Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 21:33 Uhr

Pius kommt neu ins Gestühl

Gestern wurde die erste Glocke vom Turm der evangelischen Kirche Saarlouis abgenommen. Fotos: Hartmann Jenal (1), Karl-Ernst Schmitt (2)
Gestern wurde die erste Glocke vom Turm der evangelischen Kirche Saarlouis abgenommen. Fotos: Hartmann Jenal (1), Karl-Ernst Schmitt (2)
Saarlouis. Saarlouis klingt bald anders. Die evangelische Gemeinde tauscht die drei Eisenglocken ihrer Kirche gegen fünf Bronzeglocken aus. Gebraucht gekauft und abgehängt von einem katholischen Kirchturm in Neunkirchen. Gestern wurde die erste Glocke in Saarlouis abgenommen. Johannes Werres

Läuten die Glocken, weiß jeder, es sind Kirchenglocken, besser Informierte wissen, zu welcher Kirche sie gehören. Aber fast niemand weiß, wer da wirklich zu hören ist. Königin Luise, Kaiser Wilhelm II. und Martin Luther zum Beispiel waren es vom Turm der evangelischen Kirche Saarlouis her. So hießen die drei ersten Glocken von 1905, ziemlich kaisertreu klang das. Das war bis 1917 so. Dann wurden zwei der Glocken für die Kanonen des Ersten Weltkrieges eingeschmolzen. 1922 hing das Presbyterium drei neue Glocken auf, namenlos, die größte trug die Aufschrift "Den Gefallenen". Und ab Herbst 2016 werden Maria, Johannes, Michael, Elisabeth und Pius zu hören sein. So heißen die neuen Glocken, das klingt nicht zufällig katholisch.

Die namenlosen Eisenglocken von 1922 wiesen bei Prüfungen durch die Glockensachverständige Birgit Müller Haarrisse auf. Kein Wunder, denn es waren keine Gussstahlglocken des Bochumer Vereins, wie bis dahin angenommen, sondern Eisenhartgussglocken der Gießerei Schilling und Lattermann aus Mörgenröthe-Rautenkranz im Erzgebirge. "Das Material war billig, nicht allzu langlebig, es klingt nicht besonders gut", erklärt Dr. Karl-Ernst Schmitt, Mitglied des Presbyteriums. "Ein dumpfer, harter Anschlag, kaum Nachhall." Der Klöppel aus Bronze, die Glocke aus Eisen - üblich ist es umgekehrt.

Also braucht die Kirche neue Glocken. Die sind teuer. Man rechnet, sagt Schmitt, zwei bis drei Euro pro Kilo Neubronze plus nochmal das Doppelte für die Herstellung. 4,6 Tonnen wogen die Bronzeglocken von 1905, 3,2 Tonnen die Eisenglocken von 1922.

Das Saarlouiser Presbyterium entschied sich für die Alternative, die der Experte Pfarrer Dr. Bernhard Bonkhoff aus der Pfalz empfahl: Gebrauchte Glocken. Er wies auf das feine Geläut hin, das die katholische Gemeinde Neunkirchen abgebe, weil sie drei Filialkirchen schloss. Die Glocken aus einer davon, Herz Jesu, hat die evangelische Kirchengemeinde Saarlouis nun gekauft. Diese fünf Bronzeglocken sind 5,5 Tonnen schwer. Diese Glocken von 1958 stammen aus der 2002 geschlossenen Gießerei Mabilon in Saarburg. Fünf Glocken, das sei für eine evangelische Kirche eher selten, sagt Schmitt, meist seien es nur drei. So aber behalten die Glocken ihre katholischen Namen und ihre Zahl, und der Neunkircher Pfarrer Michael Wilhelm ist erleichtert, dass "diese Glocken wieder läuten dürfen."

Nun rückt der Kran an, um die Glocken aus dem Saarlouiser Turm zu hieven. Das geht nur innen. Es gibt Öffnungen, durch die die Glocken auf den Boden gelassen werden können. Denselben Weg nehmen später die Neunkircher Glocken hinauf in den Turm.

Dort oben muss nun das Gestühl verändert werden, um die vierte und die fünfte Glocke unterzubringen. Vorgesehen ist eine einfache Konstruktion aus Eichenholz, die über das bestehende Gestühl gesetzt wird. Ausführen wird dies die Spezialfirma Hörz aus Biberach. Später müssen auch die Schallöffnungen am Turm angepasst werden. Der Klang der Glocken der evangelischen Kirche Saarlouis wird ganz anders sein als bisher.

Was mit den drei alten Eisenglocken geschieht, ist offen.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die evangelische Kirchengemeinde Saarlouis wurde nach der Übernahme der Stadt durch die Preußen 1815 gegründet. Sie war zunächst Garnisonspfarrei. Die Zahl der evangelischen Christen wuchs schnell. Die Pfarrei wurde 1894 zivil, der Pfarrer aber mit der Verwaltung der Garnisonspfarrstelle betraut. In diesem Sinne blieb die 1904 bis 1906 nach Plänen von Carl Schlück gebaute Kirche auch Garnisonskirche. 1975 wurde wieder eine eigene Militärpfarrstelle eingerichtet. Heute zählt Saarlouis 3490 Gemeindemitglieder (9 Prozent der Bevölkerung), außerdem 54 Mitglieder anderer evangelischer Kirchen. we

Zum Thema:

Hintergrund Die enge Beziehung der Gemeinde zur Geschichte zeigt sich zum Beispiel an der Inschrift des Abendmahlskelches: "Der Evangelischen Gemeinde Saarlouis von Sr. Kgl. Hoheit Erbgroßherzog Friedrich von Baden, kommandierendem General des VIII. Armeekorps 1897-1902 zur Kirchweihe gestiftet als äußeres Zeichen des Gedenkens und der Zusammengehörigkeit. Saarlouis 27. II. 1906." red

Sie werden kommen: Die Kleine oben heißt Pius. Noch hängen sie in Neunkirchen, in der Kirche Herz Jesu.
Sie werden kommen: Die Kleine oben heißt Pius. Noch hängen sie in Neunkirchen, in der Kirche Herz Jesu.
Carl Schlück entwarf evangelische Kirchen in Saarlouis, Dillingen, Schaffhausen und Lebach. Repro: Karl-Ernst Schmitt
Carl Schlück entwarf evangelische Kirchen in Saarlouis, Dillingen, Schaffhausen und Lebach. Repro: Karl-Ernst Schmitt