| 20:16 Uhr

Weihbischof in Saarlouis
Projekt „Respekt“ – eine Erfolgsgeschichte

Auch beim Kickerspielen kam Weihbischof Robert Brahm mit den Projekt-Teilnehmern ins Gespräch. Die Partie an der Seite von Damian gewann er übrigens.
Auch beim Kickerspielen kam Weihbischof Robert Brahm mit den Projekt-Teilnehmern ins Gespräch. Die Partie an der Seite von Damian gewann er übrigens. FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel
Saarlouis. Trierer Weihbischof Robert Brahm zeigt sich begeistert von der Arbeit der Pädagogen und den Angeboten in Saarlouis.

Was das Projekt „Respekt“ ausmacht? „Dass man hier verstanden wird, wenn man Probleme hat“, sagt die 15 Jahre alte Celine. Seit Januar ist das Mädchen dabei – und mit dieser Aussage sorgte sie dafür, dass es gestern Vormittag für einen Moment ganz still wurde im Kontaktcafé Respekt. Gerade hatte sie zusammen mit dem KEB-Vorsitzenden Horst Ziegler tapfer, aber chancenlos das Fußballmatch am Kicker verloren. Die Gegner waren überaus stark, der 16 Jahre alte Damian wurde von dem Trierer Weihbischof Robert Brahm unterstützt. Brahm hatte sichtlich Spaß beim Match – nahm sich aber auch sonst viel Zeit, um die Einrichtung, das Projekt und die Menschen, die dahinterstehen, kennenzulernen. Viel Geduld zeigte er etwa beim Gravieren eines Glases – der Respekt von Projektteilnehmerin Ausilia Fratalia, 22 Jahre, war ihm sicher.


Anlass seines Besuchs war, wie er erklärt, der Josefstag, an dem der Schutzpatron der Arbeit gefeiert wird. „Unsere Bischöfe, aber auch Pfarrer gehen an diesem Aktionstag in Einrichtungen der Jugend- und Berufshilfe, um sich zu informieren und Projekte kennenzulernen“, erläutert Horst Ziegler. Nach der Begrüßung geht es erst einmal in das Bildungsatelier. Hier hatte Matthias Schindel, einer der pädagogischen Mitarbeiter, die Aufgabe übernommen, das Projekt in seinen Einzelheiten vorzustellen (siehe auch Bericht unten). „In der Gesellschaft heißt es oft: hoffnungslose Fälle. Doch unsere Zahlen beweisen das Gegenteil“, erklärt er. Im Projektzeitraum bis zum 31. Dezember 2017 sind aus dem Projekt, das im Saarland einmalig in Saarlouis angesiedelt ist, 217 junge Menschen als Abgänger registriert. Die Erfolgsquote, betont er, sei bei fast 90 Prozent. „Die bisherigen Teilnehmer wurden dabei unter anderem in den Arbeitsmarkt, in Ausbildung und Schule vermittelt“, sagt er. Momentan betreut „Respekt“ in Saarlouis insgesamt 78 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 25 Jahren.

In einem anschließenden Rundgang macht sich Weihbischof Brahm ein Bild von den Angeboten, zunächst geht es in die Notschlafstelle. „Hier haben wir Platz für jeweils drei weibliche und männliche Personen“, erklärt Schindel. Erfahrungen mit der Oase hätten gezeigt, dass gerade die ganz jungen Menschen einen besonderen Schutz brauchten. „Wir helfen hier bei der Wohnungssuche, die Verweildauer ist ganz unterschiedlich, manche bleiben mehrere Monate, bis sie etwas gefunden haben“, sagt er. Durch die Übernachtungsmöglichkeit ist die Einrichtung 24 Stunden besetzt, die Übernachtung ist auf die Zeit zwischen 20 Uhr und 8 Uhr am Morgen begrenzt. Viel Arbeit leistet er mit seinen fünf Mitstreitern im pädagogischen Bereich in der Beratung. Im Bildungsatelier und in der Kreativwerkstatt kommen jeweils maximal 15 Projektteilnehmer zusammen.



Das niederschwellige Einstiegsangebot ist das Kontaktcafé. „Hier kommen wir ganz ungezwungen mit den jungen Menschen ins Gespräch, bieten unsere Hilfe an“, sagt Schindel.

Dass die Arbeit mit Jugendlichen eine sehr intensive sei, betont Brahm. „Das braucht auch das richtige Maß an Distanz und Nähe, wobei Nähe für die jungen Menschen sehr wichtig ist“, sagt er. Er sieht seine Aufgabe darin, die Öffentlichkeit und Politik zu motivieren, solche Angebote zu schaffen. „Das hat große Chancen, das sieht man an den vorgestellten Ergebnissen.“ Froh zeigte sich der Weihbischof darüber, dass gerade Schulen einem solchen Projekt zur Seite stehen. Stolz ist er darauf, dass sich in der gemeinsamen Trägerschaft die Diakonie und die KEB ökumenisch gemeinsam auf den Weg gemacht haben. „Wir arbeiten zusammen, lernen gemeinsam, und das ist auch gut so“, sagt er.

(cim)