufig im Hafen auf und knoddelt rum, dann wird man irgendwann gefragt." Dazu kommt seine seemännischen Erfahrung. Das waren zum Beispiel Fahrten als Maschinist im finnischen Meerbusen mit vereisten Holzladungen bei minus 30 Grad. Zum Segeln kam er über den Schiffsmodellbau. Die Praxis brachte er sich im Bereich der Kanarischen Inseln selbst bei. "Erst später habe ich erfahren, das ist eine der schlimmsten Gebiete für so was."

Die Wintersaison sei eigentlich recht ruhig, trotzdem sei er fast jeden Tag vor Ort. Bei Kontrollgängen achte er vor allem auf geplatzte Leitungen oder Tanks sowie Frostschutz. Und das Eis behalte er im Blick. "Im Idealfall gibt mir der Eigner die Schlüssel", schildert Kelkel. Denn notfalls mussten Boote auch schon mal mit der Pumpe gerettet werden.

Die Saison beginne am 15. April mit dem Aufflaggen, am 15. Oktober ende sie mit Abflaggen und Aufräumen. "Wobei der Hafenmeister bei jeder Flagge einen Schnaps trinken muss", schmunzelt Kelkel. Während des Sommers gehe es morgens früh los und vielfach bis die Nacht. Die Technik müsse laufen, Gäste seien zu hegen und zu pflegen. Dazu kämen Abrechnungen und Buchungen sowie Instandsetzungsarbeiten. Auch sei eingespülter Müll zu entsorgen. Den Rahmen liefere die Hafenordnung. Bei ernsthafteren Vorkommnissen nehme er Kontakt mit der Wasserschutzpolizei oder der Feuerwehr auf.

Matthias Kelkel, Hafenmeister im Dillinger Jachthafen, macht einen Rundgang zwischen den winterfest gemachten Booten. Foto: Johannes A. Bodwing

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