Saarlouiser Neujahrsgala im Theater am Ring

Saarlouiser Neujahrsgala : Feurige Musik mit einem Hauch Wehmut

Die Neujahrsgala in Saarlouis begeisterte das Publikum im ausverkauften Theater am Ring. Das Kreis-Symphonie-Orchester brillierte – ebenso die Sänger.

Zum elften Mal begrüßte das Kreis-Symphonie-Orchester Saarlouis (KSO) unter Leitung von Christian Schüller das neue Jahr im ausverkauften Theater, und das Publikum zeigte sich begeistert. Die Solisten waren Helmar Imschweiler, Melina Meschkat und Manuel Horras.

In einer Zeit, in der „Dissonanzen“ erkennbar zunehmen, setzten Schüller und das KSO auf die vermittelnde und weltweit verständliche Sprache der Musik: auf Ästhetik, Einklang und Balance. Ganz so, als wolle man sagen: Alles wird gut. Sein zweites Konzert als Dirigent dieses Laienorchesters, das inzwischen dank hervorragender künstlerischer Leiter wie ein professionelles aufspielt, beinhaltete nicht nur ein ideenreiches, festliches und feuriges Programm, sondern begeisterte ebenso durch Klangschönheit und saubere Intonation aller Instrumente. Als Antwort auf die humanistischen Grausamkeiten ist die Flucht in die Schönheit der Kunst eben immer das richtige Zeichen.

Eröffnet wird der Abend mit der bekannten Europa-Hymne, dem Te Deum von Charpentier aus dem 17. Jahrhundert – mit Pauken und Trompeten prachtvoll in Szene gesetzt. Von Beginn an zeigen die Musiker, was es heißt, jede Note mit Prägnanz zu erwecken und dennoch nichts zu überfrachten, die Melodien fließen und abheben zu lassen.

Mit „Souvenir d’un lieu cher“ (Erinnerungen an einen lieben Ort) wird noch einmal an Oberbürgemeister Roland Henz erinnert, der im vorigen Jahr gestorben ist. Aus der dreiteiligen Komposition von Tschaikowsy spielt das KSO das eigenständige Stück „Méditation“, das durch das Violinspiel von Helmar Imschweiler eindrücklich nachklingt.

Belege für Prägnanz, Perfektion und angemessene Dynamik liefern die Ouvertüre von „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß, ebenso wie Tschaikowskys Schwanenseewalzer und der majestätisch inszenierte Marsch „Pomp and circumstances“ von Elgar. Perfekte Zäsuren und Schlüsse sowie Tempi-, Takt- und Motivwechsel markieren die Werke auf besondere Art. Zauberhaft vorgetragen werden die „Sphärenklänge“ von Josef Strauß und die Champagner-Polka seines Vaters.

Auch hat Christian Schüller, der stets Augenkontakt zu den Solisten hält, zwei hervorragende Gesangsinterpreten engagiert: Mezzosopranistin Melina Meschkat. die 2012 ihr Gesangsstudium in Saarbrücken aufnahm und nach ihrem bereits abgeschlossenen Bachelor zum Wintersemester in die Opernklasse der Hochschule für Musik in Hamburg wechseln wird. Und „wie in jeder Opern-Inszenierung folgt auf eine attraktive Sopranistin ein nicht minder gut aussehender Tenor“, sagt Hans-Werner Strauß, der wie immer mit viel Witz und köstlichen literarischen Anmerkungen durch das Konzert führt. Gemeint ist Manuel Horras aus St. Wendel. Der Vollblutmusiker schloss ein Studium der Kirchenmusik mit dem C-Examen ab, studierte Klavier, Gesang und Trompete. Beide Gesangssolisten sind Neulinge in der Neujahrsgala und erobern sich große Sympathien beim Publikum.

Meschkat imponiert nicht nur mit ihrer reifen und sehr flexiblen Sopranstimme, sondern auch mit schauspielerischem Talent. Erst überzeugt sie in der Rolle der Leonor, einer der Hauptfiguren der Donizetti-Oper „La Favorita“, danach besingt sie einen weiteren Liebhaber mit „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ von Robert Stolz, um später in die weinselige Rolle des Prince Orlofsy zu schlüpfen. Mit komischer Attitüde und mitreißendem Vortrag singt sie „Gern lade ich mir Gäste ein“ aus dem zweiten Akt der „Fledermaus“ von Johann Strauß Vater.

Ebenso brillant und stimmgewandt tritt Horras vors Publikum. Eindringlich interpretiert der sonore Tenor die Romanze „Una Furtiva Lacrima“ aus Donizettis Oper „L’elisir d’amore“ (Liebestrank) und „Dein ist mein ganzes Herz“ aus der Operette „Das Land des Lächelns“ von Lehar. Bestens harmonieren beide Stimmen, was sie im Duett mit Kalmans „Machen wir’s den Schwalben nach“, der „Erkennungsmelodie der Bausparkassen“ (O-Ton Hans-Werner Strauß), und dem Trinklied „Brindisi“ aus Verdis Oper „La Traviata“ unter Beweis stellen.

Bei der Neujahrs-Gala des Stadtverbandes der kulturellen Vereine Saarlouis im Theater am Ring begeisterte auch Konzertmeister Helmar Imschweiler als Solist an der Geige. Foto: Ruppenthal

Traditionell setzt der „Radetzky-Marsch“ den Schlusspunkt unter ein Neujahrskonzert mit einem Orchester, auf das der Landkreis Saarlouis stolz sein kann. Besonders zu loben ist auch das Spiel von Maria Szarvas an der Harfe.

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