Rückblick auf das Sportjahr 2018 in der Region

Das Sportjahr im Kreis Saarlouis : Von bitteren Abstiegen und tollen Höhenflügen

Rückblick auf das Sportjahr 2018 im Kreis Saarlouis: Es gab manche Tiefschläge, aber auch richtig viel zu feiern.

Rampenlicht, Meistertitel, Jubel-Arien – das gute Gefühl, alles gegeben und gewonnen zu haben. Wir geben es ja zu: Das ist das, was wir am Sport am meisten lieben. Doch Sport ist nicht immer einfach, nicht immer schön, nicht immer Erfolg. Davon kann der FC Bayern ein Lied singen. Oder Sebastian Vettel. Oder der Landessportverband. Aber auch viele Sportler bei uns – irgendwie scheint das Sportjahr 2018 nicht das allerbeste gewesen zu sein.

Am 29. April etwa gehen im Saarlouiser Handball die Zweitliga-Lichter aus. Was sich während der Saison schon lange angedeutet hat, steht nach der Niederlage gegen Dessau fest: Die HG Saarlouis steigt ab. Aus und vorbei. Es ist ein trauriger Sonntagabend. „Wir blicken auf neun Jahre zurück, in denen wir sehr vieles bewegt und viele Menschen begeistert haben“, sagt Manager Richard Jungmann betroffen. Neun Jahre voller Spannung und spektakulärer Momente. Voller Emotionen. Das Ende ist bitter. Das letzte Heimspiel gegen Wilhelmshaven geht trostlos mit 23:35 verloren. Es ist ein Abschied, der Trainer Philipp Kessler die Zornesröte ins Gesicht treibt: „Wir haben viele Spieler, die zu keiner Zeit Leistungssport betrieben haben“, schimpft er. Die Mannschaft bricht auseinander. Immerhin: Jerome Müller (Ludwigshafen) und Eigengewächs Lars Weissgerber (Wetzlar) spielen mittlerweile 1. Liga. Kessler unternimmt derweil in der 3. Liga den schweren Neuanfang.

Kein einfaches Jahr haben auch die Basketballerinnen der Saarlouis Royals. Im Frühjahr verpasst das Team nach einer verkorksten Saison die Playoffs – erstmals seit der Bundesliga-Rückkehr 2013. Danach gehen Topspielerinnen wie Sabine Niedola und Levke Brodersen – und auch Trainer Marc Hahnemann. Der Abgang von Jamailah Adams überrascht alle, sogar die Clubführung. Adams verkündet ihren Schritt per Mikrofon beim letzten Heimspiel – ohne Wissen des Vereins. Die Verantwortlichen sind geschockt. „Vor vier Tagen haben wir noch mit ihr gesprochen, da hat sie nichts gesagt“, stammelt Manager Sascha Schmidt.

 Auch hinter den Kulissen rumort es: Das Geld ist knapp, Manager Schmidt hört erst auf – und macht dann doch weiter. Ab November gibt es einen neuen Vorstand und neue Geldgeber, die es richten sollen. Es wartet viel Arbeit, derzeit ist das Team Tabellenletzter. Unter anderem, weil den Royals der Sieg gegen Göttingen aberkannt wurde. Für die lange verletzte Nationalspielerin Nadjeschda Ilmberger lag beim Comeback keine Spielberechtigung vor. Au Backe!

Auch andere Vereine tun sich schwer. Etwa die Fußballer des VfB Dillingen. Das Jahr beginnt noch traumhaft. Im März steht der VfB auf Tabellenplatz sieben der Saarlandliga, dann startet die Mannschaft von Daniel Kiefer eine unfassbare Erfolgsserie, die sie auf Platz zwei und zum Aufstieg trägt. Erstmals seit 1994 spielt der VfB wieder Oberliga. Doch dort hängen die Trauben hoch. Zur Winterpause ist die Mannschaft Letzter. Auch der Stadt- und Ligarivale FV Diefflen hat ein starkes erstes Halbjahr, das er mit Platz fünf krönt. Doch die neue Saison gestaltet sich schwierig: Als 15. steckt die Mannschaft mitten im Abstiegskampf.

Eine Klasse drunter, in der Saarlandliga, stehen die Teams aus dem Kreis ebenfalls ganz unten. Der FV Schwalbach ist Letzter, die SF Rehlingen-Fremersdorf, die nach dem Aufstieg erstmals in der Vereinsgeschichte in dieser Liga spielen, tun sich als Vorletzter auch schwer. Die SG Lebach-Landsweiler sucht man sogar ganz vergeblich. Sie steigt im Sommer ab. Immerhin: In der Verbandsliga schafft der FVL die Trendwende – und steht derzeit auf Platz eins. Mitabsteiger FSG Bous bekommt diese Wende nicht hin – und steckt auch in der Verbandsliga im Abstiegsstrudel.

Viel Spaß macht uns dagegen, zumindest im ersten Halbjahr, der SV Fraulautern, der ungeschlagen Bezirksliga-Meister wird und in die Landesliga aufsteigt. Ihm folgt später der SSC Schaffhausen. Der macht es besonders kurios, denn für Trainer Christopher Daub geht es direkt vom Traualtar in den 7. Himmel. Samstags feiert er seine Hochzeit, sonntags den Sieg vor 450 Fans im Relegationsspiel.

