"Schlachtrösser satteln"

Kreis Saarlouis. "Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Annegret Kramp-Karrenbauer", sagt Franz-Josef Berg, Kreisvorsitzender der CDU. Das Land stehe vor wichtigen Entscheidungen, und deshalb "brauchen wir eine stabile große Koalition". Da die Ministerpräsidentin viel Zuspruch erhalten habe, ist er optimistisch, "dass wir gewinnen"

Kreis Saarlouis. "Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Annegret Kramp-Karrenbauer", sagt Franz-Josef Berg, Kreisvorsitzender der CDU. Das Land stehe vor wichtigen Entscheidungen, und deshalb "brauchen wir eine stabile große Koalition". Da die Ministerpräsidentin viel Zuspruch erhalten habe, ist er optimistisch, "dass wir gewinnen". Berg: "Und für uns ist das ja kein Problem. Wir machen nach dem Landrats-Wahlkampf einfach gleich weiter.""Alles andere ist dummes Gespräch", sagt Reinhold Jost in Sachen Spitzenkandidatur der SPD. Klar werde Heiko Maas die SPD in den Wahlkampf führen. Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz an dieser Stelle zu sehen, erklärt Jost, der Kreisvorsitzende der SPD, für - siehe oben. Jamaika habe geschadet, jetzt gelte es, keine Experimente mehr zu machen. Jost: "Das werden wir inhaltlich und personell deutlich machen. Mit Heiko Maas."

Zufrieden ist Grünen-Kreischef Klaus Kessler: "Wir haben gesagt, das ist der sauberste Weg." Nun werde die Entscheidung über eine Regierungsbildung an die Bevölkerung zurückgegeben. Leistungen aus der Jamaika-Koalition würden herausgestellt, denn die Grünen hätten gezeigt, dass sie Ziele erreichen. Kessler ist "optimistisch, dass wir unser Ergebnis klar verbessern".

CDU, Grüne und FDP in Jamaika "verbraucht" und die SPD als erklärter Großkoalitionär: "Die Chancen für uns sind sehr gut, wir sind ja dann die einzige Opposition", rechnet Wolfgang Schumacher, Kreisvorsitzender der Linken vor. Schumacher: "Ich hoffe jetzt auf einen Sinneswandel bei Maas. Rot-rot wäre das Beste, und das wollen auch die SPD-Anhänger so."

"Der Poker der Ministerpräsidentin ist nicht aufgegangen", sagt Sebastian Greiber, Kreis- und Landesvize der FDP. Er denkt, die Entscheidung hätte "schon viel schneller fallen können". Es gehe nur darum, wer Ministerpräsident wird. Alle Argumente vorher, 2013 zu wählen, um Geld zu sparen, "gelten plötzlich nicht mehr". Greiber: "Wir jedenfalls gehen guten Mutes in diese Wahl."

Weitere Stimmen

Saarlouis' OB Roland Henz, SPD: "Das waren seriöse, ernste Gespräche, die kein Ergebnis hatten. Neuwahlen sind also die logische Folge. Ich denke, die Vorgehensweise ist o.k."

Tim Flasche, Fraktionschef der CDU im Stadtrat Saarlouis: "Mir scheint das die bessere Alternative zu sein, als bis 2013 oder 2014 zu warten. Eine neue Regierung muss eine zeitlang im Amt bleiben, um die Probleme zu lösen, besonders zur Schuldenbremse."

Der Fraktionschef der Grünen im Stadtrat Saarlouis, Gabriel Mahren: "Es hat etwas von einer Farce. Sie sagen, sie können keine Große Koalition machen, und sagen gleichzeitig, dass sie nach der Wahl eine eingehen wollen. Es geht nur um die Frage, wer Ministerpräsident wird. Dazu eine Wahl - vor dem Hintergrund der großen Probleme? Naja."

Jürgen Paschek, SPD-Ratsherr in Saarlouis: "Ich finde das gut. Wir haben jetzt die Chance, die Scharte von 2009 auszuwetzen, als uns die Grünen den sicher geglaubten Sieg vermasselt haben. Wir holen jetzt die Schlachtrösser aus dem Stall, um für Heiko Maas als Ministerpräsident zu kämpfen."

Nicolas Lorenz, CDU-Fraktionsvorsitzender in Schmelz: "Es geht um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Deshalb sehe ich es als richtig, dass der Wähler nun das Votum hat. Unsere Ministerpräsidentin hat Mut bewiesen, dass sie ihr Amt und das Wohl des Landes vor ihre eigene politische Zukunft gestellt hat."

Harald Komes, SPD-Fraktionsvorsitzender in Schmelz: "Ich halte den Schritt für vernünftig. Wir werden sehen, mit welcher Konstellation wir aus den Neuwahlen hervorgehen werden. Die dann stärkste Partei ist dann auch legitimiert, ein Stück mehr ihrer Politik durchzusetzen."

Peter Serwe, für die FDP im Stadtrat Lebach: "Ich glaube, das war von der SPD im Vorfeld schon geplant. Und die FDP hat durch ihre inneren Probleme dazu beigetragen, dass die Koalition scheiterte."

Dieter Heim, FDP-Fraktionschef im Stadtrat Lebach: "Es ist uns nicht verständlich, warum die Ministerpräsidentin diesen Schritt getan und sich der SPD ausgeliefert hat. Die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Erfolg der SPD. Die Durchführung der Neuwahlen innerhalb kürzester Zeit wird viel Hektik und Durcheinander mit sich bringen."

Mike Müller, Mitglied im CDU-Kreisvorstand und im JU-Landesvorstand: "Der CDU ging es um das Saarland und nicht um strategische Sachen. Wir haben keine Angst vor Neuwahlen und stellen uns der Sache, weil wir das Beste fürs Saarland wollen." Foto: Thomas Seeber

Foto: Heike Theobald

Foto: Rolf Ruppenthal