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Neujahrsvorsätze
Oder jeden Tag was Gutes machen

Waldemar und Natalie Steinke
Waldemar und Natalie Steinke FOTO: Axel Künkeler
Kreis Saarlouis. Obwohl aus den USA, sehr nah an der Realität: Heute ist der „Wirf-die-Neujahrs-Vorsätze-über-Bord-Tag“. Von Axel Künkeler

Abnehmen und gesünder leben, mehr Sport treiben oder sich das Rauchen abgewöhnen. Diese guten Vorsätze zum neuen Jahr hat jeder schon mal irgendwie gefasst. Sie haben jedoch oft nur eine kurze Haltbarkeitsdauer. Ein ungewöhnlicher Feiertag in den USA trägt dem nun Rechnung: am heutigen Mittwoch, 17. Januar, ist der „Wirf-die-Neujahrs-Vorsätze-über-Bord-Tag“ (Ditch New Years Resolutions Day). Viele Menschen brauchen die Vorsätze aber erst gar nicht über Bord werfen, weil sie keine fassen, wie eine SZ-Umfrage am Vortag dieses Witz-Wegwerftages zeigt.



„Das bringt nichts, weil die Vorsätze schnell wieder vergessen sind“, meint Sabine Adolph aus Saarlouis. Obwohl weniger essen und mehr Sport treiben „schon sinnvoll wären“. Aber das nimmt sie sich „lieber übers Jahr immer wieder mal“ vor. „Da halte ich gar nichts von“, sagt auch der Wallerfanger Gerhard Rupp. Meistens nimmt er sich für den jeweiligen Tag etwas vor, und „das klappt dann meistens auch“.

„Ich ändere etwas, wenn es ansteht, aber niemals zum Jahreswechsel“, verfolgt Günter Gergen eine ähnliche, meist erfolgreiche Strategie. Daher hat sich der Saarlouiser zu Neujahr „nichts vorgenommen“. Anders sieht es bei Roman Schröder aus Saarlouis aus. Für ihn war 2017 ein „gesundheitlich sehr schweres Jahr“. Er hat mit Sport angefangen, will damit weiter machen: „Ich bleibe am Ball.“

„Auf keinen Fall“ will auch Rita Schumann ihre guten Vorsätze über Bord werfen. Sie hat im Saarlouiser Hallenbad im neuen Jahr wieder mit einem Aqua-Cycling-Kurs angefangen. „Ich tue was für meinen Körper“, betont die Frau aus der Kreisstadt, „und wenn ich etwas mache, dann richtig.“ Ebenso meint Anke Schmieden aus Wallerfangen, „dass es bisher funktioniert“. Die Mutter von vier Kindern, die zudem nach eigenem Bekunden unter dem Helfer-Syndrom leidet, will künftig „mehr auf mich selbst achten, ohne andere zu vergessen“. Sie sei auf dem Weg zu mehr Ruhe, aber sich das Rauchen abzugewöhnen, „das klappt noch nicht“.

Mit dem Rauchen aufhören und abnehmen, das will auch Waldemar Steinke („Ich habe noch viel vor“). Doch während die ersten ihre Vorsätze schon über Bord werfen, hat der Merziger mit der Umsetzung noch gar nicht angefangen („Es sind ja erst 14 Tage“). Ansonsten hat sich das Ehepaar Waldemar und Natalie Steinke, das in Saarlouis zum Einkaufen unterwegs ist, nichts vorgenommen. „Das Jahr 2017 war richtig toll. Es wäre schön, wenn es so bleibt“, wünschen sich die beiden.



Keine Neujahrs-Vorsätze, sondern jeden Tag etwas Gutes machen, das versucht Uli Gräff aus Saarlouis. Die rüstige Rentnerin engagiert sich in der Sterbebegleitung und bei der Saarlouiser Tafel. „Natürlich mache ich auch was für mich“, betont sie. „Im Kopf nicht alt werden und viel Sport treiben“, lauten ihre Ziele. Im Fitness-Studio beobachtet sie, was es oft mit den guten Vorsätzen auf sich hat: „Jetzt ist alles voll und in sechs Wochen ist es schon wieder vorbei.“

„An Aschermittwoch ist alles vorbei“ heißt es in einem bekannten Fastnachtsschlager. Daher wäre in diesem Jahr der 14. Februar wohl der bessere Termin für den „Wirf-die-Neujahrs-Vorsätze-über-Bord-Tag“. Denn statistisch betrachtet, halten die guten Vorsätze bei den meisten Zeitgenossen sechs bis acht Wochen. Da sind die Amerikaner mit ihrem hierzulande völlig unbekannten Feiertag dann doch etwas zu früh dran – „America first“ mal wieder.

Roman Schröder
Roman Schröder FOTO: Axel Künkeler
Uli Gräff
Uli Gräff FOTO: Axel Künkeler
Sabine Adolph
Sabine Adolph FOTO: Axel Künkeler
Gerhard Rupp
Gerhard Rupp FOTO: Axel Künkeler
Rita Schumann
Rita Schumann FOTO: Axel Künkeler
Günter Gergen
Günter Gergen FOTO: Axel Künkeler
Anke Schmieden
Anke Schmieden FOTO: Axel Künkeler