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Saarlouis: Interview mit Irina Titova

Interview : „Mit Sand brauche ich nur eine Minute“

Die russische Künstlerin Irina Titova zeigt ihre Show „In 80 Bildern um die Welt“ im Theater am Ring Saarlouis.

Frau Titova, binnen weniger Minuten kreieren Sie Bilder aus Sand. Wann haben Sie damit angefangen, und woher kam die Idee dazu?

Irina Titova: Ich habe damit vor elf Jahren angefangen, als ich als Kunsttherapeutin mit autistischen und tauben Kindern arbeitete. Ein Teil dieser Therapie besteht darin, mit Sand zu arbeiten und zu spielen. So begann meine Arbeit mit Sand. Im Zuge meines Kunststudiums an der Universität begeisterte ich mich für Grafikdesign und Cartoons und bemerkte dabei, dass Sand und Grafik eine perfekte Kombination darstellen.

Man sagt, aller Anfang ist schwer. Wie sah Ihrer aus?

Titova: Eine interessante Frage! Als ich damit anfing, hatten nur wenige Menschen Vergleichbares gemacht. Ich war eine von vielleicht fünf Leuten auf der Welt, die mit Sand malen. Weil keiner wusste, wie es geht, hatte ich die Chance, meine eigenen Experimente damit zu fertigen. Es war für mich ein Spiel, vor dem ich mich nicht fürchtete, zu experimentieren. Ich lernte neue Bewegungen, welchen Sand und Tisch ich brauche und wie ich die Live-Auftritte gestalte.

Warum haben Sie sich für Sand als Material entschieden? Warum nicht etwas anderes?

Titova: Mir gefällt das Gefühl, wie sich Sand in der Hand anfühlt. Es ist ein Material, mit dem man zudem sehr schnell Schattierungen kreieren kann. Wenn ich mit einem Pinsel ein Gesicht male, brauche ich dafür eine Stunde. Mit Sand brauche ich nur eine Minute. Außerdem kann ich mit Sand auch Cartoons malen. Normalerweise bräuchte man für einen Cartoon zwei Monate. Mit Sand kann ich in fünf Minuten die Geschichte erzählen.

Welchen Sand benutzen Sie?

Titova: Mein Lieblingssand ist eine Mischung aus Flussufersand und vulkanischem Sand. Vor der Show muss ich den Sand waschen und vorbereiten.

Woher stammt Ihr Interesse für Kunst?

Titova: Mein Vater ist selbst Künstler und hat mir beigebracht zu zeichnen. Da er farbenblind ist, konnte er mir nicht beibringen, mit Farben zu malen, sondern in schwarz und weiß. Auch waren die meisten Stunden bei ihm grafisch. Ich erinnere mich, dass ich in meiner Kindheit nur am Malen war, zum Beispiel auch an den Wänden zuhause. Auch oder gerade weil ich ungern redete. Für mich war das Zeichnen mit meinen Händen meine Sprache, um zu kommunizieren.

Worauf achten Sie beim Malen mit Sand?

Titova: Ich achte auf die Verwandlung von einem Bild in das andere und wie ich mit dem Bild die Aufmerksamkeit der Zuschauer erhalte und sie berühre.

Sie touren aktuell durch Deutschland mit der Show „In 80 Bildern um die Welt“, frei nach Jules Verne. Warum mit dieser Geschichte und was können die Zuschauer erwarten?

Titova: Erstens, weil das Buch von Jules Verne mein Lieblingsbuch als Kind war. Zweitens, weil man so viele Bilder malen kann, denn ich bin abhängig von der Visualität. Drittens, weil sich jeder mit den Charakteren identifizieren kann. Unser Ziel ist es, innerhalb von zwei Stunden das Gefühl zu geben, dass Sie das Buch lesen und Ihnen Platz für Ihre Fantasie zu lassen. Während ich male, wird Musik gespielt und der Synchronsprecher Joachim Kerzel erzählt die Geschichte. Sie können etwas erwarten, das sie noch nicht gesehen haben.

Wie reagieren die Zuschauer auf Ihre Show?

Titova: In den ersten zehn Minuten versuchen die Besucher herauszufinden, wie das Prinzip funktioniert. Danach können sie der Geschichte folgen. Ein Vater besuchte mit seinem 17-jährigen Sohn die Show und danach beschloss der Junge, nach seinem Abschluss selbst zu reisen. Die Geschichte dreht sich um die Welt und um die Erkundung des eigenen Ichs. Für mich ist es Magie, wenn ich Dinge in meinem Kopf kreiere und die Zuschauer verstehen am Ende, was ich ihnen sagen möchte. Das sind die glücklichsten Momente in meinem Leben.

Die russische Künstlerin Irina Titova präsentiert ihre Show „In 80 Bildern um die Welt“ am Mittwoch, 29. Januar, 20 Uhr, im Theater am Ring in Saarlouis.

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