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Roland Henz: Roland Henz ist gestorben

Roland Henz : Roland Henz ist gestorben

Der Saarlouiser Oberbürgermeister Roland Henz ist am Mittwochabend kurz vor dem Ende seiner Amtszeit gestorben. Saarlouis trauert um einen beliebten Politiker.

„Unn?“ Oft gehört von Roland Henz, stolz, wenn ihm wieder was gelungen war für sein Saarlouis und er mit seinem Gesprächspartner auf das Geschehen blickte. Es war „sein“ Saarlouis, das gestern beginnen musste, von ihm Abschied zu nehmen. Der Saarlouiser Oberbürgermeister Roland Henz (SPD) ist am Mittwochabend kurz vor seinem 68. Geburtstag gestorben. Henz litt seit eineinhalb Jahren an einer Krebserkrankung, deren Folgen ihn mehr und mehr schwächten. Sein zum 1. Januar 2018 gewählter Nachfolger und enger Freund Peter Demmer (SPD): „Wo immer man hin kam, er war nicht der Oberbürgermeister, er war der Roland.“ Demmer weiter: „Als Oberbürgermeister hat Roland Henz sein Saarlouis geprägt wie kein anderer. Saarlouis war sein Leben.“

Das war so, und das spürten die Menschen. Ob ehrenamtliche Bürger oder hochkarätige Investoren. Kaum einer konnte sich seinem verschmitzten Witz entziehen, mit dem er aus dem Stegreif bravouröse Reden hielt. Nicht umsonst wurde er 2012 mit traumhaften 63,6 Prozent im Amt bestätigt.

Im Januar 2017, gezeichnet von längst nicht verheilten OP-Folgen, hielt Henz wie gewohnt die Rede zum Neujahrsempfang der Stadt.

Diese Empfänge spiegeln das Bild von Saarlouis, das Henz im Amt bewegte: hunderte Gäste, engagierte Bürger, Saarlouiser Repräsentanten aus Wirtschaft und Gesellschaft, viele mit landes- und bundesweiter Bedeutung. Mit diesen Akteuren an großen Netzen für die Stadt zu knüpfen, das war sein Weg.

Der Neujahrsempfang war der erste, der im sanierten Theater am Ring stattfand. Am Theatergebäude hing Henz sehr. Es war einmal Teil seines Kernprojektes „Kulturmeile“ mitten in der Altstadt. Die „Meile“ umfasst neben dem Theater auch städtisches Museum, Haus Ludwig und Archiv. Der Prozess ist noch im vollen Gange. Kürzlich wurden die neuen Räume als Ersatz für das Haus Ludwig eingeweiht.

Kulturmeile, überhaupt Kultur: Henz malte selbst, hatte Sinn für Künstler. Zäh rang er dafür, das Landesinstitut für aktuelle Kunst in Saarlouis (finanziell) zu erhalten, es um ein Archiv für Nachlässe regionaler Künstler zu erweitern. Das gelang, es war selbst ein Kunststück.

Das Theater am Ring: Henz lernte bei irgendeiner Gelegenheit den luxemburgischen Star-Architekten François Valentiny kennen. Er zeigte ihm Saarlouis, und Valentiny entwarf zuerst ein Wohngebiet (was aber nicht ganz gemäß den Plänen realsiert wurde) und dann eben den Umbau des Theaters. Riesendiskussionen in der Bevölkerung, im Rat, der Entwurf gefiel nicht allen – am Ende aber stand es saniert da.

Die Amtsgeschäfte ließ Roland Henz schon seit Juni ganz ruhen. Sein letzter öffentlicher Akt war die Emmes 2017: das große Musikfest, der Familienaktionstag. Die Großveranstaltungen liebte er sehr wohl, sie machten ihm Spaß. Allerletzter öffentlicher Akt: die Eröffnung des experimentellen Tanztheaters im Festungsgraben des Ravelin V zur Emmes, Titel „Rêve Ravelin“, also etwa: der Ravelin-Traum.

