Rat sucht den Zugang zum neuen Eingang

Rat sucht den Zugang zum neuen Eingang

Saarlouis. Was Architekt Valentiny am Donnerstagabend dem Städtebau-Ausschuss vorstellte, sorgte selbst in den Reihen der Großen Koalition für Stirnrunzeln, bei der Opposition für helle Empörung. Auf Initiative von Herbert Fontaine, Chef der Mehrheitsfraktion CDU, stimmten CDU, SPD und FDP im Ausschuss (mit Gegenstimme der Grünen) auch nur für eine zustimmende Kenntnisnahme der Pläne

Saarlouis. Was Architekt Valentiny am Donnerstagabend dem Städtebau-Ausschuss vorstellte, sorgte selbst in den Reihen der Großen Koalition für Stirnrunzeln, bei der Opposition für helle Empörung. Auf Initiative von Herbert Fontaine, Chef der Mehrheitsfraktion CDU, stimmten CDU, SPD und FDP im Ausschuss (mit Gegenstimme der Grünen) auch nur für eine zustimmende Kenntnisnahme der Pläne. Dämpfer für VerwaltungDies samt der Aufforderung, weiter zu machen, aber alles vorher dem Rat zur Abstimmung vorzulegen. Und die Öffentlichkeit zu informieren. Eigentlich wollte die Verwaltung die Zustimmung, "den Entwurf unter Berücksichtigung des Haushaltsansatzes 2008/2009 umzusetzen." Das war ein Dämpfer für die Stadtspitze. Aber nicht genug für Grünen-Fraktionschef Gabriel Mahren: Der kündigte eine Beschwerde bei der Kommunalaufsicht an. Denn eigentlich sollte der Auschuss Ja zu den Kosten sagen - aber eine erste Zusammenstellung lag erst in der Sitzung vor. "Undemokratischer Umgang mit diesem Gremium, Herr Oberbürgermeister", kritisierte Mahren. Der Beirat hätte gar ganz ohne Kosten-Information abstimmen sollen. Und das bei einem Volumen von derzeit 6,9 Millionen Euro. Mahren etikettierte die Valentiny-Fassade als "monströs, irgendwo zwischen Vogelnest und Bunker. Was hat das Ganze mit Saarlouis zu tun?" Auch FDP-Fraktionschef Krichel sprach von "gigantisch, und ob es denn so gigantisch werden" müsse und fühlte sich an "andere Zeiten erinnert". CDU-Ratsmitglied Gerd Summa gab wohl vielen Worte, als er sagte: "Das ist ein ganz anderer Entwurf als vorher. Passt der Eingangsbereich? Sind die Bürger einverstanden mit sowas? Fühle sie sich damit wohl? Ich bin Kommunalpolitiker, wir kriegen's nachher auf die Ohren - Sie sitzen in Luxemburg." "Anderes Gefühl"Rita Heck, SPD, ähnlich: "Das ist sehr interessant. Mir gefallen die großen Buchstaben. Aber ich werde stutzig bei dem kolossalen Eingang. Der widerspricht doch der Feingliedrigkeit des Theaters." Zwei Stunden dauerte die Diskussion. Über ihr schwebte die emotionale Bindung älterer Saarlouiser an das Haus - ganz ähnlich wie damals, als OB Hans-Joachim Fontaine das Haus einem Investor geben wollte und Schiffbruch erlitt. Valentiny verteidigte den Blickwinkel dessen, "der von außen kommt. Der wird nicht von der Vergangenheit festgemacht." Architektur müsse den Besuchern eines Theaters ein "anderes Gefühl vermitteln als zuhause oder im Rathaus." Ein moderner Kulturraum könne "nur funktionieren, wenn mehrere Funktionen integriert werden." Und dazu müsse ein Theater auch wirklich als Theater erkennbar sein, nicht zu verwechseln "mit einem Wohnhaus oder einer Bank". Meinung

Pauke statt Triangel

Geplant: Foyer und optisch erhöhter Turm. Foto: Thomas Seeber.

Von SZ-RedakteurJohannes Werres Mutig sicher, klug, das wird sich weisen: Die Stadt Saarlouis stellt kurz nach dem umstrittenen Projekt Naturbad im Stadtgarten Pläne für das Theater am Ring vor. Sie werden neues Rumoren in Saarlouis auslösen. Zu sehr bricht der Entwurf der Fassade mit der Gemütlichkeit des Theaters; zu sehr entfernt sie sich von den Proportionen ringsum. Kurz: etwas Neues, und da ist Saarlouis generell erstmal entsetzt. Die Opposition kann vor dem Wahlkampf gar nicht anders, als das Rumoren zu verstärken. Doch etwas Neues kann ja auch mal gut sein.Lassen wir für jetzt den höchst fragwürdigen Umgang der Verwaltung mit dem Rat beiseite. Dann bleibt: Foyer, Fassade und Turmhöhe setzen den Akzent an der richtigen Stelle. Der Valentiny-Entwurf ist ein Paukenschlag. Unter ihm erscheinen die bisherigen Planungen der Stadtspitze zur Kulturmeile wie zaghaftes Triangel-Spiel. Das muss die Stadt allerdings einkalkulieren, wenn sie sich für den Valentiny-Entwurf entscheidet. Wenn das Theater so vorlegt, kann es nicht bei mehr oder weniger Verrücken von Museums-Stellwänden bleiben. In die Gebäude muss richtig Leben rein, wenn Theater, Stadtmuseum, Archiv, Stadtbibliothek, Kaserne VI, Haus Ludwig eine Kulturmeilebilden sollen. Nur dafür rechtfertigt sich ein Projekt wie "Kulturmeile". Dazu muss der Kulturbegriff ordentlich geweitet werden: Kultur ist nicht bloß der sonntägliche Besuch einer Ausstellung. Kultur ist täglicher Aufenthalt, ist Begegnung. Der Stadt muss also klar sein, dass sie mit dem Valentiny-Entwurf selbst einen hohen Maßstab anlegt, der sie bei der weiteren Kulturmeilen-Planung verpflichtet bleibt. Städtischer Anspruch in Architektur verlangt etwas. Das Potential der Kulturmeile kann ja durchaus städtischen Anspruch erheben - und muss es deswegen auch. Deswegen: Ja zu dem Entwurf!