Umfrage in Saarlouis: Plastik-Verbot hat nicht nur Befürworter

Umfrage in Saarlouis : Plastik-Verbot hat nicht nur Befürworter

Viele Gastronomen und Kunden im Kreis Saarlouis suchen nach machbaren Alternativen für Strohhalm und Co.

Noch ist unklar, ob und wann die EU-Richtlinie zur Reduzierung des Plastik-Abfalls in Kraft treten wird. Doch das von der EU-Kommission angekündigte Verbot von Plastik-Strohhalmen sowie Einweg-Geschirr und -Besteck sorgt jetzt schon für reichlich Gesprächsstoff in der Gastronomie.

„Das geht nicht. Ich bin absolut dagegen“, bekräftigt Ay Seyfettin, der das Eiscafé Trentino am Kleinen Markt und in der Saarlouiser Altstadt sowie die Cocktail-Bar „Blue“ in der Sonnen-Straße betreibt. Er hat bislang noch nichts mitbekommen von den Plänen der EU, die er für „Träumereien“ hält. „Sollen die Leute wie vor hundert Jahren essen und trinken“, fragt er ungläubig. Das sei ganz schlecht, es gebe keine Alternativen, meint Seyfettin. Das sehen viele Kunden ähnlich, die am Montagnachmittag in Saarlouis und Dillingen das schöne Wetter genießen, selbstverständlich samt Plastik-Strohhalm im Eisbecher und im Cocktail-Glas. Aber es gibt bei den Verbrauchern durchaus Verständnis und Zustimmung für die EU-Pläne, von denen viele bis dahin noch nichts gehört haben.

„Mit dem Löffel wird es etwas schwierig“, meint Marlies Blüm aus Wallerfangen. Den müsse sie sich dann wohl von zu Hause mitbringen, wenn sie einen Eisbecher kaufen wolle. Es sei zwar einiges an Plastik zu vermeiden, „ich weiß aber nicht, ob wirklich alles“. Es sei zu viel geworden mit dem ganzen Plastik, aber alles sei wohl nicht mehr wegzubekommen. Sie sei überhaupt nicht für Plastik, „am meisten stören mich die Tüten und Verpackungen“, meint sie abschließend.

„Es sind nicht allein die Strohhalme“, meint auch Klaus Braun aus Hülzweiler. Er kritisiert, dass oft zwei Halme in einem Glas sind, „einer würde doch genügen“. Ein Anfang müsse gemacht werden, mit einer Abschaffung der Strohhalme rechnet er, „sobald Alternativen da sind“. Er setzt aber vor allem auf Müllsortierung und Recycling. Ebenso wie Klaus Braun hat Ortrud Lauer aus Beckingen noch nichts von den EU-Plänen gehört. Für ein Verbot hat sie ein gewisses Verständnis: „Mit dem freiwilligen Engagement ist es oft schwierig.“ Problematisch sei es jedoch „alles absolut zu verbieten“, aber eine Reduktion des Mülls sei „auf jeden Fall“ nötig.

Ebenfalls noch nichts mitbekommen von der EU-Ankündigung am Montag hat Polina Titova. Die junge Frau aus Schwalbach hält es aber für „eine gute Idee“. Die Schadstoffe im Plastik seien schädlich für Mensch und Natur, „dann landet weniger in den Meeren“. Alternativen für Plastik-Strohhalme kann sie sich noch nicht vorstellen, aber „das wäre auf jeden Fall gut“. Der Dillinger Frank Gindorf findet den Vorschlag, von dem er am Morgen bereits im Radio gehört hat, ebenfalls „sehr gut“. Klar könne er auf Plastik-Strohhalme verzichten. Generell spricht er sich für eine effiziente Mülltrennung und Wiederverwertung aus, um „die Umwelt zu schützen und die Ressourcen zu schonen“.

Die EU-Kommission will es, viele Verbraucher akzeptieren es und die ersten Gastronomen stellen sich bereits darauf ein. Salvatore Savoca von der Saarlouiser „Joghurteria“ will bereits im Juni von Plastik auf Natur-Produkte umstellen. An seinem Stand am Großen Markt sollen dann nur noch Becher, Löffel und Halme aus natürlichen Materialien verwendet werden. „Das ist gut für meine Natur-Produkte wie Joghurt und Früchte“, betont er. Die Pläne der EU seien „absolut positiv“, er habe ohnehin geplant, „mehr für die Umwelt zu machen“.

Noch in diesem Sommer will sich auch Angelo Russo umstellen. Der Betreiber des Dillinger Eiscafés „Vulcano“ hat bereits Eisbecher aus Pappkarton und Bio-Strohhalme bestellt. Nur bei den Plastiklöffeln hat er noch keinen Ersatz gefunden, bleibt aber optimistisch: „Man kommt automatisch auf Alternativen“, daher sei das Vorhaben der EU-Kommission „nicht verkehrt“.

Polina Titova aus Schwalbach findet Plastik-Verzicht gut. Foto: Axel Künkeler
Marlies Blüm. Foto: Axel Künkeler
Frank Gindorf. Foto: Axel Künkeler
Ay Seyfettin. Foto: Axel Künkeler
Klaus Braun. Foto: Axel Künkeler
Angelo Russo. Foto: Axel Künkeler

Keine Stellungnahmen dazu gab es aktuell von den ebenfalls stark betroffenen Fast-Food-Betrieben wie Subway oder McDonalds. Bei den Standorten in der Region Saarlouis handelt es sich um Franchise-Nehmer, die an die bundesweiten Vorgaben der jeweiligen Franchise-Geber gebunden sind. Derzeit wird in den Zentralen noch an der Reaktion auf die EU-Pläne gearbeitet.

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