Saarlouiser Bühnchen probt "Letzter Wille"

Laientheater : Bitterböse Komödie im Karl-Thiel-Haus

Das Saarlouiser Bühnchen in Roden zeigt ab 20. September das Theaterstück „Letzter Wille“ von Fitzgerald Kusz.

Mit Anstand zu erben ist nicht jedermanns Sache. Zuweilen tun sich Abgründe auf, wenn die Gier größer ist, als die Moral. Und schief geht das garantiert, wenn die Tote mit dem Verhalten ihrer Hinterbliebenen auch noch spielt. „Letzter Wille“ heißt die bitterböse Komödie, die das „Saarlouiser Bühnchen“ ab 20. September im Karl-Thiel-Haus in Roden aufführt. Derzeit laufen dort die Proben, mit heftigem Familienzwist in der guten Wohnstube. „Die hat gelächelt, wie sie da gelegen hat“, berichten Verwandte bei der Testamentseröffnung. Doch für Olga, gespielt von Ilka Sauer, die Schwester der Toten, sieht die Sache ganz anders aus. „Gelächelt? Gegrinst hat sie über uns!“ Außerdem sei das Grab voller Wasser gewesen. „Der Sarg ist geschwommen. Das bedeutet doch was.“ Die einzelnen Szenen wirken schon bei den Proben wie dem richtigen Leben abgeschaut.

Aber gerade deshalb sei es auch ein schwieriges Stück, sagte Regisseur Peter Just. Er spielt den Hausmeister der Verstorbenen. Schwierig, „weil da nicht jemand seinen Text aufsagt, und dann ist der andere dran, sondern ständig redet jemand“. „Letzter Wille“ ist ein Theaterstück von Fitzgerald Kusz. Der deutsche Schriftsteller wurde bekannt durch das fränkische Mundartstück „Schweig, Bub!“. Auch „Letzter Wille“ glänzt durch verschiedene Dialekte, die der Aufführung einen besonderen Charakter verleihen. Und je nach Situation den Biss. Wenn es beispielsweise zur Testamentseröffnung nichts weiter gibt, als dünnen Kaffee und alte Weihnachtskekse. Oder wenn beim Ausräumen der Wohnung niemand zu kurz kommen will. Dann giften sich die Erben an. Nur Siggi (Klaudia Achenbach-Wege) hat  gute Laune. Das ist kein Wunder, sorgt sie doch ständig für einen Promillepegel. „Ich glaube“, verkündet sie stolz nach dem Fund einer Cognacflasche im Wäscheschrank, „ich habe für so etwas einen sechsten Sinn“. Aber gefunden werden nicht nur Alkohol und Geldscheine in einer Bibel. Da tauchen auch Testamente auf, die ratlos machen. Und wenn das Chaos groß genug ist, meldet sich schließlich noch die Verstorbene bei ihrer raffgierigen Verwandtschaft.

Den Vierakter „Letzter Wille“ führt das „Bühnchen“ im Karl-Thiel-Haus auf. Am Freitag und Samstag, 20. und 21. September, jeweils 19.30 Uhr, sowie Sonntag, 22. September, 17 Uhr. Außerdem Freitag und Samstag, 27. und 28. September, jeweils 19.30 Uhr. Eintritt elf Euro, für Kinder fünf Euro. Karten im Vorverkauf bei Kaufhaus Pieper.

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