"Oft wird die Krankheit verharmlost"

"Oft wird die Krankheit verharmlost"

Wer kann sich an Sie wenden?Merl: Grundsätzlich kann jeder zu uns kommen, der ein Risiko eingegangen ist und wissen möchte, ob er sich mit HIV infiziert hat. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele nicht dort zum Test gehen, wo sie wohnen, das heißt, wir haben besonders viele Patienten aus anderen Landkreisen

Wer kann sich an Sie wenden?Merl: Grundsätzlich kann jeder zu uns kommen, der ein Risiko eingegangen ist und wissen möchte, ob er sich mit HIV infiziert hat. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele nicht dort zum Test gehen, wo sie wohnen, das heißt, wir haben besonders viele Patienten aus anderen Landkreisen.

Kommen mehr Männer oder mehr Frauen zu Ihnen, wie alt sind die meisten?

Arweiler-Zenner: Wir haben eigentlich Menschen jeder Altersstufe hier, letztes Jahr habe ich sogar einen 75-jährigen Mann getestet. Viele, die zu uns kommen, sind um die 40, die wollen eine neue Beziehung eingehen und sich deshalb testen lassen. Es kommen auch frischverliebte Paare, die einfach sicher gehen wollen.

Was sind denn typische Fragen, die Ihnen gestellt werden?

Arweiler-Zenner: Fast alle Anrufer wollen eben wissen, ob sie sich angesteckt haben können. Das sind oftmals Schicksale, die dahinterstehen; wenn jemand herausgefunden hat, dass der Partner fremdgegangen ist, zum Beispiel.

Merl: Oft werden auch Geschichten vorgeschoben, aus Scham, weil man nicht erzählen will, dass man gleichgeschlechtlich fremdgegangen ist oder dass man kein Kondom benutzt hat. Sie glauben gar nicht, wie viele Kondome jedes Jahr angeblich platzen! Wir haben auch Familienväter, die bei Prostituierten waren und dann anschließend Angst haben, ihre Familie mit Krankheiten anzustecken.

Die Beratung verläuft anonym. Was muss man trotzdem von sich erzählen?

Merl: Wir wollen keine Namen, aber wir müssen natürlich wissen, was passiert ist, um einschätzen zu können, ob sich jemand angesteckt haben könnte. Dann müssen wir wissen, wann das passiert sein könnte, weil ein Test erst zwölf Wochen nach einer Ansteckung HIV-Antikörper nachweisen kann. Es ist eher selten, dass jemand ein Problem hat, das zu erzählen.

Arweiler-Zenner: Die Leute merken, dass wir mit dem Thema locker umgehen, wir verurteilen niemand. Aber wir müssen auch über sehr intime Dinge sprechen.

Sie beraten auch in Schulen: Wie gut sind Jugendliche heute über HIV informiert?

Merl: Die kennen sich schon ganz gut aus, aber es gibt bestimmte Risiken. Oft wird die Krankheit verharmlost, viele denken, man kann ja schließlich Medikamente nehmen. Aber Aids ist immer noch eine unheilbare Krankheit. Was auch viele unterschätzen, ist, dass vor allem junge Homosexuelle sich anstecken.

Wie läuft so ein Test ab?

Arweiler-Zenner: Telefonisch oder persönlich wird ein Termin vereinbart, das ist auch kurzfristig möglich.

Merl: Wir sind verpflichtet, bei jedem Test auch zu beraten und immer wieder aufzuklären. Und es geht auch um die Frage: Was ist, wenn ich positiv bin?

Wie ist das, wenn man jemandem sagen muss, dass er HIV-positiv ist?

Merl: Wir hatten ja zum Glück seit Jahren keinen positiven Test mehr. Aber ich kann mich noch ganz genau an meinen ersten Fall erinnern, ein junger Mann von 17 Jahren, das war ganz schlimm. Ein positives Ergebnis dauert auch länger, weil noch ein Bestätigungstest gemacht wird. Und dann muss man abschätzen, wie man es demjenigen beibringt. Aber: Oft ist es keine Überraschung. Die Leute haben sich das dann schon gedacht.

Auf einen Blick

Der sozial-psychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes Saarlouis sitzt im Haus der Beratung neben dem Hauptgebäude. Die fünf Mitarbeiter sind zuständig für Prävention, HIV, Suchterkrankungen und psychische Erkrankungen. Sie beraten auch in Schulen, Betrieben und weiteren Einrichtungen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, von 8.30 bis zwölf Uhr und von 13.30 bis 16 Uhr. Telefon (0 68 31) 44 47 77. nic

gesundheitsamt-

Kerstin Merl Fotos: SZ/König.

saarlouis.de