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Schnell noch das Häuschen gekauft

Schnell noch das Häuschen gekauft

Kurz vor Jahresschluss wurden besonders viele Immobilien verkauft, sagt der Saarlouiser Makler Burkhard Blandfort im Gespräch mit SZ-Redakteur Johannes Werres. Grund: Das Saarland erhöhte zum 1. Januar die Grunderwerbsteuer. Blandfort ist stellvertretender Vorsitzender des Immobilienverbands Deutschland (ivd) West.

Herr Blandfort, wer eine Immobilie im Saarland kauft, zahlt seit 1. Januar 6,5 Pozent statt bisher 5,5 Prozent Grunderwerbsteuer . Machen Sie doch mal die Rechnung auf: Wie viel hätte der Käufer bis 31. Dezember bezahlt, wie viel ein paar Tage später. Angenommen, die Immobilie kostet 200 000 Euro?

Blandfort: 11 000 Euro waren es bis Ende Dezember, 13 000 Euro sind es jetzt. Also 2000 Euro mehr. Eine Steuer ohne jede Gegenleistung des Staates. Der Staat will an dem im Immobiliengeschäft derzeit vermehrten Geldfluss partizipieren.

Hat die Steuererhöhung zu höheren Verkaufszahlen gegen Ende des Jahres geführt?

Blandfort: Eindeutig ja. Die Notariate hatten alle Hände voll zu tun. Mancher hat den Kauf noch schnell vorgezogen.

Welche Auswirkungen erwarten sie für das laufende Jahr?

Blandfort: Keine. Das liegt unter anderem an den niedrigen Zinsen auf dem Anlagemarkt. Auf dem Festgeldkonto bekomme ich meist nur um die 0,5 Prozent. Mit Immobilien kann ich im Saarland durchaus eine Nettorendite von vier bis sechs Prozent pro Jahr erzielen. Ein Kauf scheitert dann sicher nicht an der höheren Grunderwerbsteuer .

Wie sieht es überhaupt aktuell aus auf dem Immobilienmarkt im Kreis Saarlouis ?

Blandfort: Im Kreis Saarlouis haben wir insgesamt stabile Verhältnisse. Angebot und Nachfrage stimmen, der Markt funktioniert. Das gilt grundsätzlich nicht nur für die Kreisstadt Saarlouis , sondern auch für andere Kommunen. In Saarlouis ist es sicher so, dass die Nachfrage gerade in guten und sehr guten Lagen ausgesprochen hoch ist. Es zeigt sich aber auch, dass Verkäufer nicht weiter beliebig drauflegen können. Denn Käufer schauen sehr genau nach, was die Sanierung dieser Häuser kostet. Natürlich gibt es auch Kommunen im Kreis mit längeren Vermarktungszeiten. Die Lage ist aber grundsätzlich anders als zum Beispiel im Nordsaarland. Dort leiden die Orte stark unter der demographischen Entwicklung und unter dem Wegzug ausgebildeter junger Leute. Dort wird eine höhere Grunderwerbsteuer den Wert einer Immobilie eher drücken.

Der Lauf der Dinge?

Blandfort: Eine große Aufgabe auch für die Bürgermeister. Und es gilt - auch aus Sicht des Immobilienmarktes! - dass wir Zuwanderung brauchen und bessere Rahmenbedingungen für Menschen, die herkommen, unter denen sie sich auch im Alltag und im Beruf integrieren können.

Macht sich die Neuregelung schon irgendwo bemerkbar, wonach ein Makler nur vom Vermieter, nicht aber vom Mieter bezahlt werden darf?

Blandfort: Es gibt eine Menge Verwirrung, aber das Gesetz ist ja noch gar nicht in Kraft. Es wird vermutlich im Mai beschlossen. Im Rechts- und Wirtschaftsausschuss des Bundesrats wurde Nachbesserungsbedarf festgestellt, wir warten nun auf einen Kompromissvorschlag im Gesetzgebungsverfahren. Nach Vorstellung der SPD darf nur noch der Vermieter die Dienstleistung eines Maklers bestellen und dafür Courtage bezahlen. Ich halte das für Unsinn. Ein Unternehmen wie Ford zum Beispiel könnte dann keinen Makler mehr beauftragen, ein Haus für einen leitenden Angestellten zu suchen, der nach Saarlouis wechselt, jedenfalls nicht gegen Bezahlung.

Was wäre besser?

Blandfort: Besser wäre ein echtes Bestellerprinzip, das auch vom Immobilienverband Deutschland IVD unterstützt wird. Im Prinzip so, wie es jetzt auch möglich ist: es bezahlt, wer bestellt. Das regelt letztlich der Markt. In Saarlouis zum Beispiel liegt die Courtage derzeit bei zwei Monatsmieten, die der Mieter zahlt. In Dillingen teilen sich Mieter und Vermieter meist die Courtage. Je weiter es aufs Land rausgeht, umso eher übernimmt der Vermieter die Maklergebühr.

Zum Thema:

Stichwort Die Grunderwerbsteuer bringt im Saarland 2015 geschätzte 98 Millionen Euro. Ab 2015 fließt das Aufkommen aus der Grunderwerbsteuer zunächst in voller Höhe in den Landeshaushalt. Hiervon gehen rund 21 Prozent über den kommunalen Finanzausgleich an die Kommunen. Dies führt laut Finanzministerium für die Kommunen zu Mindereinnahmen gegenüber 2014 von netto etwa 19 Millionen Euro. Die Einnahmen der Kommunen aus der Grunderwerbsteuer liegen in 2015 dann immer noch leicht über dem Wert des Jahres 2010, also dem Jahr vor der Erhöhung des damaligen Steuersatzes von 3,5 Prozent auf zunächst 5,5 Prozent, inzwischen 6,5 % im Jahr 2015 . red