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Schreibkollektiv aus Saarlouis veröffentlicht Corona-Roman

Kostenpflichtiger Inhalt: Kreativ in der Krise : „Wenn wir uns sehen könnten“: Schreibkollektiv aus Saarlouis veröffentlicht Corona-Roman

Autoren aus aller Welt haben als Schreibkollektiv einen Corona-Roman geschrieben. Kostenlos wird er online veröffentlicht. Die Idee hat Angelina Atieh aus Saarlouis.

„Wie kann ich in Zeiten von Corona helfen?“ Eine Frage, die sich Angelina Atieh Anfang April stellte. Sie grübelte und bekam eine Idee. Sie griff zum Handy, startete in den sozialen Netzwerken einen Aufruf und wartete – bis sich binnen einer Woche elf Menschen meldeten, die sich an Atiehs Vorhaben beteiligen wollen. Ihr Ziel: Während der Corona-Krise gemeinsam ein Buch schreiben.

Doch warum gerade ein Buch? „Die Ursprungsidee ist, die Zeit während Corona festzuhalten“, erzählt Atieh. Sie denkt dabei an die geschlossenen Geschäfte und Restaurants, die Kontaktbeschränkungen und abgesagte kulturelle Veranstaltungen, die alle das soziale Leben Mitte März zum Stillstand brachten.

Genau davon handelt der Roman „Wenn wir uns sehen könnten“, geschrieben von zwölf Autoren, die einander zuvor nicht kannten und nun ein Schreibkollektiv bilden. „In unserem Buch lässt Amy ihr altes Leben hinter sich und erfüllt sich in Kiel mit ihrer besten Freundin Ella den Traum vom eigenen Café“, erzählt Atieh, die Gründerin des Schreibkollektivs. Nicht nur ein neues Leben wartet dort auf sie, sondern auch die Liebe. Doch dann kommt Corona und macht ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Die Handlung des Romans entstand an einem einzigen Abend. „Unsere Stärke war, dass wir vor Ideen strotzten“, erzählt Atieh. Dabei hatte sie anfangs Zweifel, ob sie den Beitrag überhaupt veröffentlichen soll. Würde jemand reagieren? „Ich hoffte, dass sich mindestens zehn melden. Bei zwei hätte ich es nicht gemacht“, schildert die 28-Jährige. Am Ende erhielt sie positive Rückmeldungen von zwölf Menschen aus Deutschland, Österreich und Südafrika. Alles Fremde, die eines verbindet: ihre Leidenschaft fürs Schreiben.

Wie man sich bei so vielen Autoren auf eine gemeinsame Handlung einigt? Gar nicht. „Wir legten zu Beginn Name und Alter der Figuren fest, wie sie sich kennenlernen und wer welches Kapitel schreibt. Ein roter Faden wurde nicht vorgegeben“, erzählt Atieh, die den Anfang machte und so den Grundstein für die Geschichte legte. Daran musste der Nächste nahtlos anknüpfen, doch was in seinem Kapitel passierte, blieb dem jeweiligen Autor vorbehalten. „Die Abmache lautete: Das Buch muss stimmig sein“, erzählt sie.

So setzte sich über sieben Wochen hinweg das Buch kapitelweise zusammen. „Aktuell befindet es sich noch in der Überarbeitungsphase“, sagt Atieh, in der jeder die Geschichte noch einmal auf Fehler prüfe. Zudem veranstalte man Mitmachaktionen in den sozialen Netzwerken und rühre die Werbetrommel für die Veröffentlichung des eBooks, die am 25. Mai geplant ist – kostenlos.

„Wir können Corona nicht beseitigen, aber unseren Beitrag dazu leisten, dass die Menschen zwei schöne Lesestunden haben.“ Die Zusammenarbeit untereinander beschreibt Atieh als „sehr harmonisch“, auch eine Fortsetzung sei bereits geplant. Für die fünffache Mama ist Schreiben ein Ausgleich. Mit 17 bekam sie ihr erstes Kind, studiert oder eine Ausbildung hat sie nicht. An ihrem Hobby liegt ihr viel. „Ich brenne dafür“, sagt sie. „Es gibt mir die Chance, als Ehefrau und Mutter in andere Rollen zu schlüpfen.“

Schon als Teenager hat sich die Saarlouiserin regelmäßig Geschichten ausgedacht und die zu Papier gebracht. „Seit fünf Jahren schreibe ich intensiv selbst“, erzählt Atieh. „Gelesen habe ich schon immer, aber oft fehlt mir in Geschichten das gewisse Etwas.“

Jetzt arbeitet sie, abseits vom Schreibkollektiv, an ihrem eigenen Buch, in dem sie über Essstörungen schreibt. Ihr Ziel: „Ich möchte Liebesromane schreiben, die Tabu-Themen ansprechen und so Menschen ermutigen, darüber offen zu sprechen.“

www.dasschreibkollektiv.de