| 20:40 Uhr

Deutschland-Tour
Menschen an der Strecke feiern den Radsport

Kamen mit ihren Tandems zur Bergwertung in Nohn (von links): Werner und Mabel Jager, Raimund Jung, Meggi Helfen und Stefan Thome vom RV Möwe Schmelz
Kamen mit ihren Tandems zur Bergwertung in Nohn (von links): Werner und Mabel Jager, Raimund Jung, Meggi Helfen und Stefan Thome vom RV Möwe Schmelz FOTO: Axel Künkeler
Kreis Merzig-Wadern/Kreis Saarlouis. Bei der Deutschland-Tour sind die Teilnehmer am Samstag durch Teile der Landkreise Merzig-Wadern und Saarlouis gerast.

Die Deutschland-Tour zu Gast in unserer Region: Da war am Samstag einiges los in den Ortschaften.


12.55 Uhr, Saarhölzbach: Die Deutschland-Tour hat es eilig, ins Saarland zu kommen. Im Programmheft hat der Veranstalter die Durchfahrtszeiten in den einzelnen Etappen-Orten für einen Schnitt von 37, 39 und 41 Stundenkilometern angegeben. Doch die Profis geben richtig Gas – und sind schneller. Mit einem 45er-Schnitt kommen sie in Saarhölzbach an – und fliegen durch den Ort. An der Spitze setzt sich eine siebenköpfige Ausreißergruppe ab. Mit dabei ist auch Rick Zabel vom Team Katusha Alpecin, der Sohn von Ex-Telekom-Star Erik Zabel.

13.14 Uhr, Hargarten: Auch die Gemeinde Beckingen war mit vier ihrer neun Ortsteile in die Deutschland-Tour eingebunden. Von Rissenthal kommend führte die Strecke über Hargarten, Erbringen, Honzrath und Düppenweiler Richtung Piesbach. Der morgens aufkommende Regen hatte sich verzogen und schönem Wetter Platz gemacht. Eigentlich ideal, um das große Radsportereignis hautnah zu erleben. Es waren zwar viele Zuschauer – heimische und aus Nachbarorten – an der Strecke, jedoch nicht die erwartete Menge. In den einzelnen Ortschaften wurde in Absprache mit den Ortsvorstehern den Zuschauern Verschiedenes geboten. So betrieb die Hargarter Feuerwehr vor der ehemaligen Süßmosterei einen Getränkestand. In Erbringen begrüßten riesige Figuren aus Strohballen die Gäste und den vorbeifahrenden Tross. Vor der Gaststätte Keglerheim lud ein Zelt mit Getränkeausschank ein, der Förderverein des Kindergartens St. Luzia Erbringen bot Kaffee und von den Eltern selbst gebackenen Kuchen an und der Kebap-Laden hatte Tische und Bänke vor dem Haus aufgestellt. Daneben saßen viele Bürger mit ihren Nachbarn vor den Häusern.



Dies konnte man auch in Honzrath beobachten, wo an der Kreuzung mit der 90-Grad-Abbiegung die Wirtin des Gasthauses Miggepitt einen Bierpavillon nebst Rostwurststand errichtet hatte. Am Rande des Platzes hatten sich Mitglieder des Partnerschaftsvereins Beckingen-Honzrath postiert, präsentierten ein Transparent der Jumelage und schwenkten deutsche und französische Fahnen, wie sie auch neben der Europaflagge entsprechend größer den Giebel eines Nachbarhauses zierten.

In Düppenweiler hatte der Dorfkrug-Wirt seinen Biergarten geöffnet und bot zudem Grillspezialitäten. In Betrieb war auch der Biergarten vor der Wirtschaft Kreizgass mit Getränken und Rostwürstchen. An der Einmündung der
Blandine-Merten-Straße hatte es sich eine kleine Gruppe Einheimischer mit Biervorrat auf einem Traktor mit Anhänger bequem zum Zuschauen gemacht. Stände hatten Anwohner der Piesbacher Straße vor ihren Wohnhäusern aufgestellt. Letzte Station war das Huthaus am Kupferbergwerk, wo auf dem hergerichteten Vorplatz neben
kühlen Getränken auch Kaffee, Kuchen, Schnittchen und Erbsensuppe im Angebot waren.

