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Richard Nospers hat für sein Saarlouis kräftig gewonnen

Saarlouis. Ende Februar 1997 schickten die Saarlouiser Wähler Richard Nospers in den Vorruhestand. Der als kühl und als Verstandesmensch geltende SPD-Politiker hatte nie so ganz ihr Herz gewinnen können. Sein Widersacher, der Kumpel-Typ Hans-Joachim Fontaine (CDU), setzte sich bei der Neuwahl des Oberbürgermeisters durch: mit dem Wahlkampf-Hauptargument, ein waschechter Saarlouiser zu sein Von SZ-Redakteur Bernhard Geber

Saarlouis. Ende Februar 1997 schickten die Saarlouiser Wähler Richard Nospers in den Vorruhestand. Der als kühl und als Verstandesmensch geltende SPD-Politiker hatte nie so ganz ihr Herz gewinnen können. Sein Widersacher, der Kumpel-Typ Hans-Joachim Fontaine (CDU), setzte sich bei der Neuwahl des Oberbürgermeisters durch: mit dem Wahlkampf-Hauptargument, ein waschechter Saarlouiser zu sein. Dabei hat aber gerade auch Nospers auf seine Art sein Saarlouis geliebt und für es gelebt. Auch wenn er seinerzeit in Bitburg in der Eifel geboren worden war.Dementsprechend tief war seine Enttäuschung. "Nospers packt im Stillen seine Sachen", überschrieb unsere Zeitung die letzte persönliche Begegnung mit dem damals 48-Jährigen im Saarlouiser Rathaus. Nospers verabschiedete sich ohne Feier von Freunden und Mitarbeitern, während nebenan im Gobelin-Saal sein Nachfolger vereidigt wurde. Die Zukunftspläne des gelernten Juristen und früheren Staatssekretärs im Saar-Umweltministerium waren damals noch nicht ganz klar. Doch er versicherte uns, er fühle sich "noch viel zu jung, um nur spazieren zu gehen". Was dann auch die kommenden Jahre bestätigten."Ein Saarlouiser für Saarlouis", hatte Fontaine von allen Wahlplakaten verkündet. Er sei "die beste Wahl für Saarlouis", hatte Nospers entgegengehalten. Tatsächlich lebte er damals bereits seit zehn Jahren in der Stadt, hatte mit einem echten Saarlouiser Mädchen, Cornelia Nospers, auch privat sein Glück gefunden. Und seine Ehefrau stand voll hinter ihm in seinem Amt. Sie übernahm sogar für ihren Mann die Wahlkampf-Hausbesuche, als ihn kurz vor dem Endspurt eine plötzliche Erkrankung für lange Wochen ans Bett fesselte. Nospers verlor, hatte aber zuvor kräftig für Saarlouis gewonnen. Er leitete das Zulieferer-Park-Projekt für Ford ein, sorgte damit für eine langfristige Sicherung des Standortes auf dem Saarlouiser Röderberg. Mit einer Aufsehen erregenden Aktion, bei der ein Biotop komplett verlegt werden musste, holte er Ikea in die Kreisstadt. Zehn Jahre Stadtentwicklung gehen auf Nospers' Oberbürgermeister-Konto, auch wenn die Saarbahn-Trasse durch die Innenstadt ein Traum blieb. Und überall begegnet man noch Nospers' Sinn für Kunst: vom Vereinshaus Fraulautern bis zum Museum Haus Ludwig, wo die Otto-Hajek-Plastik "Zeichen flügelt im Raum" nach oben weist.> weiterer Bericht Seite B 2