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Demmer neuer OB
Peter Demmer übernimmt das Steuer

Peter Demmer leistet den Amtseid.
Peter Demmer leistet den Amtseid. FOTO: Thomas Seeber /
Saarlouis. Peter Demmer ist nun Oberbürgermeister von Saarlouis. Der 57-jährige Kriminaloberkommissar leistete am Freitag vor rund 320 Gästen seinen Amtseid.

Freundlichen Applaus gibt es immer bei Veranstaltungen wie der Einführung von Peter Demmer als Oberbürgermeister von Saarlouis am Freitag im Festsaal des Theaters am Ring. Hier aber rauschte mehrfach Applaus, der kaum enden wollte und spürbar von Herzen kam. Zuerst, als Bürgermeisterin Marion Jost, die durch die Veranstaltung führte, der Familie des verstorbenen OB Roland Henz fürs Kommen dankte, namentlich seiner Witwe Melitta. Das erzeugte den wärmsten, längsten Applaus des Tages. Auch Peter Demmer dankte ihr später.


Dann Gabi Pirrung, die aus dem Dienst ausscheidet, die vier Oberbürgermeistern als Sekretärin, „auch als Abfangjäger gedient“ (Jost) und ein legendär gutes Ablagesystem entwickelt habe. Wie viele Menschen Pirrung schätzen gelernt haben, merkte man, ja natürlich: auch wieder am Applaus.

Gabi Pirrung trat 1978 in den öffentlichen Dienst, im selben Jahr, in dem Demmer zur Polizei ging und auch Norbert Rupp, heute saarländischer Polizeipräsident. Die Wege beider Polizisten kreuzten sich immer wieder, auch in Saarlouis, wo Rupp sechs Jahre Polizeichef war. Rupp skizzierte Demmer für das Publikum. Schon seltsam, sagte Rupp, dass in Mandelbachtal, Beckingen und Saarlouis hintereinander drei Polizisten zu Bürgermeistern gewählt worden seien. Ob die Bürger in Polizisten gute Entscheider sähen? Die polizeiliche Personalakte von Peter Demmer sei jedenfalls „exorbitant dünn“. Woraus Rupp schloss: Demmer sei extrem zielstrebig, setze nicht gerade auf Veränderung, vor allem nicht auf örtliche. Fast alle Stationen von Demmer, der anfangs Industriekaufmann gelernt hatte, liegen im Kreis Saarlouis. Zuletzt bei der Kripo in Saarlouis, beschäftigt vor allem mit Wohnungseinbrüchen.



Demmer, sagte Rupp, habe parteipolitische Verbindungen („Connections“) bis in die Landesregierung, „nicht untypisch für Saarländer“, aber, und darin eher die Ausnahme, „er hat niemanden diese Connections spüren lassen.“

Heiko Maas (SPD), geschäftsführender Bundesjustizminister, griff im Grußwort auf, was Bürgermeisterin Jost angedeutet hatte: Dass sich die Saarlouiser Stadtspitze, drei Führungskräfte aus drei verschiedenen Parteien gut verstünden und auch zum Amtsantritt von Demmer „keine Sondierungsgespräche“ brauchten, da könne Berlin doch von lernen. Maas nun: Stimmt. In Saarlouis wird das Wichtige in der Altstadt verhandelt. Man könnte die Berliner Verhandler im 7. Himmel einsperren, und „die Quertreiber in den Humpen, dann würde das schon funktionieren“. Der Lacher war Maas sicher. Warum, fragte er, wählen Bürger einen Polizisten zum Oberbürgermeister? Wohl nicht, weil sie nur ihm zutrauten, Ordnung in den Saarlouiser Stadtrat zu bringen. Eher schon, weil sie Polizisten mit Vertrauen verbinden, der wichtigsten Währung in der Politik.

Der Präsident des Saarländischen Städte- und Gemeindetages, der Neunkircher Bürgermeister Jürgen Fried, hieß Demmer in den Reihen der Stadtoberhäupter willkommen. Er zitierte Martin Luther: Wenn der Bürgermeister seine Pflicht tue, werden keine vier da sein, die ihn mögen – „Peter, einen guten Start im neuen Amt!“

Und der Vorsitzende des Personalrates im Rathaus, Bernd Gillet, sagte Demmer „unsere Unterstützung“ zu.

Rund 320 Gäste, Akteure des gesamten öffentlichen und politischen Lebens und der örtlichen Wirtschaft, die Führung der Luftlandebrigade 1 und des Landeskommandos Saar, die Belegschaft des Rathauses, füllten den Festsaal. Unter den Gästen: der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas, die Mitglieder der Landesregierung Anke Rehlinger (SPD), Monika Bachmann (CDU) und Reinhold Jost (SPD), der Europaabgeordnete Jo Leinen, Landrat Patrik Lauer, Bürgermeister umliegender Kommunen, die amtierende französische Generalkonsulin Bouchon und ihr Vorgänger Michel Bouchon. Man sah aber auch viele, die man sonst bei vergleichbaren Empfängen nicht sieht.

Die Zeremonie selbst war kurz und knapp: Demmer bekam die Ernennungsurkunde (für die Zeit vom 1. Januar 2018 bis 30. September 2024), leistete den Diensteid und ließ sich die Amtskette um den Hals hängen.

Die Erinnerung an Roland Henz (SPD), der noch während seiner Amtszeit gestorben war, hing über der Veranstaltung. Dies aber ganz sicher in seinem Sinne. Was damit begann, dass Bürgermeisterin Marion Jost durch die umfängliche Begrüßung der Gäste so navigierte, dass die Gäste immer wieder lachen mussten – exakt so wie es auch bei Henz hätte sein können.

Demmer würdigte denn auch Jost für das halbe Jahr, in dem sie die Amtsgeschäfte für OB Henz geführt hatte. „Sie haben mich von Anfang an mit in die Amtsgeschäfte eingebunden und immer umfangreich über die Geschehnisse informiert“, dankte er der Bürgermeisterin, die ihm im zweiten Wahlgang um das Amt des OB unterlegen war.

Demmer versprach zum Schluss, „ich werde das Erbe von Roland bewahren und als Oberbürgermeister dieser wunderschönen Stadt mit Ihnen allen daran arbeiten, diese Stadt noch weiter nach vorne zu bringen.“

Wie er seine Amtszeit eröffnet, das will Demmer, 57, erst zum Neujahrsempfang der Stadt am 31. Januar sagen. Zu Amtsantritt dankte er nur reihum.

Acht Jahre lang war Demmer Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion in Saarlouis. Eine Krönung dieser Zeit als OB stand bei ihm nicht auf dem Wunschzettel. Pension in drei Jahren, „und ich habe mir wirklich nie Gedanken um eine hauptamtliche Politikerkarriere gemacht.“ Das habe sich geändert, als ein Nachfolger für Henz gesucht wurde.

Musikalisch gestalteten die Amtseinführung „Dreierpasch“ und der Rathauschor. Das bemerkenswerte Bühnenbild verdankt sich Dietmar Esser vom neuen Betriebshof.

Minister Reinhold Jost legt dem neuen Oberbürgermeister von Saarlouis, Peter Demmer, die Amtskette um.
Minister Reinhold Jost legt dem neuen Oberbürgermeister von Saarlouis, Peter Demmer, die Amtskette um. FOTO: Thomas Seeber /