13.39 Uhr, Diefflen: Rund zehn Minuten vor der erwarteten Ankunft treffen die sieben Ausreißer um den deutschen Radprofi Rick Zabel in Diefflen ein. Etwa zwei-, dreihundert Schaulustige stehen am Marktplatz, um das einmalige Spektakel zu verfolgen. „Das ist eher mickrig“, zeigt sich der ehemalige Dillinger Bürgermeister Erwin Planta etwas enttäuscht von der Zuschauer-Resonanz. Er findet es persönlich schön, dass die Deutschland-Tour durch Dillingen fährt. „Noch besser wäre es gewesen, wenn hier das Ziel wäre.“

Begeistert ist auch Ilka Druve, die bereits eine Stunde vor der Durchfahrt der Rennradler vor ihrem Haus in der Düppenweiler Straße steht. „Ich habe hier einen Logenplatz.“ Die Tour in Diefflen, das sei schon „ein besonderes Erlebnis“, das wolle sie sich nicht entgehen lassen. Derweil hat die Polizei ein wenig Mühe, die Strecke freizuhalten. Immer wieder tauchen hier einzelne Fahrzeuge auf, obwohl die Durchfahrt längst gesperrt ist. Selbst ein Linienbus der KVS muss zunächst zwischenparken. Erst nachdem alle 129 Radprofis und der Begleit-Tross Diefflen in Richtung Dillingen passiert haben, kann auch der Bus seine Fahrt fortsetzen.

14.05 Uhr, Hemmersdorf: Auch in der Niedtal-Gemeinde liegen die sieben Ausreißer noch fast zehn Minuten vor dem Zeitplan. Bereits zwei Stunden zuvor waren die ersten Radsportbegeisterten am Sportplatz in Hemmersdorf aktiv. Direkt an der Strecken-Durchfahrt hatten Fußballer, Tennisclub und der Lauftreff des Kneipp-Vereins einen Stand aufgebaut. Eigentlich wollten die Hemmersdorfer Vereine an diesem Tag ein Sportfest organisieren, aber dann kam die Nachricht, dass hier die Tour durchführt. Schnell waren sich Pascal Rommelfanger und Chris Zenner vom FSV, Erich Mellinger (HTC) und Oliver Berrar vom Lauftreff einig, dass sie den wartenden Zuschauern etwas bieten wollen.

Eine „Indoor-Cycling Show“ auf sechs Spinning-Rädern auf einer eigens aufgebauten Bühne, dahinter eine Abbildung des Denkmals für den verstorbenen Rennrad-Profi Tom Simpson am Mont Ventoux, schufen einen Rahmen für Zuschauer und Tour-Fahrer. Bier und Würstchen gab es für die rund 300 Sportbegeisterten an der Strecke. Beim Aufbau zeigte sich Erich Mellinger noch etwas skeptisch: „Ich bin gespannt, ob sich der Aufwand lohnt.“ Am Ende aber waren die Hemmersdorfer Sportvereine zufrieden: „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute kommen“, zog Oliver Berrar ein positives Fazit. Und für Alt und Jung war es ein besonderes Spektakel.

14.57 Uhr, Nohn: An der ersten von vier Bergwertungen in zwei Runden um die Saarschleife liegen die sieben Ausreißer immer noch vorne. Nun sind es aber nur noch wenige Minuten vor dem offiziellen Zeitplan, auch das Hauptfeld kommt nun bereits dichter ran. An die tausend Zuschauer sind an der Ortsdurchfahrt in Nohn verteilt. Hier trifft man nun vor allem Hobby-Rennradfahrer, die eine mögliche Vorentscheidung an einem der sportlich interessantesten Punkte nicht verpassen wollen. Werner und Mabel Jager sowie Stefan Thome und Meggi Helfen mit ihren Tandems sind gemeinsam mit Raimund Jung auf dem Rennrad aus Schmelz gekommen. Die Fünf gehören dem RV Möwe Schmelz an, haben sich schon die erste Bergwertung des Tages in Saarhölzbach angesehen. Thome, der erste Vorsitzende des Schmelzer Radvereins, war sogar bei der Vortags-Etappe in Piesport an der Mosel. „Hier in Nohn sind es deutlich mehr Zuschauer“, freut er sich über die Radsport-Begeisterung der Saarländer.

