| 21:26 Uhr

Kunst und deutsch-französische Freundschaft
„Machen Sie weiter so, setzen Sie Zeichen“

Im Ravelin V in Saarlouis treffen die Besucher auf diese Skulptur des Künstlers Robert Schad.
Im Ravelin V in Saarlouis treffen die Besucher auf diese Skulptur des Künstlers Robert Schad. FOTO: Sascha Schmidt Saarlouis / Sascha Schmidt
Saarlouis. Stahlbildhauer Robert Schad ist keiner, der sein Licht unter den Scheffel stellt. Trotzdem dürfte er beglückt gewesen sein, als am Sonntag eine Ausstellung mit seinen rostbraunen Objekten in Saarlouis eröffnet wurde, von seinen Objekten aber kaum die Rede war. Von Johannes Werres

Die 18 teilweise mehrere Meter hohen Objekte von Robert Schad und die 21 in Metz entzündeten schon bei der Eröffung der Aktion am Sonntag im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis eher politische denn kunsthistorische Kommunikation. Das war nun ganz in der Absicht des Künstlers. „Deux villes“, zwei Städte, heißt die Aktion. Zeitgleich stellen Saarlouis und Metz die Stahlobjekte von Schad an wichtigen öffentlichen Orten aus. Das sollen die Betrachter wissen, die diese Skulturen sehen. Denn die Betrachtung der Objekte an vertrauten Plätzen könnten die Vertrautheit in Frage stellen. Vielleicht sieht man den allzu bekannten Ort dann ja neu. Oder, wie OB Peter Demmer bei der Eröffnung sagte: Vielleicht entdeckt man die eigene Identität neu. Und dazu gehört, das war das große Thema bei der Eröffnung, die gemeinsame Geschichte mit Metz. Die Botschaft, so Demmer: Er sei sicher, dass sich „in Zukunft eine fruchtbare Zusammenarbeit der beiden Städte entwickeln“ werde.


Das wird derzeit sonst eher nirgends so gesagt. Schad kann zufrieden sein. Denn die französische Seite legte ungewohnt kräftig nach. Der sozialistische Bürgermeister von Metz, Dominique Gros, seit 2008 im Amt, sagte klipp und klar: Es habe eine lange kriegerische Zeit miteinander gegeben und nun eine friedliche. Metz sei heute „stolz auf sein deutsches Erbe“.

Das Erbe wolle man nun „fruchtbar machen. Und das geht sehr gut.“ Zum Beispiel mit bisher zwei Themenwochen unter dem Titel „Metz est wunderbar“. Oder indem er in seiner Amtszeit sechs Straßen und Plätze nach deutschen Künstlern benannt habe, sagte Gros. Das „große Land Deutschland“ und Frankreich müssten die europäische Freundschaft voranbringen, „heute wichtiger denn je“.

Trennung und Einheit der Region betonte auch Ministerpräsident Tobias Hans, der Schirmherr von „Deux villes“ ist. Für beides stehe die „Porte de Sarrelouis“ in Metz und die „Metzer Straße“ in Saarlouis, deren weiterer Verlauf eben nach Metz führe. Die Skulpturen von Schad beeindruckten Hans, weil sie wiewohl doch schwer, mit Leichtigkeit, wie Tanz, daherkämen, innehalten ließen. Das lasse „neue Räume, neue Möglichkeiten“ entdecken, „eine Chance für die Region“. Auch, weil diese Werke nicht klein und im Museum, sondern für alle Bürger sichtbar auf öffentlichen Plätzen stehen. „Machen Sie weiter so“, forderte der Ministerpräsident Saarlouis auf. „Setzen Sie Zeichen, wenn einer es gut kann, ist es die Stadt Saarlouis.“

Aber wem sagte er das? Der Entscheider der Stadt, der Stadtrat, hat es kaum gehört. Von 45 Ratsmitgliedern waren gerade mal fünf da.



Myriam Buchon, französische Honorarkonsulin in Saarlouis, nannte die Schad-Ausstellung ein „Bindeglied“ im Saarland als „kleine, aber wirkungsvolle Verbindung zwischen Deutschland und Frankreich. Die Skulpturen prägten ihre Umwelt durch „Empfindung, Intelligenz und Handwerk“. Mit Myriam Bouchon war auch ihr Amtsvorgänger (und Vater) Michel Bouchon ins Institut nach Saarlouis gekommen, ebenso wie die französische Generalkonsulin Catherine Marie Nicole Robinet.

Der Transport durch halb Europa und die Aufstellung von fast 40 Skulpturen in zwei Städten in zwei Staaten ging laut Kulturamtsleiterin Julia Hennings extrem freundschaftlich und konstruktiv über die Bühne. Hennings dankte reihum den Politikern, den Sponsoren, dem Neuen Betriebshof und dem Rathaus. Da sei wohl jede Abteilung beteiligt gewesen, „außer, wenn ich mich richtig erinnere, dem Standesamt“. Auch Künstler Schad sprach von einer in Geschwindigkeit und Organisation aller Beteiligter „einzigartigen“ Erfahrung.

Die 18 Stahlskulpturen des weltweit tätigen Künstlers Robert Schad bilden einen Parcours durch die Saarlouiser Innenstadt, ebenso die 21 Werke in Metz. Sie sind bis März zu sehen. Die einzelne Skulptur verändert die Wahrhnehmung des Ortes, jede ist speziell auf ihren Aufstellungsort hin ausgewählt worden. Das ist Schads Formel. Sie gilt offenbar auch umgekehrt. Die Orte lassen ihn seine eigenen Skulpturen neu entdecken. Das wurde deutlich, als er berichtete, wie er ein- und dieselbe Skulptur für zuerst die Atlantikküste und dann den Kleinen Markt in Saarlouis auswählte.

Zu „Deux villes“ gibt es einen Flyer mit dem Begleitprogramm. Ein Katalog erscheint im Dezember.