Stichwahl Der neue Saarlouiser Oberbürgermeister heißt Marc Speicher

Saarlouis · Für Marc Speicher (CDU) ist es das Ziel einer langen Reise: Mit knapper Mehrheit gewinnt er die Stichwahl zum Saarlouiser Oberbürgermeister.

 SPD-Kandidat Florian Schäfer (rechts) beglückwünscht Marc Speicher. Hinten links im Bild: Speichers Frau Laura van Haaren mit Sohn Anton.

SPD-Kandidat Florian Schäfer (rechts) beglückwünscht Marc Speicher. Hinten links im Bild: Speichers Frau Laura van Haaren mit Sohn Anton.

Foto: Ruppenthal

Jubel, Tränen und Applaus im Saarlouiser Rathaus. Von allen Seiten Umarmungen für den Wahlsieger. Die Bürger der Kreisstadt haben entschieden: Marc Speicher (CDU) soll ihr neuer Oberbürgermeister sein. Mit 52,75 Prozent (6984 Stimmen) konnte er sich bei der Stichwahl am Sonntag knapp gegen seinen Kontrahenten Florian Schäfer (SPD) durchsetzen. Dieser konnte nur 47,25 Prozent aller Wähler von sich überzeugen (6256 Stimmen).

Für den frisch gewählten OB Speicher fühlte sich das Ergebnis 15 Minuten nach Ende der Auszählung noch „irreal“ an. Seine ersten Worte galten dem Dank an seine Frau und seine ehrenamtlichen Helfer, die Monate des harten Wahlkampfes mit ihm durchgemacht haben. Ein Jahr ist seit seiner Nominierung durch die CDU vergangen. Doch eigentlich hat die persönliche Reise, die für den 39-Jährigen in dieser Wahl ein Ende gefunden hat, noch viel früher begonnen.

Speicher will in Saarlouis als erstes das Thema Ostring anpacken

Für Speicher ist es der Höhepunkt eines Themas, das er selbst im Gespräch mit der SZ als „Lebensaufgabe“ beschreibt – die Gestaltung von Saarlouis. Speicher ist ein Kind des Stadtteils Roden und hat sein ganzes Leben in der Kreisstadt gewohnt. Schon mit 16 engagierte er sich zum ersten Mal kommunalpolitisch und prägte die Namensgebung des Marschall-Ney-Wegs. 2009 war er bereits Mitglied des Stadtrates und bestimmte dort mit über die Zukunft von Saarlouis. Nun sitzt er am längsten Hebel der Verwaltung und kann mit seinen Impulsen die Stadt maßgeblich lenken.

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Foto: Tom Peterson

Welche Veränderungen können die Saarlouiser Bürgerinnen und Bürger nun also erwarten? Schon kurz nach der Wahl stellt der frisch gewählte OB klar: „Wir müssen sofort ran beim Thema Ostring. Und das geht nur zusammen. Da müssen wir gemeinsam als Stadtrat kämpfen. Saarlouis geht vor.“ Außerdem forderte er bereits vor der Wahl: „Saarlouis muss die familienfreundlichste Stadt des Saarlandes werden.“ Als junger Papa spüre er da den Verbesserungsbedarf am eigenen Leib. Zudem wolle er kreative Gründer fördern und zum Beispiel als neue Anziehungspunkte für die Innenstadt mit einer Strategie gegen Leerstand verbinden.

Erstmals seit gut 20 Jahren CDU-Oberbürgermeister in Saarlouis

Wie erwartet war es ein spannender Wahlabend. Im Stadtgespräch zur Stichwahl hatte sich in den vergangenen Wochen kein klarer Favorit hervorgetan. Der SPD-Kandidat Florian Schäfer ging nach dem ersten Wahlgang am 9. Juni lediglich mit einem Vorsprung von knapp einem halben Prozentpunkt (130 Stimmen) in die Stichwahl. Diesen Puffer konnte er in den vergangenen zwei Wochen nicht halten. Speicher holte am Ende 5,5 Prozentpunkte mehr als sein Wahlgegner und löst nun am 1. Oktober den SPD-Oberbürgermeister Peter Demmer im Chefsessel des Rathauses ab. Es ist das erste Mal seit knapp 20 Jahren, dass ein CDUler die Rolle des Saarlouiser Verwaltungschefs einnehmen wird.

SPD-Kandidat Florian Schäfer nahm die Wahlniederlage am Sonntagabend mit Würde an. Im Sitzungssaal des Rathauses applaudierte und gratulierte er seinem Kontrahenten Speicher. „Natürlich sind wir enttäuscht, das ist ganz klar. Vor allem nach dem harten Wahlkampf, den mein Team und meine Partnerin mit mir durchgemacht haben“, sagt er später der SZ. Doch auch er richtet sofort den Blick in die Zukunft und bietet der CDU im Saarlouiser Stadtrat eine Zusammenarbeit an: „Saarlouis braucht eine stabile Mehrheit. Wenn die Feiern rum sind, gilt mein Angebot, dass wir uns zusammensetzen. Denn ich denke, dass der neue Oberbürgermeister verdient hat, eine Koalition zu haben, die auf Stabilität setzt.“