Organspendetag: Diskussion im Theater am Ring in Saarlouis

Kostenpflichtiger Inhalt: Organspendetag : 184 Saarländer warten auf Hilfe

Viele Informationen rund um das Thema Organspende gab es am Dienstag bei einer Veranstaltung in Saarlouis.

Ein schwarzes Loch liegt dort, wo zuvor das Gehirn aktiv war. Eine CT-Aufnahme zeigt, wie sich der Hirntod in medizinischen Untersuchungen darstellt. Dieser Zustand ist die Grundlage dafür, dass eine Organspende möglich wird. Etwa vier Stunden lang informierte am Dienstagvormittag der „Organspendetag“ der IKK-Südwest im Theater am Ring über das Thema Organspende.

Diese Veranstaltung im Kreis Saarlouis war die einzige in diesem Jahr im Saarland. Rund 550 Schülerinnen und Schüler von KBBZ und TGSBBZ in Saarlouis sowie der Martin-Luther-King-Schule Fraulautern füllten den großen Theatersaal. Schirmherrin war Gesundheitsministerin Monika Bachmann.

Rund 10 000 Menschen warten derzeit in Deutschland auf ein Organ, das ihr Leben retten oder es zumindest erträglicher machen könnte. Aber 2018 hatte es laut Deutscher Stiftung Organtransplantation, DSO, nur 955 Spender gegeben, eine Quote von 11,5 Spendern pro einer Million Einwohner. Dadurch sind etwa 900 Menschen gestorben, die auf der Warteliste gestanden hatten. Im Saarland seien aktuell 184 Personen auf eine Organspende angewiesen, erläuterte Stephan Kolling, Staatssekretär des Gesundheitsministeriums. Aber, ergänzte Jan Benedyczuk vom Bildungsministerium, 2018 wurden hier nur 18 Organe gespendet, 2015 waren es 14. „Das müssen mindestens 30 werden“, sagte er für das Saarland. Jeder kann in eine Situation kommen, in der er auf ein Spenderorgan angewiesen ist, machte die Veranstaltung deutlich. Deshalb sollten sich Menschen „mit dieser Frage beschäftigen“, sagte Kolling. „Wie will ich persönlich entscheiden?“ Dazu liefere der Organspendetag wesentliche Informationen.

Als Betroffene berichteten Ellen Ehrenberg (links) und Hanna Schmitt. Foto: Johannes A. Bodwing

Warum ein Spenderausweis?, fragte Unfallchirurg Dr. Ralf Ketter, Transplantationsbeauftragter des Universitätsklinikums des Saarlandes. Weil es belastend sei, „wenn die Angehörigen nach einem tödlichen Unfall dazu gefragt werden“. Werde in dieser hochemotionalen Situation abgelehnt, könne es das Leben von Menschen kosten, die auf ein neues Organ angewiesen sind. Viele schrecke der Aspekt Hirntod ab. Der betroffene Patient atme dann nur noch mit Hilfe von Geräten, erklärte Ketter. Aber das Gehirn sei tot, auf Aufnahmen nur noch ein schwarzer Bereich im Schädel, wo keine Durchblutung mehr erfolge. „Aus diesem Zustand kommt keiner mehr zurück“, hätten weltweite Studien festgestellt.

Zu Beginn der Veranstaltung konnten die Jugendlichen per Smartphone darauf antworten, ob sie sich ausreichend informiert fühlten und ob sie selbst ein Organ spenden würden. Das Ergebnis der ersten Frage war größtenteils „eher nicht“. Zur Organspende meinten viele „Ja“, ein beachtlicher Anteil war noch unentschlossen. Zum Abschluss fühlten sich wesentlich mehr informiert. Aber selbst ein Organ zu spenden, darin war sich ein großer Teil weiterhin unschlüssig.

Seit 2012 erfolgt Organspende in Deutschland als freiwillige persönliche Entscheidung. Auch wenn etwa 84 Prozent der Bundesbürger eine Organspende grundsätzlich positiv sehen, nur 36 Prozent haben einen Ausweis. Deshalb soll Ende dieses Jahres der Deutsche Bundestag über eine neue Regelung entscheiden. Dabei ist auch eine Widerspruchsregelung im Gespräch. Demnach wäre jeder von Geburt an Organspender. Wer dies nicht möchte, müsste dem aktiv widersprechen.

Deutschland stehe bei Organspenden auf dem letzten Platz unter den europäischen Staaten, ärgerte sich Sportmanager Reiner Calmund. Er selbst ist längst Organspender und Mitglied im Verein Sportler für Organspende, VSO. Die Situation im Land hielt er für „eine beschämende Tatsache“. „Frankreich und Spanien haben eine Widerspruchsregelung“, sagte Dr. Bärbel Bläs-Eise, Koordinatorin der DSO im Saarland. „Dort wartet man nur zwei Jahre auf eine Niere, in Deutschland sieben bis zehn.“ Die Entnahme der Organe erfolge als medizinisch anspruchsvolle Operation. Das könne bis zu fünf Stunden dauern. Der Ablauf sei streng geregelt. Es seien mehr als 200 Personen tätig, von Ärzten und Schwestern über Fahrer bis zu Piloten. Bei einer Niere blieben etwa 24 Stunden Zeit, bei einem Herzen vier Stunden.

Durch ein Spenderherz habe sie 15 zusätzliche Jahre bekommen, stellte Ellen Ehrenberg dar. „Das schenkt mir Zeit, in der die Kinder erwachsen werden.“ Vor der Transplantation war sie „mehr tot als lebendig“, mit einer Herzleistung von zeitweise noch etwa 17 Prozent. Über die Spenderseite sprach Hanna Schmitt, die ihrer Tochter eine Niere gab. „Das war die beste Entscheidung meines Lebens.“ Bei Sabine Martin war die Mutter Spenderin für einen fremden Menschen geworden. „Sie wollte unbedingt, dass jemand von ihrem Ableben profitiert“, sagte Martin. Den Spenderausweis hat die Mutter schon früh als Rot-Kreuz-Mitglied gehabt. Wichtig war für sie der Abschied nach der Organentnahme. „Ohne das hätte ich es nicht geschafft.“

Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu Organspende sowie Ausweis finden sich im Internet.

 www.organspende-info.de

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