Henz erkannte, durchaus wie sein Vorgänger Hans-Joachim Fontaine (CDU) das Potenzial der deutsch-französischen Stadtgeschichte und ihrer Festungsreste. Also wurde das historische Erbe, wie es heute heißt, in Wert gesetzt. Das ging durchaus zweischneidig vor sich: Die Stadt band Millionen Euro von Bund und EU, um die Festungsecke Ravelin V neu zu gestalten. Und Henz kämpfte, auch als es aussichtslos schien, dafür, Saarlouis an das Weltkulturerbe des Festungsbauers Sebastien Le Prestre de Vauban anzuhängen.

In derselben Zeit aber gingen auch Zeugnisse für das Funktionieren dieser Festung unwiederbringlch verloren, weil Henz Platz schaffen wollte für Investoren, die vor allem Wohnimmobilien bauten. Wohngebäude, die vor allem wohlhabende Ältere kauften, um in Saarlouis zu leben.

Das besser sichtbare, attraktive historische Profil der Stadt nahmen wiederum Touristen mehr wahr, ablesbar an der wachsenden Zahl von Bussen und Stadtführungen.

Henz wollte Saarlouis auf großen Bühnen den Stellenwert geben, der sich nicht aus der eher kleinen Einwohnerzahl ergibt, sondern aus dem Standort für Wirtschaft, Bildung und Bundeswehr, ebenso aus dem Alleinstellungsmerkmal der Gründungsgeschichte samt Stadtgrundriss und Überschwemmungsfestung.

Henz erkannte zum Beispiel die Chancen, Teil des internationalen Netzwerks von Festungsstädten zu werden. Im Verbund ist man stärker, der eine profitiert vom anderen. Dafür war Henz, selten kann man das so klar sagen, wie geschaffen.

Freilich agierte er ja nicht allein. Er betrieb eine Vernetzung ehrenamtlich tätiger Bürger und Vereine, um den Bürgersinn in Saarlouis zu stärken. Er baute auf die Stadtverwaltung, vor allem auf die Beigeordneten, egal von welcher Partei. Er ließ aber auch kaum eine Gelegenheit aus, auf die Verdienste der Rathausleute hinzuweisen, gerne auch gegenüber den Medien.

Letztlich ist ein OB einer, der laufende Aufgaben der Stadtverwaltung sicherstellt und mit dieser Verwaltung umsetzt, was die Stadtratsmehrheit beschließt.

Seiner SPD konnte Henz sicher sein. Was oft nicht viel nutzte. Denn stärkste Kraft von 1999 bis 2014 wurde stets die CDU, die in wechselnden Kooperationen regierte. Auch seit 2014, als die SPD wieder größte Fraktion wurde: dennoch halten CDU und Grüne in fester Verbindung die Fäden in der Hand, obwohl sie auch gemeinsam nicht mehr die Mehrheit stellen.

Schwarz-Grün stärkte das Bewusstsein für die Rollenverteilung von Rat und Oberbürgermeister. Da krachte es schon gelegentlich, seit Henz 2005 zum Nachfolger von Hans-Joachim Fontaine (CDU) gewählt worden war.

Henz war aus Altersgründen nicht erneut zu den Wahlen als OB angetreten. Sein Nachfolger Peter Demmer (SPD) tritt sein Amt am 1. Januar an. Am 29. Dezember hätte Roland Henz das Amt an Peter Demmer übergeben wollen. Der Termin war ihm extrem wichtig. Noch vor zwei Wochen erschien er in seinem Amtszimmer im Rathaus, es war das letzte Mal. Thema: Details zur Gestaltung der Amtsübergabe. Henz soll, sagen Beobachter, da noch optimistisch gewesen sein.

Henz stammte aus Nalbach, hatte Offsetdrucker gelernt, war bei Saarstahl, engagiert in Betriebsrat und Gewerkschaft, gehörte von 1995 bis 2005 dem Landtag an. Er hinterlässt seine Ehefrau und einen Sohn.

Ab Montag wird ein Kondolenzbuch im Gobelinsaal des Rathauses ausgelegt. Das Sterbeamt ist am Freitag, 10. November, um 14 Uhr in der Pfarrkirche St. Ludwig.