Pfadfinder gedenken jüdischer Kameraden in Saarlouis

Pfadfinder : Gedenken an verfolgte und ermordete jüdische Pfadfinder

Erstmals in Deutschland wird der verfolgten und ermordeten jüdischen Pfadfinder mit einer Tafel gedacht. Die Freunde und Förderer der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) im Saarland stifteten die Tafel, die am heutigen Donnerstag an der alten Synagoge in Saarlouis enthüllt wird.

Schirmherr ist der Präsident des Saarländischen Landtages, Stephan Toscani.

Die Pfadfinder-Bewegung wurde 1907 vom Briten Robert Baden-Powell gegründet. Wenig später gründeten sich auch in Deutschland Pfadfinder-Gruppen, die allerdings sehr vielfältig organisiert waren. So wurde 1911 der Deutsche Pfadfinderbund ins Leben gerufen, unter anderem von zwei jüdischen Initiatoren. „Das Pfadfindertum ist offen für alle, ohne Unterschied in Herkunft, Klasse, Rasse oder Glauben“, zitiert Hans Enzinger, der Vorsitzende der Freunde und Förderer der DPSG im Saarland, den Pfadfinder-Gründer Baden-Powell.

Auch die katholische Jugend schloss sich an. 1929 gründete sie die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg. Und es gab jüdische Pfadfinder-Gruppen. Für das Saarland, sagt Enzinger, seien Gruppen in St. Ingbert und in Saarlouis dokumentiert.

Wie viele junge Leute dort organisiert waren, sei heute nicht mehr bekannt. Es war in Saarlouis, in der heutigen Gedenkstätte der Synagoge, dass Enzinger einem Hinweis folgte und einen alten jüdischen Pfadfinder-Wimpel fand. Keiner wisse, sagt Enzinger, selbst seit 1951 bei den Pfadfindern, wie der Wimpel dorthin gekommen sei. Die Aufschrift in Deutsch und Hebräisch sagt unter anderem, dass der Wimpel tatsächlich nach Saarlouis gehörte. Das sei der Anstoß für die Gedenkplatte gewesen.

Auf der Granitplatte steht: „Zum Gedenken an die ermordeten oder vertriebenen jüdischen Pfadfinder aus Saarlouis 1935 bis 1945. Freunde und Förderer der DPSG im Saarland e.V.“. Es sei das erste Mal, dass jüdischer Pfadfinder auf diese Weise gedacht werde, sagte Enzinger.