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Stadtplanung
Saarlouis ebnet Wege für Jahrzehnte

Norbert Zech erläutert das Programm „Soziale Stadt“ für Fraulautern vor fast 80 Zuhörern. 25 Bürger bilden nun die „Quartierskonferenz“.
Norbert Zech erläutert das Programm „Soziale Stadt“ für Fraulautern vor fast 80 Zuhörern. 25 Bürger bilden nun die „Quartierskonferenz“. FOTO: Thomas Seeber /
Saarlouis. Saarlouis stellt Weichen für die Zukunft – vor allem im Westteil mit einem neuen Flächennutzungsplan. Im Ostteil mehr mit dem Langzeit-Projekt „Soziale Stadt“. Von Johannes Werres

In der Kreisstadt Saarlouis werden derzeit die Weichen für die Zukunft gestellt. Dabei gibt es ein Ost-West-Gefälle. Für die westlichen Stadtteile, also die links der Saar, wird vor allem der künftige Flächennutzungsplan (FNP) Saarlouis die Entwicklung bestimmen. Denn nur in diesen Stadtteilen – etwa Lisdorf und Neuforweiler – gibt es größere unbebaute Flächen, über deren Nutzung die Stadt im FNP  gerade entscheidet.


Der Entwurf, den die Stadtverwaltung für den FNP vorgelegt hat, befindet sich in der politischen Beratung der Fraktionen. Dickste Brocken darin: eine drastische Verringerung der Flächen für neue Wohnbauten von 123 auf maximal 24 Hektar. Das schreibe das Land so vor, sagt der Leiter der Stadtplanung in Saarlouis, Jürgen Baus, im SZ-Interview. Zweiter Brocken: Die Stadtverwaltung will das Industriegebiet Lisdorfer Berg nicht vergrößern. Das sehen die übergeordnete Landesplanung sowie SPD und CDU tendenziell anders. Die Grünen, machte Fraktionsmitglied Hubert Ulrich in der jüngsten Ausschuss-Sitzung klar, sind eher skeptisch. Fraktionsübergreifend ist man sich aber einig: Jetzt soll erst einmal ein Klimagutachten zur Kaltluftentstehung erstellt werden. Das beschloss der Ausschuss für Stadtplanung. Ein solches Gutachten hatte es auch schon für den bisherigen Ausbau des Lisdorfer Berges gegeben.

In den östlichen Stadtteilen Roden, Fraulautern und Steinrausch beschreibt der FNP-Entwurf praktisch nur den Ist-Zustand. In Roden und Fraulautern werden dafür die Programme des Projektes „Soziale Stadt“ die Zukunft der Ortskerne bestimmen. Das Programm kommt vom Bund. Es soll Orte mit deutlichem Entwicklungsbedarf aufwerten. Es ist auf bis zu 15 Jahre ausgelegt. Vorschläge zu Maßnahmen, zu zwei Dritteln von Bund und Land finanziert, sind in so genannten Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepten (ISEK) aufgelistet.

Diese 44 Vorschläge allein für Fraulautern stammen zu großen Teilen von örtlichen Akteuren und Bürgern. Bürgerbeteiligung ist für die „Soziale Stadt“ Bedingung. In Fraulautern zeigte sich daran am Sonntag großes Interesse. Für eine so genannte Quartierskonferenz waren 20 Sitze zu vergeben, wegen des großen Interesses wählte die Bürgerversammlung aber 25. Das Treffen dazu war mit fast 80 Besuchern das bisher größte im Rahmen von „Soziale Stadt“ in Saarlouis.

Sprecher des Gremiums „Quartierskonferenz“ ist nun Norbert Zech, Vorsitzender der Fraulauterner Ortsinteressengemeinschaft (FOG). In das Gremium, das „Soziale Stadt“ begleitet, ließen sich – wie schon in Roden – auffällig viele jüngere Leute wählen.



Josef Feiler fasste das 190-Seiten-Papier ISEK Fraulautern zusammen. Das Interesse konzentrierte sich auf die Frage, was mit der Eisenbahnbrücke geschieht, die derzeit den Ort durchschneidet (wie berichteten). Feiler sagte, die Brücke werde in etwa zwei Jahren wegen Schäden auf jeden Fall abgerissen. Das verlange die Deutsche Bahn. Bislang plane der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) nur einen Ersatz, allerdings um 60 Zentimeter erhöht.

Bleibe es dabei, bleibe es auch bei der Kreuzung auf der Brücke, die zwei Bundesstraßen zusammenführt – und damit bei der jetzigen Verkehrsbelastung „für die nächsten 50, 70 Jahre“. Ein neuer Messpunkt an dieser Kreuzung soll ermitteln, wie hoch die Feinstaubbelastung dort wirklich ist. Diesem Wunsch schloss sich auch die Bürgerversammlung am Sonntag an. Aufgrund dieses Votum brachte am gestrigen Mittwochabend Jürgen Paschek (CDU) den Antrag ein, die Stadt solle beim Land einen mobilen Messpunkt für diese Stelle beantragen. Der Rat stimmte einstimmig zu.

Bürger wollten zudem wissen, wie sie vom Unter- ins Oberdorf kämen, wenn die Brücke weg sei. Die Schienen blieben ja. Feiler nannte eine kleine Brücke denkbar – oder eine Unterführung nur für Pkw und Fußgänger. Die Kreuzung selbst, die den Durchgangsverkehr – „etwa 50 Prozent des Gesamtverkehrs in Fraulautern“ – aus dem Ort halten soll, könnte etwa dort entstehen, wo der (noch lange nicht fertige) Ostring auf die B 51 stößt.

Noch bis Mitte April können Bürger Anmerkungen und Vorschläge zum ISEK-Papier für Fraulautern und Roden machen. Das Papier wird verbindliche Grundlage der innerörtlichen Planung auf etwa 15 Jahre.

Der Entwurf der ISEK Fraulautern und Roden liegt bis zum 16. April im Rathaus beim Amt für Stadtplanung- und Denkmalpflege, im Flur des 2. Obergeschosses vor Zimmer 2.38 aus. Eine Terminabsprache unter Tel. (0 68 31) 443 354 (Beate Geiger) oder (0 68 31) 443 437 (Michael Leinenbach) ist zweckmäßig.

Der Abriss der Notkirche und des Kolpingheims im früheren Fraulauterner Pfarrgarten läuft diese Woche. Hier baut der Schwesternverband eine größere Einrichtung. Auf der Fläche könnte zudem ein Ortsmittelpunkt entstehen: eine Idee des ISEK Fraulautern.
Der Abriss der Notkirche und des Kolpingheims im früheren Fraulauterner Pfarrgarten läuft diese Woche. Hier baut der Schwesternverband eine größere Einrichtung. Auf der Fläche könnte zudem ein Ortsmittelpunkt entstehen: eine Idee des ISEK Fraulautern. FOTO: Thomas Seeber /