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OB Demmer rechtfertígt Schwenk bei Ausgabe von Masken in Saarlouis

Kostenpflichtiger Inhalt: OB rechtfertigt Ausgabe von Masken : Ratsmehrheit spricht von „Blamage“ bei Maskenausgabe in Saarlouis

Zeitnot und Druck aus der Bevölkerung nennt OB Peter Demmer als Grund, warum er die rund 180 000 Masken für Saarlouis nicht verteilen, sondern ausgeben ließ. Von einer Blamage sprechen Politiker der Ratsmehrheit aus CDU, Grünen und FDP.

Der Saarlouiser Oberbürgermeister Peter Demmer hat den kurzfristige Entscheidung, Corona-Masken nicht an die Haushalte zu verteilen, sondern an mehreren Stellen zentral auszugeben, mit Zeitnot und öffentlichem Druck begründet. Die Stadt Saarlouis hatten am Montagvormittag bekannt gegeben, dass die Bürgerinnen und Bürger die Masken im Laufe des Montag oder des Dienstag nun doch selbst abholen müssen. „Die Entscheidung für die jetzt durchgeführte Umsetzung erfolgte zeitnah durch den städtischen Krisenstab. Eine Hausverteilung hätte durch das zusätzliche Drucken von Adressetiketten, zusätzlichem Bekleben und dem Austragen durch Ehrenamtliche zeitlich erheblich verzögert. Bereits am Wochenende wurde ich persönlich in unterschiedlichen Formen angegangen und attackiert, warum die Masken denn noch nicht da seien. Heute Morgen setzte sich der Druck dergestalt fort, dass bereits vor 8 Uhr eine Vielzahl von Menschen vor dem Rathaus ihre Masken einforderten“, sagte Demmer am Montag auf Anfrage.

Die Entscheidung fiel „zeitnah“ im Krisenstab, erklärte Demmer. „Die Lage wurde auf Grund der geänderten Parameter erneut bewertet und die Entscheidung dann so getroffen.“ Die Vorsitzenden der Fraktionen, die Helfer bei der Verteilung an die Haushalte organisiert hatten, wurden am Montag gegen elf Uhr informiert, dass sie sich um 14 Uhr am Rathaus einfinden sollten. Demmer: „Bei mir gingen keine Beschwerden ein, im Gegenteil. Viele Ehrenamtlichen haben mich kontaktiert und ihre Hilfe auch beim Zusammenstellen der Päckchen mitzuhelfen.“

Die Aktion habe das Land von vornherein nicht mit den Kommunen abgestimmt. „Am Freitag war ich noch der Ansicht, dass eine Verteilung direkt in die Briefkästen der Bürgerinnen und Bürgern erfolgen könnte, erklärte Demmer. „Am späten Samstagabend hatte die Stadt Saarlouis – die Begleitschreiben hatten in der ersten Fuhre gefehlt - dann endlich die gesamte Lieferung und hätte in die Planung einsteigen können. Zwischenzeitlich hat man die Adressaten der Masken seitens der Landesregierung nochmals korrigiert,

OB von Saarlouis, Peter Demmer Foto: Dirk Meyer/Prisma

Die Entscheidung, in allen Stadtteilen anfahrbare Ausgabestellen (“Drive Ins) einzurichten, „war die einzige Möglichkeit, sicherzustellen, dass noch heute ein Großteil der Bevölkerung entsprechend bedient werden kann, um somit den Druck rauszunehmen. Im Übrigen haben alle größeren Städte im Saarland von Anfang an mit Drive Inns oder Abholstationen geplant“, unterstrich Demmer.

Vor einigen Ausgabestellen wie hier in Roden bildeten sich zeitweise Schlangen. Foto: Marc Speicher

Eine Verteilung wäre realisierbar gewesen, „aber nicht in der Kürze der Zeit. Der Druck aus der Bevölkerung wäre enorm geworden, auch vor dem Hintergrund, dass am Freitag noch ein Feiertag ist.“

Der Platz vor der Kulturhalle in Roden gehört zu den Verteilstellen der Masken. Foto: Thomas Seeber

Mit Stand Montagmittag geht die Stadt davon aus, dass bis Dienstagabend alle Masken ausgeliefert sind. Sollte wider Erwarten noch ein großer Restposten übrig sein, wird der am Mittwoch angeboten.

Saarlouis habe bei der Organisation der Maskenverteilung „wahrlich kein gutes Bild abgegeben. Manche sagen, es ist ein organisatorisches und kommunikatives Desaster“, kritiserte am Montagmittag die CDU „Über das Wochenende wusste niemand Bescheid, was läuft. Gutes Krisenmanagement geht anders“,erklärten Parteichef Marc Speicher und Fraktionschef Raphael Schäfer in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Wie Speicher berichteten auch andere, dass es bei der Ausgabe verschiedentlich zu Wartezeiten und´auch Unmut von Bürgern gekommen sei. „Genau das hätte man unbedingt vermeiden müssen. Man kann doch nicht Menschenansammlungen verbieten und dann eine von der Stadt bewusst herbeigeführte Menschenansammlung organisieren. Dadurch hat man die Leute einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Eine Ausgabestelle für 8000 Einwohner!“, beobachtete Speicher in Roden vor der Kulturhalle. Er versteht nicht, wieso nicht, wie anfangs geplant, an Haushalte verteilt wird. „Wir haben als CDU am Wochenende bereit gestanden, um die Masken bei den Leuten persönlich in den Briefkasten zu werfen.“

Als „Blamage gegenüber Helfern und Bürgern“ bezeichnete Grünen-Fraktionschef Gabriel Mahren „die Kommunikation“ bei der Masken-Verteilung.

FDP-Fraktionschefin Kirsten Cortez zeigte sich „ziemlich erschüttert“. Keine Info vorab für die Helfer, „stattdessen: Drive in-Stationen in den einzelnen Stadtteilen, von denen wir nicht wissen, wie das Verkehrsaufkommen sein wird, und Lautsprecherdurchsagen in der Stadt, die ein unheimliches Gefühl bei mir auslösen in dieser Lage. Ich frage mich, warum wir nicht alle am Wochenende schon zusammen Umschläge gepackt und verteilt haben.“ Und: Nach dieser Erfahrung bin ich der Meinung, wir brauchen in Saarlouis einen multiprofessionellen Krisenstab, der die Stadtverwaltung in schwierigen Situationen unterstützt“.

Im Rathaus ist eine Hotline (443-0, rathaus@saarlouis.de) geschaltet. Dort können sich Menschen mit Behinderung, alte Menschen und alle diejenigen, die nicht selbst zu einem Drive Inn kommen können, melden. Die Betroffenen werden dann persönlich angefahren und die Masken an sie ausgeliefert, versichert die Stadtverwaltung.