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Hindernisse im Straßenverkehr: „Roden ist für Behinderte eine Katastrophe“

Hindernisse im Straßenverkehr : „Roden ist für Behinderte eine Katastrophe“

Behindertengerecht ausgebaute Wege sollten heute eine Selbstverständlichkeit sein. In Roden scheint hier allerdings Nachholbedarf zu herrschen.

Roden ist alles andere als barrierefrei.“ Rosa-Maria Kiefer-Paulus (63) übt massive Kritik. Nach einem Knöchelbruch musste sie nach ihrem Krankenhausaufenthalt lange Wochen zunächst einen Rollstuhl, danach einen Rollator in Anspruch nehmen. Und bei ihren Ausflügen durch den Saarlouiser Stadtteil erlebte sie dann eine „böse Überraschung“ nach der anderen, berichtet die Rodenerin.

Noch drastischer schildert Winfried Hoffmann, Seniorensicherheitsberater im Kreis Saarlouis und Behindertenbeauftragter in Dillingen, die Situation vor Ort: „Roden ist für Behinderte eine Katastrophe.“ Bei einem Rundgang zusammen mit Patrick Rhein, als Bürgerkraft von „Rodena“ unterstützend bei Rosa-Maria Kiefer-Paulus aktiv, zeigten sich zahlreiche gravierende Mängel.

Auch der neue Saarlouiser Behindertenbeauftragte Frank Michler, ebenfalls mit von der Partie, übt Kritik: Viele der ohnehin zu schmalen Gehwege sind durch parkende Fahrzeuge nicht mehr passierbar. Zudem sind kaum Bürgersteige abgesenkt. Und darüber hinaus machten auch etliche bauliche Mängel den Behinderten das Leben noch schwerer, meinen die fachkundigen Beobachter.

„Es ist in der Tat erschreckend, wie wenig behindertengerecht Roden und Saarlouis sind,“ stellt Kiefer-Paulus fest, die gerne zugibt, dass sie sich vor ihrer Zeit als „Teilzeit-Behinderter“ kaum Gedanken über diese Probleme gemacht hat. Sie ist sich auch bewusst, dass die wenigsten Bürger nicht aus Rücksichtslosigkeit für nicht passierbare Engpässe und unüberwindbare Hindernisse sorgen; aber auch Unachtsamkeit und Unwissenheit ändern letztendlich nichts am Problem.

Da sie nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus ihren gebrochenen Fuß zunächst nicht belasten durfte, konnte sie aufgrund der Treppen noch nicht einmal ihre eigene Wohnung erreichen. So war sie gezwungen, sich in einer Seniorenresidenz einzumieten, um betreut und unterstützt zu werden.

Schief abfallende Gehwege, Kopfsteinpflaster, Verbundsteine, lockere und wackelnde Steinplatten, zu hohe Bordsteine, kaum vorhandene Behindertentoiletten – die Zahl der Kritikpunkte ist lang. Der Weg per Rollstuhl oder Rollator durch die Margareten-, die Linden- und die Schulstraße ist kaum zu packen, meinen die Betroffenen. Parkende Fahrzeuge - nicht selten sogar auf regulär vorgegebenen Parkflächen – machen vielerorts ein Durchkommen für Gehbehinderte unmöglich. Dazu kommen verschiedene Baustellen, Schilder, Lampenmasten, Mauern, Mülltonnen und Container.

 Ein Wechsel auf die andere Seite, durch den Verkehr ausgesprochen gefährlich, weil man den Behinderten fast gar nicht hinter einem parkenden Fahrzeug hervorkommen sieht, vielerorts unmöglich. Hohe Bordsteinkanten machen eine Überquerung der Straße quasi unmöglich.

 Aber auch Kiefer-Paulus und die beiden Behindertenbeauftragten wissen, dass all zu oft aufgrund der beengten Verhältnisse auf die Schnelle keine spürbare Verbesserungen erreicht werden können. Vielerorts ist schon so kein Begegnungsverkehr möglich, insbesondere wenn Busse und Lastwagen unterwegs sind.

Zumindest vermeidbare Hindernisse und Barrieren sollten aber nach ihrer Meinung beseitigt werden. Mit einem behindertengerechten Blick und einem entsprechenden Bewusstsein ließe sich so manches Probleme schon einfach lösen.

„Aber bei den angekündigten und angedachten Umgestaltungsmaßnahmen in den Stadtteilen,“ betont Rosa-Maria Kiefer-Paulus, „sollten die Gesichtspunkte der Behindertenfreundlichkeit und die Barrierefreiheit unbedingt entsprechende Berücksichtigung finden. Ich bin nur ein Teilzeit-Behinderter und werde wieder gesund, aber viele Behinderte müssen sich ihr ganzes Leben mit ihren Handicap durchschlagen und stoßen tagtäglich auf viele unüberwindbare Hindernisse.“

 Behinderten-Hindernisse in Roden: Kaum Platz durch parkende Fahrzeuge und  Verletzungsgefahren an Fensterläden.
Behinderten-Hindernisse in Roden: Kaum Platz durch parkende Fahrzeuge und  Verletzungsgefahren an Fensterläden. Foto: Ruppenthal

Und Frank Michler verweist abschließend auf ein bekanntes Zitat von Richard von Weizsäcker: „Nicht behindert zu sein, ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Glück, das uns zu jeder Zeit genommen werden kann.“