Noora Ayoub arbeitet ehrenamtlich im La Tienda Saarlouis

Integration : Noora fand im Laden eine zweite Familie

Die Syrerin begann als Praktikantin im Weltladen und lernte schnell Sprache und Menschen kennen.

Als Praktikantin kam Noora Ayoub zum Weltladen „La Tienda“ in Saarlouis – und gehörte bald zum festen Inventar. Die 24-Jährige floh 2016 aus Damaskus nach Deutschland. In Syrien hatte sie sieben Semester Jura studiert, das Studium wollte sie gerne fortsetzen, es wurde jedoch in Deutschland nicht anerkannt. Also schaute sie sich nach anderen Arbeitsmöglichkeiten um. „Ich war erst zwei Monate hier und hatte keine Möglichkeit, einen Sprachkurs zu besuchen“, erzählt sie, „aber ich hatte gehört, dass man hier arbeiten kann und ich wollte Deutsch lernen. Ich musste mich nur vorstellen und durfte gleich anfangen.“

Aus dem Praktikum wurde mehr: Über eineinhalb Jahre hat die junge Frau ehrenamtlich gearbeitet, jeden Samstag stand sie hinter der Ladentheke. „Es hat mir gleich super gut gefallen hier, man hat den ganzen Tag mit Leuten zu tun, die Kolleginnen sind alle super“, schwärmt Noora Ayoub.

Inzwischen kommt die Saarlouiserin nur noch als Stammkundin: Denn seit vergangenem Herbst macht sie eine zweijährige Ausbildung bei der Agentur für Arbeit, als Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleitungen. Auch dort, beim Arbeitsamt, hat sie viel mit Menschen zu tun: Ihre Sprachkenntnisse in Arabisch, Deutsch, Englisch und „auch ein bisschen Französisch“ sind dabei manchmal hilfreich, sagt die kommunikative Syrerin.

Der Laden ist ihr „wie eine zweite Familie“ geworden, sagt Ayoub. „Ich komme auf jeden Fall zurück.“ Und auch das Team dort hat die junge Syrerin ins Herz geschlossen, bestätigt Kollegin Christine Berner. Schon öfter hatte der Laden Praktikanten, die zunächst kaum Deutsch sprachen, aus Eritrea, Syrien oder anderen Ländern. „Doch die Sprache lernt man hier schnell, das ist ein Sprungbrett“, meint Berner.

„Die Leute haben einfach normal mit mir geredet“, sagt Ayoub, die nach drei Jahren nun fast perfekt deutsch spricht, und lacht: „Nicht extra langsam oder lauter.“ Und Saarländisch, witzelt sie, hat sie so dank der netten Stammkunden nebenbei auch noch gelernt.

Mehr von Saarbrücker Zeitung