Relegation? So lange spannt der FC Elm seine Fans nicht auf die Folter. Mit dem 2:0 gegen Friedrichweiler II feiert das Team Ende April den sage und schreibe 21. Sieg in der Kreisliga A Saar in Folge und ist damit der ersten Titelgewinner im Kreis überhaupt. Der SC Reisbach II folgt später als Meister der Kreisliga A Prims.

Von derartigen Erfolgen können die SG Saarlouis-Beaumarais und die SSV Überherrn derzeit nur träumen. Saarlouis steigt im Sommer aus der Verbandsliga ab und steht jetzt auch eine Klasse tiefer wieder auf einem Abstiegsplatz. Verbandsligist Überherrn, der sich im Sommer noch gerade so vor dem Abstieg rettet, überwintert derzeit als abgeschlagener Letzter. Noch schlimmer erwischt es jedoch Landesligist SV Wallerfangen: 30 Niederlagen am Stück, 0 Punkte und ein Torverhältnis von 23:219. Eine bittere Saison, die in der 0:24-Pleite gegen Hülz­weiler gipfelt. Dennoch nötigt uns Wallerfangen viel Respekt ab: Die Mannschaft stellt sich der Situation und verhält sich vorbildlich – auch wenn es nicht leicht fällt. Der Lohn: In der Bezirksliga fängt sich das Team und steht derzeit auf einem guten Mittelfeldplatz.

Sich nicht unterkriegen lassen, kämpfen, Rückschläge wegstecken – und zurückkommen. Das ist das, was wir vom Sport lernen können. Das zeigen auch die Basketballer der Saarlouis Sunkings, die nach schweren Jahren nun wieder an der Spitze der Regionalliga mitspielen. Und das zeigt Tobias Blum. Der Langstreckenläufer des LC Rehlingen erkrankt im März an Pfeifferschem Drüsenfieber – und gewinnt im Oktober dennoch den Köln-Marathon. Bei seinem ersten Start über diese Distanz überhaupt. Umso mehr peilt er nun sein Ziel Olympia 2020 an.

Was sonst noch so in Erinnerung blieb von 2018? Beim Pfingstsportfest in Rehlingen bricht Speerwerfer Andreas Hofmann den 20 Jahre alten Stadionrekord von Bundestrainer Boris Obergföll. 91,44 Meter sind eine Hausnummer. Während bei den Handball-Männern nur wenig zusammenläuft, werden die Damen der HG Saarlouis Saarlandliga-Meister. Die Volleyballerinnen der VSG Saarlouis werden gar Oberliga-Meister und kehren nach sechs Jahren in die Regionalliga zurück. Und die „Schmetterlinge“ des TV Lebach sorgen in der 3. Liga weiter für Furore. Mehrfach lassen sie Tabellenführer straucheln, vor der Rekordkulisse von 600 Zuschauern siegen sie im Derby gegen den Erzrivalen TV Holz.

Überhaupt ist 2018 Frauen-Power angesagt: Vom LC Rehlingen macht unter anderem Sophie Gimmler von sich reden – als deutsche U23-Meisterin im Hammerwurf. Die Wadgasserin Sarah Müller (13) wird Saarlandmeisterin in der Halle und im Freien – bei den Erwachsenen. Im November holt sie sich zudem den deutschen U18-Titel. Lenya Sauer aus Schwalbach (14) wird im September als erste Saarländerin überhaupt deutsche Meisterin im olympischen Taekwondo. Die in Hüttersdorf wohnende Keglerin Johanna Theiß vom KSC Dilsburg gewinnt bei der U 24-WM sogar gleich drei Goldmedaillen. Und auch Lara Hinsberger (15) vom TV Lebach blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück: Erst schnappt sie sich bei der deutschen Jugendmeisterschaft den Titel im Sprung. Dann wechselt sie nach Stuttgart – weil im Saarland (auch wegen des LSVS-Skandals) die Trainingsmöglichkeiten fehlen. Anfang Dezember wird sie schließlich mit dem MTV Stuttgart deutsche Mannschaftsmeisterin. Top.

Auch andere sorgen überregional für Furore: Die Basketballer des Max-Planck-Gymnasiums schaffen mit Platz sechs beim Bundesfinale von „Jugend trainiert“ das beste Ergebnis eines saarländischen Teams seit 20 Jahren. Tischfußballer Maurice Klass aus Limbach gelingt der Sprung ins Junioren-Nationalteam. Und fast schon Tradition hat, dass die Jazz- und Moderndance-Formationen aus Saarlouis nahezu alles abräumen. Doch auch im Latein-Bereich tanzen in diesem Jahr zwei Saarlouiser ganz vorne mit: Rolf und Iris Pernat werden bei der WM der Senioren in Bilbao Vierte – als beste Nicht-Spanier. Was für ein Erfolg. Der uns am Ende zur Erkenntnis bringt: War ja irgendwo doch gar nicht so schlecht, das Jahr 2018. Was uns 2019 so alles bringen wird? Warten wir’s ab. Auf ein gutes Neues.

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