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Rechtsruck nach Landtagswahlen bereitet den Bürgern Sorgen

Rechtsruck nach Landtagswahlen bereitet den Bürgern Sorgen

Die Ergebnisse der Landtagswahlen am Sonntag haben in Berlin ein politisches Beben ausgelöst. Auch im Kreis Saarlouis sind die Reaktionen heftig: „Erschreckend, ja sogar beschämend“ sei vor allem das Abschneiden der AfD.

"Das spricht nicht für unser Land", meint der Dillinger Michael Schug. Zwar sei das Ergebnis der AfD vorhersehbar gewesen, aber die 24 Prozent in Sachsen-Anhalt bezeichnet er als "eine Schande für den Osten". Die Wahlsiege der SPD in Rheinland-Pfalz und der Grünen in Baden-Württemberg freuen ihn aber. Während er "schon ähnliche Ergebnisse" der AfD im Saarland befürchtet, meint Jürgen Wagner, das werde hier "nicht ganz so tragisch". Die Saarländer seien in der Flüchtlingsfrage eher positiv gestimmt, sagt der Dillinger. Das Ergebnis der AfD sei "schlimm", aber leider auch ein Versagen der demokratischen Parteien. Vor allem "die SPD sollte sich überlegen, warum sie teils über 50 Prozent verloren hat."

Für Anni Biehler aus Fremersdorf ist nun "tief im Bewusstsein, wie sehr die SPD abgebaut hat". Der Vertrauensverlust sei offenbar so groß, weil die Partei "keine klare Linie" erkennen lasse. Weniger in Rheinland-Pfalz, vor allem aber in den neuen Bundesländern sei das Resultat der AfD "erschreckend". Bei der Landtagswahl 2017 im Saarland werde das "nicht ganz so krass", meint Biehler.

Auch Wolfgang Lepage meint, es werde kein zweistelliges Ergebnis der AfD im Saarland geben. Allerdings müsse man die Entwicklung erstmal abwarten. Das Thema Flüchtlingspolitik könne zudem nicht auf Landesebene geklärt werden. Die meisten Ergebnisse habe man befürchten müssen und die spannende Frage sei, wie die Politik damit umgehe, meint der Merziger.

"Es ist erschreckend, dass die AfD so viele Stimmen mit ihrer Angst-Politik gewinnt", meint Nadine Schuler. Die junge Frau aus Siersburg hat nun selbst Angst, dass der "Rechtsruck bald nicht mehr aufzuhalten" ist. Dennoch ist sie zuversichtlich, die AfD werde im Saarland nicht so viele Stimmen holen wie in Sachsen-Anhalt, aber "zehn Prozent bestimmt", befürchtet sie.

Auch Peter Keller ist "sicher, dass die AfD auch im Saarland ein zweistelliges Ergebnis holt". Der Saarbrücker bezeichnet das Abschneiden der AfD als "beschämend für Deutschland". Zwar sei manches nachvollziehbar, aber er hat kein Verständnis für die Nichtwähler, die jetzt aus Protest AfD gewählt haben. "Es gibt genug Alternativen", ist er überzeugt.

Während die meisten Befragten die hohen AfD-Ergebnisse erwartet haben, ist Jascha Gorda (Beckingen) überrascht, dass die Partei sogar besser abgeschnitten habe als die Linke. Er hat zwar Hoffnung, dass im Saarland nicht so viele die AfD wählen, "aber im Moment gibt es einfach eine Tendenz zum Protest."

"Es wird sich auch im Saarland wiederholen, wenn sich in der Flüchtlingsfrage nichts ändert", meinen dagegen Daniel Röder und Eva Wojnowski aus Rehlingen. Sie kritisieren zudem das angestrebte NPD-Verbot, das der AfD weitere Wähler bringen werde. Es sei jetzt schon "schlimm, dass die AfD so viel Prozent gewinnt". Wenn die Partei bei der Bundestagswahl ebenfalls 15 Prozent gewinnt, dann befürchten die beiden eine Zersplitterung des Parteiensystems und Verhältnisse wie in der Weimarer Republik.

"Es gibt in ganz Europa mehr und mehr Rechtspopulisten", klagt Beatrice Meilleur. Die Französin, die aus Longwy stammt, aber in Rehlingen wohnt, kennt das mit dem Front National von Marine Le Pen nur zu gut. Die Rechtspopulisten profitierten von der Angst. "Mir machen die Rechten aber mehr Angst als die Flüchtlinge", hält sie dagegen.