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Verbraucherbeschwerde
Saarlouiser Stromzähler werden smart

 So sehen die intelligenten Messgeräte aus, die schon bald in Haushalten ab einem Stromverbrauch von 6000 Kilowattstunden pro Jahr vorgeschrieben sind.
So sehen die intelligenten Messgeräte aus, die schon bald in Haushalten ab einem Stromverbrauch von 6000 Kilowattstunden pro Jahr vorgeschrieben sind. FOTO: dpa / Maja Hitij
Saarlouis. Schon rund 1000 digitale Zähler in der Stadt eingebaut, neues Messsystem wird getestet. Von Nicole Bastong

Bei Rainer Blau in Picard und in rund 1500 Saarlouiser Haushalten, die Kunden der Stadtwerke Saarlouis sind, wurden neue Stromzähler eingebaut. Der Einbau sogenannter intelligenter Zähler erfolgt seit Januar 2017 regelmäßig in allen Kommunen. Doch in Saarlouis geht man noch einen Schritt weiter. Hier sollen die modernen Zähler auch an ein neues Messsystem (siehe Info) angeschlossen werden, das über Smart Meter-Gateway ständig online den Verbrauch im Haus ermittelt: Wer hat wann wieviel Strom verbraucht und mit welchem Gerät? Diese Daten können dem Versorger übermittelt werden – und schlimmstenfalls auch in falsche Hände geraten.


Weil Datensicherheit sehr ernst genommen wird, hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bisher noch kein Messsystem zugelassen. Doch die Stadtwerke Saarlouis sind nach eigener Auskunft bundesweit die ersten, die bald dieses neue Messsystem nutzen könnten; denn ihr System könnte bald die Zulassung erhalten. Hersteller ist ihre Tochterfirma Hausheld in Mönchengladbach.

Doch Kunde Rainer Blau will kein Messsystem, er hat dagegen Widerspruch eingelegt. Denn seiner Ansicht nach verstößt der Einbau der intelligenten Messsysteme in mindestens drei Punkten gegen das Messstellenbetriebsgesetz: So müsse der Einbau mindestens drei Monate vorher mitgeteilt werden; der Einbau ist laut Gesetz erst dann möglich, wenn mindestens drei voneinander unabhängige Unternehmen intelligente Messsysteme am Markt anbieten, die vom BSI zertifiziert wurden, was bisher nicht der Fall ist; und der Einbau der neuen Systeme sei bei „Normalverbrauchern“ wie ihm erst ab 2020 vorgeschrieben.



Blau befürchtet, dass durch die neuen Messgeräte letztendlich deutlich höhere Kosten auf die Kunden zukommen, „und das bei Kleinverbrauchern ohne jeglichen Mehrwert für den Kunden“. Geärgert hat er, selbst Diplom-Informatiker, sich auch, weil er von den Stadtwerken wissen wollte, welche Technologie bei der Internetanbindung verwendet wird. Er erhielt jedoch keine Auskunft von der technischen Abteilung, sondern wurde an die Rechtsabteilung verwiesen, schildert er.

Zunächst wird das Gerät nur bei Kunden getestet, die sich dazu bereit erklärt haben, betonen die Stadtwerke Saarlouis auf Anfrage. Der Plan ist aber, möglichst alle Kunden der Stadtwerke mit dem intelligenten Messsystem zu versorgen. Bisher sei bei 1500 Kunden nur ein einziger Widerspruch eingegangen, betonen die Stadtwerke.

Die Testphase habe bisher „technisch hervorragend funktioniert“, betont Bouke Stoffelsma, Sprecher des Vorstands der Hausheld AG, die den Einbau leitet. Über 100 Kunden in Saarlouis haben aktiv einen Testbetrieb des Smart Meter-Gateways erlaubt, berichtet er. Nun warte man nur noch darauf, dass das das BSI die Zulassung erteilt, Stoffelsma rechnet damit fest in den kommenden Wochen.

Er bezeichnet die neue Technologie als „Geheimwaffe“, bahnbrechend: „Aus ganz Deutschland reisen kleine und große Versorger nach Saarlouis, um sich die Umsetzung anzuschauen. Es gibt meines Wissens aktuell auch kein Stadtwerk, das technologisch weiter ist“, schildert er.

„Auf Wunsch messen die Zähler für Sie, wie viel Strom Ihr Haushalt ständig verbraucht“, beschreiben die Stadtwerke in einer Broschüre mit dem Titel „Energiewende in Saarlouis“: „Stromfresser lassen sich leichter aufspüren und gezielt ausschalten.“ Gemeinsam solle so der Stromverbrauch gesenkt werden. Der Kunde entscheide selbst über seine Daten, heißt es weiter, diese werden „mit modernster Technik verschlüsselt.“ Die Datensicherheit werde von den Stadtwerken und unabhängig durch das BSI überwacht. „Das Besondere an den intelligenten Messsystemen ist, dass man erfasste Messdaten nicht nur besonders gut schützt, sondern dass das Smart-Meter-Gateway auch so wenig Messdaten wie möglich überhaupt erfasst. Das klingt paradox, ist aber genau der Datenschutz-Filter, der bisher allen anderen Systemen gefehlt hat“, beschreibt Stoffelsma. Das BSI habe hohe Auflagen, das System sei „sicherer als Online-Banking“.

Für den Kunden habe das intelligente Messen durchaus Vorteile: „Das Zählerablesen entfällt, auch bei einem Umzug“, sagt er, „zudem ist jederzeit eine Verbrauchsprognose möglich.“ Für die Kunden entstünden keine Mehrkosten gegenüber dem alten Zähler; der Einbau ist kostenlos. Mit den neuen Stromzählern kommen höhere Kosten auf die Kunden zu, für die es aber gesetzliche Obergrenzen gibt, informierte hingegen die Verbraucherzentrale im November. Und: Ein Widerspruch gegen den Einbau sei indes nicht möglich, allenfalls ein Wechsel des Versorgers.