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Sammeltaxi nun auch in Saarlouis

Saarlouis. Auch in Saarlouis fährt bald ein Anrufsammeltaxi (AST) Nachtschwärmer heim. Die Entscheidung im Stadtrat fiel allerdings knapp aus. Die SPD hält das AST angesichts der städtischen Haushaltslage für zu teuer. Johannes Werres

Die Stadt Saarlouis wird für zunächst ein Jahr testen, ob sich die Einrichtung eines Anrufsammeltaxis (AST) in den Nächten auf Samstag und Sonntag rentiert. Allerdings stimmten nur 23 Ratsmitglieder dafür, 20 aber dagegen, darunter die SPD-Fraktion . Das AST soll nach Ende des abendlichen Busverkehrs günstiger fahren als ein reguläres Taxi und so besonders den Jüngeren eine sichere Heimfahrt ermöglichen.

Geplant ist: Je vier Fahrten in den Nächten auf Samstag und Sonntag sowie vor Feiertagen zwischen 1 Uhr und 4.40 Uhr; 4.40 Uhr, weil das letzte AST Fahrgäste aus dem Nachtbus N5 aus Saarbrücken aufnimmt. Es gibt ab Busbahnhof und Großem Markt zwei AST-Linien für die Stadtteile auf der linken und der rechten Saarseite.

Der Fahrgast ruft spätestens 30 Minuten vor Abfahrzeit an, um das Taxi zu ordern. Mitfahren können nicht nur junge Leute, sondern alle. Pro Nase kostet die Fahrt 3,50 Euro in der City, fünf Euro in die Stadtteile. Auftraggeber des AST sind die KVS, fahren wird das Taxi-Unternehmen Schmidt-Pulchen.

29 000 Euro jährlich



29 000 Euro fixe Betriebskosten zahlt die Stadt dafür. Diese Summe spaltete den Stadtrat.

SPD-Fraktionschef Peter Demmer fehlt "ein Gegenwert". Für eine Fahrt "von der Altstadt nach Roden" habe er 8,50 Euro gezahlt. Die CDU geht davon aus, dass in den meisten Fällen die AST-Fahrt für eine, zwei, meist auch drei Personen günstiger komme als ein reguläres Taxi.

Der Festpreis erleichtere zudem den Nachtschwärmern, daran zu denken, dass sie noch Fahrgeld brauchen, wie CDU-Mann Leonhard Thiel sagte.

CDU-Fraktionschef Tim Flasche nannte es ein "soziales Projekt" und bot der SPD als Brücke die einjährige Probephase an.

Die SPD beharrte jedoch auf einer konkreten Gegenfinanzierung. Deswegen solle man den AST-Antrag verschieben bis in die Haushaltsberatungen und dann sehen, wie man den Betrag aufbringe. Denn Saarlouis stehe nur knapp vor der Grenze zur Sanierungskommune, sagte Demmer. Das sahen zunächst auch FWG, Pirat und AfD so. Demmer spitzte die Notwendigkeit von Prioritäten zu: "Wir müssen uns fragen, können wir uns unser Saarlouis ohne die Emmes vorstellen oder ohne ein Jugendtaxi?"

So stehe Saarlouis nun auch nicht da, das sei "finanzpolitische Panikmache", konterte Grünen-Fraktionschef Gabriel Mahren.

Und Mark Speicher (CDU ) erinnerte daran, dass der Antrag auf ein AST schon 2010 von der Jungen Union kam und das Geld längst im Haushalt stehe. "Nach fast fünf Jahren des Wartens konnten wir nun endlich ein Modell verabschieden, das an die Gemeinden Saarwellingen und Wallerfangen angelehnt ist. Somit können wir garantieren, dass vor allem Jugendliche und junge Erwachsene zu einem bezahlbaren Preis am Wochenende aus der Altstadt nach Hause kommen", bilanzierte der JU-Vorsitzende Frederic Becker.

Meinung:

Muss das denn so teuer sein?

Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Was wurde schon über ein Anruf-Sammel-Taxi für Saarlouis debattiert! Seit fünf Jahren ist das Geld dafür im Haushalt der Stadt eingestellt, vergeblich wartet man seitdem auf die Umsetzung der Idee. Inzwischen gibt es Nachtbus und andere, kleinere, ärmere Kommunen wie Wallerfangen und Saarwellingen haben längst vorgemacht, wie einfach und schnell es gehen kann. Traurig für eine Kreisstadt, die sich gerne damit rühmt, wie viele Nachtschwärmer ihre Altstadt anzieht.

Die hohen Kosten sind natürlich ein Gegenargument, aber muss das so teuer sein? Man könnte das "Jugendtaxi" vielleicht auf junge Leute beschränken. Erwachsenen muss die Stadt ja kein Taxi zahlen.