„Ikea-Biotop“ bei Lisdorf Mit Bagger und Lkw – Stadt Saarlouis und Nabu wollen wertvolles Feuchtbiotop erhalten

Saarlouis · Das bekannte „Ikea-Biotop“ bei Saarlouis zählt zu einem der wichtigsten EU-Vogelschutzgebiete in der Region. Das artenreiche Gebiet droht jedoch zunehmend zu verschlammen und auszutrocknen. Zusammen mit dem Nabu will die Stadt Saarlouis dem jetzt entgegenwirken.

Naturschutz mit schwerem Gerät: Seit kurzen führen die Kreisstadt Saarlouis und der Nabu Maßnahmen zur Entschlammung der Biotopfläche „Im Hader“ durch. Das als „Ikea-Biotop“ bekannte Gebiet wurde vor 26 Jahren als Ausgleichsmaßnahme für die Ansiedlung des großen schwedischen Möbelhauses errichtet.

Naturschutz mit schwerem Gerät: Seit kurzen führen die Kreisstadt Saarlouis und der Nabu Maßnahmen zur Entschlammung der Biotopfläche „Im Hader“ durch. Das als „Ikea-Biotop“ bekannte Gebiet wurde vor 26 Jahren als Ausgleichsmaßnahme für die Ansiedlung des großen schwedischen Möbelhauses errichtet.

Foto: Sebastian Kiepsch

Es gilt als ein Refugium für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und wurde von der Europäischen Union sogar als Vogelschutzgebiet ausgewiesen: Das sogenannte „Ikea-Biotop“ südlich von Saarlouis-Lisdorf. Im sonst so beschaulichen Feuchtbiotop östlich des Gewerbegebiets „Im Hader“ rollen aktuell jedoch Bagger und Lkw. Denn die 1997 von der Kreisstadt geschaffene Ausgleichsfläche droht zu zunehmend zu verschlammen.

„Ikea-Biotop“ bei Saarlouis droht auszutrocknen

„Organisches Material mit Laub, Altschilf und anderen verrottenden Pflanzen hat sich über die Jahre vor allem in den flachen Gewässerabschnitten als Schlammschicht abgelagert und wurde nicht vollständig abgebaut“, schildert Sebastian Kiepsch, Leiter der im Biotop ansässigen Vogelberingungsstation des Naturschutzbundes (Nabu).

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Foto: dpa/Jacob King

Aber auch die Klimakrise habe demnach ihren Anteil an der jetzigen Entwicklung. Aufgrund der Trockenheit der letzten Jahre seien die Wasserflächen in den Sommermonaten mehrmals über längere Zeiträume ausgetrocknet und junge Gehölze hätten die ehemals offene Wasserfläche fast vollständig bedeckt – für Amphibien und wassergebundene Insekten wie Libellen und Wasserkäfer „fatal“, wie Kiepsch betont. Unter dieser Entwicklung hätten auch die ortsansässigen Brutvögel gelitten. „Insektenfresser wie der Teichrohrsänger zeigten seit 2019 große Bestandseinbrüche“, erklärt Kiepsch.

Gebiet soll schrittweise Entschlammt werden

Der jetzige kurzzeitige Eingriff sei daher eine notwendige Pflegemaßnahme zum Erhalt des Gebietes. „In der von Menschenhand angelegten Ausgleichsfläche führt auch an menschlicher Pflege kein Weg vorbei“, erklärt Kiepsch.

Gemeinsam mit der Kreisstadt Saarlouis als Flächeneigentümerin, dem Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz (Lua) und den beiden Gutachterbüros GFLplan und Milvus wurde daher bereits vor zwei Jahren mit der Planung begonnen, „wie man ohne eine Schädigung der ansässigen Tier- und Pflanzenarten eine möglichst wirksame Maßnahme durchführen kann“, teilt jetzt die Kreisstadt mit. Die nun gewählte Lösung sieht demnach eine schrittweise Entschlammung in Teilflächen vor, „um stets Rückzugsräume für die gewässergebundenen Arten ungestört zu erhalten“.

Die entnommenen Erdmassen sollen derweil im Gebiet wieder eingebaut und im östlichen Randbereich zur Saar als Erdwall aufgeschüttet werde. Auf diese Weise erhoffen sich die Verantwortlichen, das Biotop im Saartalarm auch vom viel genutzten angrenzenden Saar-Radweg weiter abzuschirmen. Nach der Entschlammung soll die Wasserfläche durch Anlegen von Vertiefungen, Inseln und einer Kiesbank zudem in der Struktur aufgewertet werden.

Bisher keine Auswirkungen auf rastende Vögel

Etwa 700 Kubikmeter Erdmassen sollen im „Ikea-Biotop“ in den kommenden Wochen nach Angaben der Kreisstadt Saarlouis jetzt bewegt werden. Die Arbeiten hierfür übernimmt demnach eine auf ökologischen Landschaftsbau spezialisierten Firma, die bereits in der Vergangenheit ähnliche Maßnahmen im Saarland durchgeführt hat. Der erste Abschnitt wird von der Stadt Saarlouis gezahlt.

Während der gesamten Durchführung der Arbeiten soll es zudem eine sogenannte ökologische Baubegleitung geben, um mögliche Schädigung an dem empfindlichen Ökosystem des „Ikea-Biotops“ zu verhindern. Eine negative Auswirkung der Maßnahmen auf die aktuell dort rastenden Zugvögel sei bislang nicht beobachtet worden, wie die Kreisstadt und der Nabu betonen. Im Gegenteil: „Die gerade entstehenden Flachwasserzonen und Schlammbänke wurden sofort von Blaukehlchen und Bekassinen genutzt“, sagt Sebastian Kiepsch.