Aber auch Zuschauer aus Luxemburg und Rheinland-Pfalz stehen an der Strecke. Aus Inzell in Bayern kommt sogar Ludwig Mayer, der einen Familienbesuch im Saarland nutzt. Mit seinem Schwager Yves Perrin aus Neunkirchen war Mayer zunächst in Trier beim Start, dann sind die beiden („von der Bayern-Rundfahrt bis zur Tour de France haben wir etliche Radrennen live gesehen“) mit dem Auto an die Saarschleife, wollen noch ins Ziel nach Merzig.

15.42 Uhr, Nohn: Nach der ersten Durchfahrt in Nohn müssen die Zuschauer eine Dreiviertelstunde warten, bis die Tour-Fahrer ein zweites Mal durchfahren. Auf einer Video-Leinwand können sie aber das Renngeschehen weiter verfolgen. Das ZDF überträgt live, ein Hubschrauber kreist über der Saarschleife, liefert spektakuläre Live-Bilder vom Wahrzeichen des Saarlandes. Der VfB Tünsdorf hat in einer privaten Garage einen Stand aufgebaut, bewirtet die Wartenden mit Radler-Bier und Gegrilltem. Etwa hundert Meter weiter, am Abzweig Richtung Orscholz, ist ein weiteres Stimmungsnest. Hier spielt der Musikverein Harmonie 1920 Nohn zünftig auf, auch hier gibt’s Getränke und Essen vom Grill.

Inzwischen sind die Schmelzer weiter in Richtung Ziel gefahren, dafür steht nun eine große Rad-Gruppe aus Rheinland-Pfalz an der Bergwertung. Gleich 13 Hobby-Rennradfahrer vom RSC Idar-Oberstein sind von Birkenfeld aus mit Zwischen-Stopp in Losheim nach Nohn geradelt. Sie beobachten, dass der Vorsprung der Ausreißer weiter schmilzt, das Peloton kommt immer näher, die Entscheidung fällt erst im Zielsprint in Merzig. Für die Hobby-Radler geht’s nun wieder zurück, 130 Kilometer werden sie am Ende des Tages ebenfalls bewältigt haben. Nicht viel weniger als ihre Radsport-Idole, sind sie ebenfalls sportlich aktiv, wenn auch deutlich langsamer als die Profis.

Bei der Zieleinfahrt in Merzig steht fest: Der Slowene Matej Mohoric hat den Sprint in Merzig und damit die dritte Etappe der Deutschland-Tour gewonnen.

Die Ausreißer-Gruppe mit Rick Zabel an der Spitze am Dieffler Marktplatz
Die Ausreißer-Gruppe mit Rick Zabel an der Spitze am Dieffler Marktplatz FOTO: Axel Künkeler
Mitglieder des Partnerschaftsvereins warten in Honzrath auf die Deutschland-Tour.
Mitglieder des Partnerschaftsvereins warten in Honzrath auf die Deutschland-Tour. FOTO: Norbert Becker
Mit dem Simpson-Denkmal am Mont Ventoux und einer Indoor-Cycling-Show wurden die Radler in Hemmersdorf begrüßt. Initiiert hatten die Aktion (von links) Oliver Berrar (Lauftreff), Pascal Rommelfanger und Chris Zenner (FSV) sowie Erich Mellinger vom Tennisclub (von links).
Mit dem Simpson-Denkmal am Mont Ventoux und einer Indoor-Cycling-Show wurden die Radler in Hemmersdorf begrüßt. Initiiert hatten die Aktion (von links) Oliver Berrar (Lauftreff), Pascal Rommelfanger und Chris Zenner (FSV) sowie Erich Mellinger vom Tennisclub (von links). FOTO: Axel Künkeler
Ein Gefühl wie bei der Tour de France herrschte bei der Deutschland-Tour in Nohn.
Ein Gefühl wie bei der Tour de France herrschte bei der Deutschland-Tour in Nohn. FOTO: Axel Künkeler
(AJK)